Josefstadt-Abschied

Sandra Cervik: „Ich habe meinen Frieden gemacht!“

Bühne
09.04.2026 07:00

Die Wiener Schauspielerin Sandra Cervik nimmt mit ihrem Mann, Direktor Herbert Föttinger, nach dieser Saison Abschied vom Theater in der Josefstadt. Am Donnerstag, 9. April, feiert sie ihre letzte Premiere in den Kammerspielen mit Georg Büchners „Leonce und Lena“. Wir baten zum Abschieds-Interview. 

kmm

„Krone“: Sie feiern Ihre letzte Premiere nach 28 Jahren Josefstadt mit „Leonce und Lena“ in den Wiener Kammerspielen – was ist das für ein Gefühl?

Sandra Cervik: Es schwingt schon eine kleine Melancholie mit, weil 28 Jahre an diesem Haus einfach eine lange Zeit sind, in der ich auch viele Intendanten erlebt habe … Aber irgendwie ist es auch ganz fein, dass etwas Neues losgeht. Ich habe meinen Frieden damit gemacht.

Sie haben eigentlich alles gespielt, was man so spielen kann, oder?
Ja, ich war sehr beschäftigt, das muss man schon sagen (lacht). Ich habe viele schöne Produktionen gespielt, wir hatten eine wirklich gute Zeit. Die vielen Uraufführungen, die vielen Erstaufführungen. Deswegen bin ich auch glücklich, dass ich so lange da sein durfte, was ja für heutige Verhältnisse, geben wir es zu, höchst ungewöhnlich ist. Heute rangieren die Ensembles wesentlich schneller.

Sie haben einige Intendanten überlebt, wie viele waren es?
Das waren Otto Schenk, Helmuth Lohner, Hans, Gratzer, danach noch einmal Lohner und schließlich Herbert  Föttinger

Unter welchem war es am schönsten … ich glaube, ich kenne die Antwort.
(lacht) Nein, nicht weil der Herbert, der Herbert und mein Mann ist, aber es war natürlich auch die längste Zeit. Und da hat sich einfach am meisten getan, da kamen viele neue Autoren und da hat sich viel verändert. Deswegen würde ich sagen, das war meine beste Hauptzeit. Aber es war auch bei Lohner irrsinnig cool, weil ich da zum ersten Mal die großen Rollen gespielt habe.

Sandra Cervik, geboren am 18. September 1966 in Wien, ist seit 28 Jahren Ensemblemitglied des ...
Sandra Cervik, geboren am 18. September 1966 in Wien, ist seit 28 Jahren Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt(Bild: Theater in der Josefstadt/Moritz Schell)
(Bild: Theater in der Josefstadt/Moritz Schell)

Was haben Sie an dem Haus am liebsten gespielt?
Schnitzler steht ganz oben. Jetzt zum Beispiel „Das weite Land“, das war eine ganz tolle, schöne Arbeit. Aber eine meiner absoluten Lieblingsrollen ist die Marie Weiler in Turrinis „Mein Nestroy“. Das war Herberts Eröffnungspremiere, und Peter Turrini ist mein „Herz- und Bauch“-Autor.

Und nun zum Abschluss eine Prinzessin – Georg Büchners „Lena“. Eine Wunschrolle?
Nein, gar nicht (lacht) Ich wäre gar nicht auf Büchner gekommen, bin jetzt aber sehr glücklich, weil ich das Gefühl habe, es ist wirklich einer der schwierigsten Autoren, mit denen ich je zugange war.

Sandra Cervik und Michael Dangl in den Wiener Kammerspielen als „Leonce und Lena“
Sandra Cervik und Michael Dangl in den Wiener Kammerspielen als „Leonce und Lena“(Bild: Theater in der Josefstadt/Moritz Schell)
Regisseur Torsten Fischer inszenierte „Leonce und Lena“, das einzige Lustspiel von Georg Büchner
Regisseur Torsten Fischer inszenierte „Leonce und Lena“, das einzige Lustspiel von Georg Büchner(Bild: Theater in der Josefstadt/Moritz Schell)
(Bild: Theater in der Josefstadt/Moritz Schell)

Warum?
Es ist diese Kombination aus schwieriger Sprache, aber auch schwierigen Bildwelten. Also die Bilder, die er baut, die Stimmungsbilder und die inneren Zustände, die er beschreibt, die sind einfach sehr kompliziert. Das verlangt ein hohes Maß an Konzentration.

Das ist aber dann kein Abschiedsgeschenk!
(lacht) Aber ja, ich freue mich, denn es ist mein erster Büchner, den ich spiele.

Man sieht Sie auf der Bühne der Josefstadt noch als „Hippolyta“ und „Titania“ im „Sommernachtstraum“ und als „Lena“ in den Kammerspielen.
Ja, noch bis Ende Juni und einmal noch in Schnitzlers „Weiten Land“ am 16. April, und das war es dann.

Wenn Sie zurückblicken, was macht die Josefstadt so besonders?
Es ist hier unglaublich familiär, und das meine ich jetzt nicht nur innerhalb des Ensembles, sondern auch Betriebsbüros, Dramaturgien, Maske, Garderobe, das ist wirklich einzigartig. Und auch Kollegen, die als Gäste hier waren, haben immer gesagt, dass sie so eine Atmosphäre selten erlebt haben. Alles war immer so liebevoll und aufmerksam, zur Premiere bekommt man Rosen… Wir sind wie eine Theaterfamilie. Es ist ja nicht häufig, dass man auch mit Kollegen gemeinsam alt wird oder älter wird, so wie ich und der Michael Dangl oder die Marie Köstlinger. Eben waren wir noch die Jungen, dann die Mütter, jetzt sind wir schon an der Grenze zu den Großmüttern. Das fand ich immer sehr schön. Obwohl es mich schon mit Schmerz erfüllt, dass es auch für Frauen am Theater nicht leichter wird, je älter man wird.

Herbert Föttinger und Sandra Cervik 2016 gemeinsam auf der Bühne der Josefstadt in Lillian ...
Herbert Föttinger und Sandra Cervik 2016 gemeinsam auf der Bühne der Josefstadt in Lillian Hellmans „Die kleinen Füchse“(Bild: APA/ROLAND SCHLAGER)

Was, glauben Sie, liebt das Publikum an der Josefstadt?
Ich glaube, dieses Miteinander alt werden gilt auch für das Publikum. Viele Abonnenten kennen mich seit Jahrzehnten und sind meinen Weg mitgegangen. Auch viele Abonnenten kennen einander seit Jahrzehnten. Herbert hat, als er Intendant wurde, gesagt: „Die Tradition im Griff, die Zukunft im Auge“. Ich glaube, das ist eine Kombination, die für das Publikum sehr reizvoll ist: Eine über Jahrzehnte gewachsene Kontinuität, die es an vielen Häusern nicht gibt.

Haben Sie und Ihr Mann schon einen Plan für die Zeit nach der Josefstadt? Glauben Sie, es wird eine Art „Pensionsschock“?
Eines muss ich schon auch sagen: Es war wunderschön, aber ich habe schon auch sehr viel dem Theater untergeordnet: Familie, Haushalt, … habe ein Kind währenddessen großgezogen und noch nie einen Geburtstag von mir nicht im Theater gefeiert. Das wird heuer am 18. September, wenn ich 60 werde, anders sein (lacht) Ich habe jetzt so lange mit Freuden einem Haus gedient, dass es auch okay ist, wenn es vorbei ist. Was wir beide auf jeden Fall machen, ist eine Pause vom Theater – und von Wien!

Wohin geht es denn?
Wir haben ein Haus am Strand in Ägypten gemietet, das wird herrlich.

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