Mit ihrem Vorstoß für eine dritte Röhre im Plabutschtunnel sorgten die steirischen Sozialpartner für Aufsehen, aber auch für Verwunderung. Nun legen sie nach – auch mit einem Gutachten der Asfinag. Warum 600 Millionen Euro Baukosten nicht zu viel sein sollen und die Schweiz als Vorbild dient.
„Ein verfrühter Aprilscherz?“ Solche Nachrichten trudelten auf den Handys von Sozialpartnern ein, als sie Anfang der Karwoche gemeinsam eine dritte Röhre für den zehn Kilometer langen Plabutschtunnel bei Graz forderten. Nein, das ist ernst gemeint, betonen Vertreter von Wirtschafts-, Arbeiterkammer, Gewerkschaft und Industriellenvereinigung auch am Mittwoch. Und sie versuchen, die Notwendigkeit mit Zahlen zu unterlegen.
Darum geht es: Der zweiröhrige Tunnel auf der A9 ist eine wichtige Umfahrung der steirischen Landeshauptstadt im Westen. Wenn er, etwa wegen eines Unfalls gesperrt wird, muss der Verkehr einmal quer durch das Stadtgebiet umgeleitet werden – Staus sind die Folge.
20.000 Fahrzeuge pro Tag müssten durch Graz
Spätestens 2035 muss der Tunnel umfassend saniert werden. Die Asfinag plant, je eine Röhre zu sperren und in der anderen einen Gegenverkehr einzurichten. Eine Sanierung nur nachts, wie zuletzt 2017 bis 2019, sei nicht möglich. Die Hälfte der Autos und Lkw muss abgeleitet werden. „Wir sprechen von etwa 20.000 Fahrzeugen pro Tag, an starken Reisetagen sind es noch weit mehr“, sagt Volkswirt Ewald Verhounig von der Wirtschaftskammer.
Die Baustelle soll fünf bis sechs Jahre dauern. Ein Horrorszenario für Graz, so die Vertreter der Sozialpartner – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial, wie Wolfgang Waxenegger vom ÖGB betont. Bewohner und Einpendler würden stark leiden.
Dritte Röhre kostet etwa 600 Millionen Euro
Die Asfinag hat mehrere Varianten untersuchen lassen, neben Umfahrungen im Westen und Osten der Stadt auch eine dritte Röhre parallel zu den beiden bestehenden. Diese könnte nach Ende der Baustelle sogar dauerhaft verfügbar sein, heißt es in der mit Februar 2025 datierten Studie. Und dennoch schließt die Asfinag diese Variante aus. Grund: Selbst nach einer „optimistischen Schätzung“ würde die Inbetriebnahme erst in 20 Jahren möglich sein – viel zu spät.
Die Sozialpartner halten dennoch am Vorschlag fest. „Er ist alternativlos“, meint Verhounig. Die Baukosten werden auf 600 Millionen Euro geschätzt. Viel Geld, dem die Sozialpartner eine andere Zahl entgegenhalten: Laut der Asfinag-Studie würden während der nun vorgesehenen Sanierung alleine durch Staus und Unfälle Kosten von 140 Millionen Euro pro Jahr anfallen, über die gesamte Bauzeit sind das bis zu 700 Millionen Euro.
Und eine dritte Röhre sei kein Hirngespinst: Es gibt in der Schweiz mit dem Gubristtunnel und dem Bareggtunnel schon zwei Beispiele dafür, auch anderswo in Europa, aber auch in Österreich (Linz, Innsbruck) werde das Thema bald stärker aufschlagen.
Landespolitik hält Ball noch flach
Und die prognostizierten 20 Jahre bis zur Errichtung? Es sollte auch schneller möglich sein, meinen die Steirer, das Land erarbeitet gerade eigene Konzepte. Verkehrslandesrätin Claudia Holzer (FPÖ) hat zudem eine Mitfinanzierung in den Raum gestellt und führt Gespräche mit dem Verkehrsministerium – insgesamt hält die Landespolitik den Ball in dieser Causa aber noch eher flach.
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