Der frühere Geschäftsführer der Signa Holding, Christoph Stadlhuber, ist am Donnerstag im Pilnacek-U-Ausschuss zu jenem Hauskauf befragt worden, der zu einigen Spekulationen rund um den Tod des ehemaligen Sektionschefs geführt hatte. Stadlhuber zeigte sich eingeschränkt auskunftsfreudig, pochte mehrfach auf seine Privatsphäre.
Christoph Stadlhuber war zwölf Jahre lang Teil von René Benkos Signa-Gruppe, zuletzt als Geschäftsführer des Flaggschiffs Signa Holding. Diese meldete Ende November 2023 Insolvenz an, der Zusammenbruch der Gesellschaft führte zur größten Pleite der europäischen Nachkriegsgeschichte. Dies alles habe allerdings mit dem Hauskauf in Rossatz nichts zu tun, betonte Stadlhuber in seinem Eingangsstatement vor dem Untersuchungsausschuss.
Christian Pilnacek habe er im Zuge des Hauskaufs nur einmal zufällig getroffen, als er sich in seinem nahegelegenen Weingarten aufgehalten habe und die Maklerin ihn angerufen habe. Er sei dann hingefahren, da sei Pilnacek vor Ort gewesen. „Ich war noch in meiner Arbeitskleidung und habe Pilnacek zuerst gar nicht erkannt. Erst, als er sich namentlich vorgestellt hat.“
Chats zwischen Pilnacek und Stadlhuber
Weiterer Kontakt sei dann hauptsächlich über die Maklerin und den Notar gelaufen, so Stadlhuber. Dem gegenüber stehen allerdings Chatnachrichten zwischen Stadlhuber und Pilnacek, welche der „Krone“ vorliegen, in welchen auch ein Anruf rund um den Hauskauf vereinbart wurde. Wieso dies nicht über die Maklerin abgewickelt wurde, ließ Stadlhuber offen, er könne sich da nicht mehr an alle Details erinnern.
Zuvor hatte er zudem auf die Frage von SPÖ-Abgeordneter Katrin Auer geantwortet, er habe das Kaufanbot der ZB Capital, jener Schweizer Gesellschaft, die dem deutschen Unternehmer Wolfgang Rauball zugeordnet wurde, nicht mit Pilnacek in Verbindung gebracht.
Die Information sei dann erst über die Maklerin gekommen, dass der zu diesem Zeitpunkt suspendierte Sektionschef das Haus, wohl „mit einer oder beiden Damen“ (gemeint sind Pilnaceks Vertraute Karin Wurm und die ehemalige Mitbewohnerin Anna P., Anm.) nutzen werde. Pilnacek habe dies bei dem besagten Treffen während der Hausbesichtigung nicht erwähnt: „Wir haben belanglos über die Schönheiten der Wachau gesprochen.“
„Keine Wahrnehmung“ zu Geld aus Dubai
Zu etwaigen Geldflüssen aus Dubai habe er „keine Wahrnehmung“, antwortete Stadlhuber auf die Frage des ÖVP-Fraktionsführers Andreas Hanger, auch nicht zu einer eventuellen politischen Einflussnahme. Nach dem Tod Pilnaceks habe es „E-Mails und das eine oder andere Telefonat“ mit Wolfgang Rauball gegeben, der weiterhin Interesse an dem Haus bekundet hätte: „Allerdings haben wir das dann prüfen lassen und da gab es einige Schwierigkeiten, wenn eine Schweizer Gesellschaft das Objekt kaufen möchte.“ Wenig später sei der Käufer dann auch von dem Anbot zurückgetreten.
Wirbel um Signa-Frage
NEOS-Abgeordnete Sophie Wotschke fragte dann direkt nach der Signa. So hatte Christian Mattura aus Auskunftsperson im U-Ausschuss ausgesagt, Rauball habe ihm gegenüber erwähnt, dass es Probleme wegen der Insolvenz der Signa Sport United gebe mit dem Hauskauf.
Die Signa Sports United (SSU) war eine börsennotierte Tochtergesellschaft der Signa Holding von René Benko, meldete Ende Oktober 2023 Insolvenz an, nachdem eine zugesagte Kapitalspritze von 150 Millionen Euro zurückgezogen wurde. Die SSU war eigentlich der Stein des Anstoßes, welcher René Benkos Kartenhaus zum Einsturz brachte. Wotschke fragte nach Wahrnehmungen Stadlhubers zu Beratungstätigkeiten Pilnaceks zur Signa oder René Benko.
Damit wurde es allerdings sowohl der Verfahrensrichterin als auch dem Vorsitzenden Walter Rosenkranz zu viel, nach diversen Geschäftsordungsdebatten wurde eine Stehung unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt. Entscheidung: Die Fragestellung betrifft nicht den Untersuchungsgegenstand. Stadlhuber beantwortete die Frage anschließend freiwillig und hatte – wenig überraschend – keine Wahrnehmungen dazu.
„Könnte sein, dass Pilnacek eine Vollmacht hatte“
Auch seien die Verzögerungen beim Hausverkauf in keinem Zusammenhang mit der Signa-Pleite gestanden, lässt er Nina Tomaselli (Grüne) wissen. Dass Pilnacek sein Ansprechpartner gewesen sei und damit jemand anders als der eigentliche Käufer, habe er nicht als „seltsam“ empfunden: „Ich glaube, mich erinnern zu können, dass Pilnacek eine Vollmacht von der ZB Capital hatte und unterschreiben durfte.“ Diese habe er aber nie gesehen, er habe das „nur gehört“. Auf dem Handelsregisterauszug aus der Schweiz seien jedenfalls keine Unregelmäßigkeiten zu sehen gewesen, antwortet Stadlhuber auf die Frage von SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer.
Vor dem Hauskauf habe er keinen Kontakt zu Pilnacek gehabt, konkretisiert Stadlhuber dann auf Nachfrage des FPÖ-Abgeordneten Michael Oberlechner. Pilnaceks Rolle im Hauskauf habe er auch nicht hinterfragt. Nach dessen Tod sei kommuniziert worden, dass weiterhin Interesse besteht, es habe sogar am Tag des Todes am Abend einen Besichtigungstermin mit Karin Wurm und Anna P. gegeben, welche Möbel in dem Haus verbleiben sollten. Da sei er, Stadlhuber auch dabei gewesen: „Ich habe natürlich mein Beileid ausgedrückt.“
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