Album & Tour

Stubnblues 2.0: Politische Wut kennt kein Alter

Musik
14.04.2026 05:00

„Wesenheiten“ nennt sich das zweite Album von Stubnblues 2.0, die sich damit nicht nur endgültig von ihrer Vergangenheit mit Willi Resetarits emanzipieren, sondern in feingliedrigen Liedern wieder politische Wut zu verorten wissen. Bandchef und Komponist Stefan Schubert fuhr von Salzburg nach Wien, um uns nähere Einblicke zu geben.

kmm

Wienerlied, Jazz, Funk, Soul oder Blues, vermischt mit literarischen Texten im Stile eines H.C. Artmann oder das Covern bzw. Eindeutschen Lieder großer Interpreten wie Van Morrison, Willy DeVille oder Tom Waits – das waren die Eckpfeiler der legendären Combo Stubnblues, die vom unvergessenen Willi Resetarits und dem Salzburger Gitarrist und Komponist Stefan Schubert zwischen 2004 und 2022 einem ständig größer werdenden, interessieren Publikum nähergebracht wurden. Mit dem tragischen Tod von Resetarits starb auch die erste Inkarnation des Stubnblues, aber Schubert hat seine Mannschaft (auch mit starken Frauen) neu aufgestellt und den Stubnblues 2.0 gegründet. Mit „Wo da Rauch hiziagt…“ gab es 2024 ein erstes Lebenszeichen, das sich folgerichtig mit Themen wie das Weggehen und Verschwinden befasste.

Es wird wieder lauter und wilder
In den letzten Monaten feilte man zwischen Salzburg und Wien an der Nachfolgeplatte „Wesenheiten“, die erneut eine Art musikalische Weiterführung der Resetarits-Ära darstellen, ohne diese aber stumpf zu kopieren. „Allein, dass wir jetzt wieder mehr Schlagzeug in den Liedern haben, macht viel aus“, lacht Schubert im „Krone“-Gespräch, „das wäre mit dem Willi nicht möglich gewesen. Da wurde alles immer ruhiger und gediegener. Jetzt darf es wieder lauter und wilder werden.“ Das passt nicht zuletzt auch zur inhaltlichen Ausrichtung. Die Zeiten von Trauer und Melancholie sind zwar nicht vorbei, aber doch wieder stärker einer politischen Agenda gewichen. Auch wenn es Songtitel wie „Heit dahaam, muagn duat“, „Ois ob mi kaana kennt“ oder „Di Antn“ nicht gleich aussagen – es gibt dort ausreichend Wut, Zorn und Unverständnis gegenüber der aktuellen Weltlage zu finden. Verpackt mit Humor und für alle zugänglich interpretiert.

„Erich Kästner hat gesagt, dass quasi jede Art von Kunst, die nicht politisch ist, irrelevant, unnötig und sinnlos sei. Dumpfe Unterhaltung allein ist zu wenig, aber wir sind auch nicht übergriffig und beleidigend. Es ist heutzutage nicht mehr möglich, keine Position einzunehmen.“ Ein kompletter Außenseiter ist nur die von Bonnie Raitt in den Wiener Dialekt transformierte Verlassenheitsode „Kumm zruck“, wo die handelnde Protagonistin eine fast schon devote Haltung einnimmt und bitterlich ihrem Verflossenen nachtrauert. „Es is Zeit“ hingegen wird deutlich konkreter. „Man darf aber nicht zu konkret werden, denn dann ist ein Lied zu stark zeitgebunden und verliert mit den Jahren seine Dringlichkeit.“ Als Texter sucht Schubert immer nach einem humanistischen Ansatz. „Es sollen alle wissen, worum es uns geht. Deshalb muss die Erzählung allgemeingültig sein.“

Neue Farbe beim Gesang
Die zumeist ruhige Instrumentierung vermischt sich mit Dialektpoesie und einer untrüglichen Liebe für Fairness, Frieden und Gleichberechtigung. Es ist das Spiel der gemeinsamen Kräfte, die Stubnblues 2.0 aus dem übermächtigen Schatten von Willi Resetarits heraustreten lassen. Camillo Jenny streichelt sein Schlagwerk, Frauenorchester-Mitglied Marlene Lacherstorfer bedient den markanten Bass und mit Bina Blumencron hat man jetzt auch eine weibliche Lead-Stimme hinzugewonnen. „Sie gibt den Liedern eine ganz neue Farbe. Natürlich hätten wir für die Nachfolge von Willi auch einen älteren Mann nehmen können, aber den Gedanken haben wir schnell verworfen. Und eine junge Frau wird sicher nicht direkt mit dem Willi verglichen.“

Klassisches politisches Liedermachertum der Marke Bob Dylan seien die Stubnblues-2.0-Songs aber ebenso wenig wie pathetische Zeigefinger-Moralpredigen á la U2. „Die Vernunft kann sich dem Bösen mit größerer Wucht entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht“, zitiert Schubert dabei Papst Gregor I., „ich sage auch meinen Kindern immer, dass wir ruhig wütend sein dürfen, aber diese Wut darf niemals blind machen.“ Beim Titel „Wesenheiten“ hatte der Bandchef übrigens Fabelwesen, Kobolde und Feen im Kopf, aber die dichterische Interpretation leitet schnell über in die Realität. „Es wäre schön, wenn unsere Musik ein Orientierungspunkt für Menschen wäre. Wir sind sicher nicht der Leuchtturm der Wahrheit, aber es ist schön, wenn man mit seinen Liedern auf den einen oder anderen vielleicht doch eine kleine Auswirkung hat.“

Live in ganz Österreich
Verstärkt werden die Botschaften auf „Wesenheiten“ durch Livekonzerte und derer gibt es so einige. Heute Abend präsentiert man das am Freitag erscheinende Album vorab im Wiener Stadtsaal. Weitere Termine: 15. April Komödie Graz, 23. April Komma Wörgl, 24. April Spielboden Dornbirn, 25. April Kulturmühle Pregarten, 30. April ArgeKultur Salzburg, 1. Mai Bühne im Hof St. Pölten, 26. und 27. Juni Weingut Pongratz in Gamlitz, 26. Juli bei den Salzachfestspielen in Lauterach, 16. September Theater am Spittelberg in Wien, 9. Dezember Stadttheater Brunneck und 10. Dezember Cinetheatro Neukirchen. Unter www.stubnblues2punkt0.at finden Sie alle Termine und weitere Infos.

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