Die Sanierung des Plabutschtunnels auf der A9 steht bevor. Während der Baustelle muss der Verkehr voraussichtlich einspurig geführt werden. Die Konsequenz: 20.000 zusätzliche Autos auf den Ausweichrouten im Grazer Stadtgebiet. Um einen Verkehrskollaps zu verhindern, fordert ein Bündnis nun eine „Bypassröhre“ – die Asfinag lehnt ab.
Der 1987 eröffnete Plabutschtunnel muss in etwa fünf Jahren saniert werden. Die IT-Infrastruktur gehört auf den aktuellen Stand der Technik gebracht, die Fahrbahn erneuert. Schon jetzt gilt der Tunnel als Nadelöhr für Pendler und Lieferanten – bei Sperren kommt es immer wieder zu massiven Überlastungen auf den Ausweichrouten im Grazer Stadtgebiet.
Ein Bündnis aus der Industriellenvereinigung, Gewerkschaftsbund sowie Wirtschafts- und Arbeiterkammer fordert nun für die Dauer des Umbaus, der etwa fünf Jahre dauern wird, eine „Bypassröhre“ zur Entlastung. Soll heißen: Vor Beginn der Sanierung soll eine dritte Röhre errichtet werden, über die der Verkehr umgelenkt werden kann. Kostenpunkt: etwa 600 bis 700 Millionen Euro.
Wenn Lieferketten ins Stocken geraten, Termine nicht gehalten werden können und die Erreichbarkeit eingeschränkt ist, geraten Betriebe massiv unter Druck.

Josef Herk
WKO-Präsident
Bild: Jürgen Fuchs
„Der Plabutschtunnel ist eine zentrale Schlagader für die steirische Wirtschaft. Wenn Lieferketten ins Stocken geraten, Termine nicht gehalten werden können und die Erreichbarkeit eingeschränkt ist, geraten Betriebe massiv unter Druck“, argumentiert WKO-Präsident Josef Herk. „Planungssicherheit und leistungsfähige Infrastruktur sind entscheidend und genau dafür steht der Bypass“, ergänzt IV-Präsident Kurt Maier.
20.000 zusätzliche Autos durch Graz
Aktuell fahren täglich knapp 43.000 Fahrzeuge durch den Plabutschtunnel. Etwa 20.000 Autos müssten laut Aussendung der IV während der Baustelle über das Grazer Stadtgebiet bzw. die Umlandgemeinden umgeleitet werden. Schlechtere Luftqualität, blanke Nerven und Lieferverzögerungen wären die Konsequenz. Ein volkswirtschaftlicher Schaden von 140 Millionen Euro wird vorgerechnet – insgesamt soll die „Bypassröhre“ sogar kostenneutral sein.
Gute Arbeit braucht funktionierende Infrastruktur und deshalb ist klar, dass eine Lösung vor Beginn der Sanierung geschaffen werden muss.

Horst Schachner
ÖGB-Landesvoristzender
Bild: Sepp Pail
„Wer gute Arbeitsbedingungen sichern will, muss auch für funktionierende Wege zur Arbeit sorgen“, sagt AK-Präsident Josef Pesserl. Auch ÖGB-Landesvorsitzender Horst Schachner stimmt zu: „Gute Arbeit braucht funktionierende Infrastruktur und deshalb ist klar, dass eine Lösung vor Beginn der Sanierung geschaffen werden muss.“
Realisierbarkeit bleibt fraglich
Die Asfinag lehnt den Vorstoß jedoch ab, heißt es am Montagnachmittag gegenüber der „Krone“: „Der Bau einer dritten Röhre würde nicht nur deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, auch verkehrspolitisch, betrieblich und betriebswirtschaftlich ist ein derartiges Projekt nicht sinnvoll. Allein für Planung und Verfahren wären mehrere Jahre erforderlich. Ein Baustart wäre im besten Fall in 15 Jahren möglich, die Verkehrsfreigabe entsprechend später. So lange könnten die bestehenden Tunnelröhren ohne Generalsanierung nicht mehr in Betrieb sein.“
Die Asfinag sei seit mehr als zwei Jahren in Gesprächen mit dem Land und allen Stakeholdern, um für die Dauer der Generalsanierung ein Maßnahmenbündel zu schnüren, mit dem die Auswirkungen der Bauarbeiten so gering wie möglich gehalten werden sollen. Das reicht von zusätzlichen Angeboten im Öffentlichen Verkehr bis hin zu neuen Park-and-Ride-Plätzen mit möglichen Öffi-Kombiangeboten im Einzugsgebiet von Graz.
Es muss auf jeden Fall verhindert werden, dass es zu Nachteilen kommt, die das Verkehrsregime in Graz überbeansprucht oder gar zum Kollabieren bringt.

Elke Kahr
Bürgermeisterin Graz
Bild: Christian Jauschowetz
Aus Graz meldet sich am Montag dann auch Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) zu Wort. Sie warnt vor einem „Verkehrskollaps“ und meint, dass viel für eine dritte Röhre sprechen würde. Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) stimmt ihr zu: „Wir müssen jetzt alles daransetzen, ein weiteres Verkehrs- und Stauchaos in Graz zu verhindern. Die Prüfung einer Plabutsch-Entlastungsröhre ist deshalb eine sinnvolle und notwendige Maßnahme.“
Arbeitsgruppe bereits eingerichtet
Zustimmung kam auch aus dem Büro der Verkehrslandesrätin Claudia Holzer (FPÖ): „Es wäre gerechtfertigt, für den Bau eines Umleitungstunnels 600 Millionen Euro in die Hand zu nehmen.“ Auf ihre Initiative wurde bereits eine Arbeitsgruppe eingerichtet – die Finanzierung müsse zwischen den betroffenen Stellen (Asfinag, Land, Stadt) ausgearbeitet werden.
Seit Jahren wird zudem der Ausbau der A9 um eine weitere, dritte Spur im Süden von Graz diskutiert. SPÖ-Verkehrsminister Peter Hanke gab hierfür vergangenen Spätsommer grünes Licht. Die steirischen Grünen meinen jedoch, das Projekt würde einer Umweltverträglichkeitsprüfung nicht standhalten. „Das derzeitige Getöse im Ministerium ist vor allem eine Show ohne Substanz. Die Emissionen und damit die Luftqualität würden sich maßgeblich verschlechtern“, sagt Verkehrssprecher Lambert Schönleiter.
Das derzeitige Getöse im Ministerium ist vor allem eine Show ohne Substanz. Die Emissionen und damit die Luftqualität würden sich maßgeblich verschlechtern.

Lambert Schönleitner
Verkehrssprecher Grüne
Bild: Christian Jauschowetz
Die Grünen fordern am Montag einmal mehr alternative Lösungswege. Darunter die Prüfung der Freigabe des Pannenstreifens bei Verkehrsspitzen, einen Schnellbus-Shuttle zu Park-and-Ride-Plätzen und Überholverbote für den Schwerverkehr. Ein Autobahn-Ausbau würde nur noch mehr Autos auf die Straßen bringen, ist Schönleitner überzeugt.
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