Die Stiftskonzerte in Oberösterreich verbinden auch heuer große Klangkunst mit historischer Kulisse. Mit einem musikalischen Höhepunkt wurden sie im Marmorsaal von St. Florian eröffnet. Die erst 25-jährige niederländische Geigerin Noa Wildschut hat sich bereits einen festen Platz auf den internationalen Konzertpodien erobert und begeisterte das Publikum von der ersten Minute an.
Einzigartiger Klang: In Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1 entfaltete die niederländische Geigerin Noa Wildschut auf ihrer Guarneri „Lady Stretton“ einen außergewöhnlich schönen Ton.
Ihre Musikalität, die intensive Gestaltungskraft und die souveräne Beherrschung ihres Léonard-Tourte-Bogens ließen die lyrischen wie virtuosen Passagen gleichermaßen eindrucksvoll zur Geltung kommen. Vor allem aber war ihre unverstellte Spielfreude spürbar: Wildschuts natürliche Ausstrahlung und ihre ansteckende Begeisterung erreichten nicht nur die Ohren, sondern auch die Herzen des Publikums – ein besonderes Geschenk für die zahlreichen Konzertbesucher.
Klassik, verbunden mit der Region
Als Zugabe wählte sie mit Alla Fantasia von Nicola Matteis Junior ein barockes Solostück für Violine. Die kunstvollen Akkordbrechungen erinnerten stellenweise an Bachs Chaconne und überzeugten durch makellose Intonation sowie eine stilistisch feine Gestaltung.
Die akustischen Herausforderungen des Marmorsaals, dessen Halligkeit selbst bei ausverkauftem Haus spürbar bleibt, sind dem Chefdirigenten des Bruckner Orchesters Linz, Markus Poschner, seit Jahren vertraut. Mit großer Erfahrung und Übersicht führte er das Orchester durch Franz Schuberts Symphonie Nr. 8 in C-Dur, die sogenannte „Große“.
Instrumente wie Singstimmen
Das Werk entstand während Schuberts längster Reise ins Salzkammergut, das er als „wahrhaftig himmlisch“ bezeichnete, sowie während seines Aufenthalts in Bad Gastein. Robert Schumann, der die Uraufführung 1839 in Leipzig erlebte, bewunderte insbesondere die Behandlung der Instrumente wie „Menschenstimmen“ und die „über die Maßen geistreichen“ Melodien. Genau diese Qualitäten arbeiteten Poschner und das hervorragend disponierte Bruckner Orchester Linz eindrucksvoll heraus.
Solistische Leistungen erreichten Weltklasseniveau
Das Hornsolo zu Beginn der Symphonie, die vielen Oboensoli sowie die gesanglichen Linien von Violinen und Violoncelli. Dass das große Werk trotz der schwierigen Akustik jederzeit transparent und präzise klang, war nicht nur dem auswendig dirigierenden Markus Poschner zu verdanken, sondern auch der außergewöhnlichen Aufmerksamkeit des gesamten Orchesters.
Hervorzuheben sind dabei insbesondere die Kontrabässe auf der linken Seite des Podiums sowie Solopauker Leonhard Schmidinger, die wesentlich zur rhythmischen Stabilität und klanglichen Geschlossenheit beitrugen.
Die Eröffnung der Stiftskonzerte 2026 geriet damit zu einem musikalischen Fest auf höchstem Niveau.
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