Fr, 20. Juli 2018

Protestaktion

01.07.2014 20:09

Ungarn: "Hunger King" serviert Bargeld für Arme

Auf den ersten Blick glaubt man, nur eines der zahlreichen Fastfood-Lokale in Budapest vor sich zu haben. Doch bei näherer Betrachtung wird einem klar, dass man hier wohl doch keine Burger oder Pommes frites serviert bekommt. Ein finnischer Künstler hat im Rahmen einer Protestaktion gegen die Sozialpolitik der Regierung unter Viktor Orban in Anlehnung an die US-Fastfood-Kette "Burger King" ein "Hunger King"-Lokal in der ungarischen Hauptstadt gestaltet. Statt Essen gibt es für arme Gäste Bargeld in der Höhe von umgerechnet rund elf Euro.

Der Künstler Jani Leinonen und seine Unterstützer möchten mit der Aktion vor allem auf die große Kluft zwischen Arm und Reich und die zunehmende Kriminalisierung der Obdachlosen in Ungarn hinweisen. So können seit dem vergangenen Jahr Obdachlose ins Gefängnis kommen, wenn sie auf der Straße übernachten.

Idee während Restaurant-Neueröffnung geboren
Gegenüber der Nachrichtenseite "Vice News" meinte Leinonen vor Kurzem: "Obdachlosigkeit ist ein großes globales Problem, also keineswegs eine ungarische Eigenheit. Auch in Finnland, Großbritannien, Frankreich und in den Vereinigten Staaten gibt es ähnliche Probleme." Die Idee sei ihm gekommen, als er einer Neueröffnung einer "Burger King"-Filiale in Helsinki beiwohnte. Damals habe es zwei in etwa gleich lange Menschenschlangen gegeben - eine vor dem Eingang zum Restaurant und eine in der Nähe einer Küche für Arme, erzählte der Finne.

Diesen Kontrast bewahrt Leinonen auch mit seinem "Hunger King"-Restaurant in der Nähe der Oper in einem der Nobelviertel von Budapest. Das vermeintliche Restaurant hat zwei Eingänge, einen für Reiche - mit Red Carpet - und einen für Arme. Auch das Menü ist auf die beiden "Zielgruppen" abgestimmt, wie auch auf der Website des Projekts zu sehen ist. "Sind Sie reich? Dann bekommen Sie bei uns das (...). Sind Sie arm? Dann geht es hier zu ihrem Menü", heißt es auf dem Menüplan, der eins zu eins jenem der "Burger King"-Restaurants nachempfunden ist.

Getrennte Speisekarten für Arme und Reiche
Getrennte Speisekarten für Reiche und Arme liefern eine Beschreibung, wie unterschiedlich Vertreter beider sozialer Gruppen von der ungarischen Regierung behandelt werden: Während sich die Reichen über Steuererleichterungen, eine gute Schulbildung ihres Nachwuchses und großzügige Familienbeihilfen freuen dürfen, blühen laut der Speisekarte Armen schlechte Ausbildung, Ausgrenzung und eine enorme Steuerlast.

Die "Hunger King"-Filiale in Budapest hat noch bis 6. Juli geöffnet. Ob Leinonen ähnliche Aktionen in anderen Städten plant, ließ der Künstler bisher offen. "Ich könnte das jederzeit auch in Helsinki oder Paris machen und es würde genauso gut funktionieren", so Leinonen.

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