Schneidende Riffs, schottische Geschichte in den Texten, Heavy Metal in allen Ausprägungen im Herzen – der Schotte James McBain hat sich mit Hellripper seinen Bubentraum erfüllt und tourt regelmäßig um die Welt. Mit seinem neuen Album „Coronach“ kommt er in die Wiener Arena, der „Krone“ erzählte er, warum seine Eltern Background-Vocals am Debütalbum sangen und wieso er die Hamburger Techno-Legenden Scooter liebt.
Sagen- und Märchenkunde sind im Metal keine Seltenheit, zumeist verstecken sich Geschichten von Anno dazumal aber hinter klebrigen Keyboard-Melodien oder kitschigem Hochgesang. Einen anderen Weg schlug vor mehr als zehn Jahren der schottische Metal-Nerd und Hobby-Historiker James McBain ein. Animiert von Thrash- und Black-Metal-Bands wie Venom, Darkthrone, Megadeth oder alten Metallica bastelte er schon im Kinderzimmer an den ersten schnittigen Riffs, die sich schließlich 2015 in der Debüt-EP „The Manifestation Of Evil“ entladen sollten. Dass McBain etwas anders tickt, als man es gemeinhin in der Szene gewohnt ist, bewies er schon auf seinem abendfüllenden Albumdebüt „Coagulating Darkness“ (2017) – für die Background-Vocals sorgte niemand Geringer als seine Erzeuger.
Nicht mehr wegzudenken
„Meine Mom liebt Popbands wie Queen, aber mein Onkel hat mir früh Black Sabbath und Judas Priest nähergebracht. Er hatte auch ein paar Alben der Punkrock-Legenden Discharge bei sich zu Hause herumstehen“, erzählt McBain der „Krone“ im Interview, „mein Dad hörte gerne AC/DC, die Beatles, die Eagles Of Death Metal und Dire Straits – irgendwo dazwischen bin ich musikalisch aufgezogen worden und als ich meine Eltern fragte, ob sie auf meinem Album zu hören sein möchten, haben sie sofort zugesagt.“ Mittlerweile hat McBain mit seinem Lebensprojekt Hellripper eine weltweite Fanbase aufgebaut und ist damit auch ständig auf Tour und von den großen Extreme-Metal-Festivals nicht mehr wegzudenken. Dazu gehört auch strenge Disziplin. „Bei mir gibt’s nicht jeden Tag Party, das wäre unmöglich und würde meine Stimme ruinieren. Ich weiß, was ich zu tun habe und dieser Leidenschaft ordne ich alles unter.“
Seine Lieder pendeln zwischen wilden Thrash-Metal-Ausritten, Ehrerbietungen an den traditionelleren Heavy Metal und grätschen manchmal auch in Richtung Punk aus. Das neue Album „Coronach“ (ein traditionell schottisch-gälischer Klagelaut bei Todesfällen) wagt sich mit teils überlangen Songs wieder mutig über alle streng gezogenen Genre-Grenzen drüber und beweist, dass Spannung und Innovation noch immer möglich sind, wenn man sich Limitierungen entzieht und keine Scheu vor Experimenten und Fortschritten hat. McBain ist dabei Alleinunterhalter im besten Sinne. Er schreibt alle Songs selbst, spielt jedes Instrument im Studio ein, produziert auch gerne und ist sich nicht zu schade, bei Livekonzerten nach dem Auftritt höchstpersönlich am Merchandise-Tisch zu stehen. Nur dort braucht er drei treue Mitmusiker, die ihm seit acht Jahren kundig die Stange halten.
Alleinarbeiter aus Prinzip
Das habe aber per se nichts mit fehlendem Vertrauen zu tun, wie er betont. „Ganz im Gegenteil, aber ich genieße es einfach, alle Schritte selbst zu machen und an allen Kleinigkeiten zu arbeiten. Je mehr Leute mit dir an etwas arbeiten, umso mehr Kompromisse musst du eingehen, umso mehr Diskussionen musst du führen. Für mich ist vom Songs schreiben übers Livespielen und Merch designen bis hin zu den Social-Media-Aktivitäten alles Spaß, weil all das meinem Herzensprojekt zugutekommt.“ Dass die Konzerthallen größer und das Publikum immer mehr werden, gehört zu den angenehmen Nebenerscheinungen, wenn sich Leidenschaft und harte Arbeit bezahlt machen. Dass McBain aus dem grauen Aberdeen in Schottland ist, wo die großen Metal-Acts nicht gerade erblühen, macht die Erfolgsgeschichte noch spezieller. „Die Welt ist ohnehin globalisiert und bin über YouTube und das Internet zur Musik gekommen. Für mich ist Musik nur in gut und nicht gut zu kategorisieren. Alles andere interessiert mich nicht.“
Dass er in seinen meist gekeiften Texten viel Wert auf die schottische Folklore legt, hat auch einen Grund. „Nicht falsch verstehen, ich liebe die klassischen Metal-Klischeetexte, weil sie meist perfekt zu einem gewissen Sound passen, aber ich habe schnell gemerkt, dass mir das für Hellripper zu wenig ist. Ich wohne mittlerweile in den Highlands, diese Gegend hat mich dazu inspiriert, tiefer in die schottische Geschichte und Folklore einzutauchen. Das bringt mir im Endeffekt etwas mehr Eigenständigkeit, weil das im Metal sonst niemand macht.“ Die ländliche Abgeschiedenheit erinnert fast an die Black-Metal-Schauergeschichten aus dem fernen Norwegen. „Ich stehe aber nicht im Wald herum, um zu schreien“, lacht der Musiker, „aber es gibt mir die Möglichkeit, in Ruhe an meinen Projekten zu basteln und mich nicht vom Nachtleben in Glasgow oder Edinburgh beirren zu lassen.“ Dort bleibt auch Zeit, für seine andere große Leidenschaft: die Hamburger-Techno-Legenden Scooter bis zum Anschlag aufzudrehen. „Nonstop Rave, ich liebe sie, war schon bei vielen Konzerten. Ich höre sie, so oft es geht.“
Live in der Wiener Arena
Am Montag, 13. April, präsentiert Hellripper das neue Album „Coronach“ mit den Bands Sarcator und Schizophrenia in der Wiener Arena. Die Show ist bereits restlos ausverkauft.
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