Intendantin Bartoli

Kein Startrisiko bei den Pfingstfestspielen

Salzburg
22.05.2026 08:00
Porträt von Salzburg-Krone
Von Salzburg-Krone

Große Stimmen, wenig Handlung und ganz viel Showpotenzial: Intendantin Cecilia Bartoli serviert Salzburg zu den Pfingstfestspielen ein präzise kalkuliertes Spektakel. Freuen dürfen sich die Besucher auf bunt überdrehte Barrie-Kosky-Ästhetik.

Dass Pfingstfestspielintendantin Cecilia Bartoli Barrie Kosky auf „Il Viaggio a Reims“ loslässt, ist ungefähr so riskant wie ein Elfmeter auf ein leeres Tor. Denn Rossinis bizarre Revue über eine Gruppe exzentrischer Aristokraten, die in einem Hotel strandet und dann kollektiv die Nerven verliert, liefert dem Regisseur praktisch alles frei Haus, was er für seine Art von Theater braucht: überdrehte Figuren und Musik mit Showpotenzial.

Cecilia Bartoli hat in Salzburg längst eine Erfolgsformel entwickelt, die erstaunlich zuverlässig funktioniert. Statt krampfhaft Oper revolutionieren oder gar verjüngen zu wollen, setzt sie lieber auf eine präzise Werks- und Künstlerauswahl, die am Ende für jeden Geschmack etwas bereithält. Nach dem preisgekrönten Vivaldi-Pasticcio „Hotel Metamorphosis“ im Vorjahr, das sie ebenfalls mit Kosky kreierte, folgt nun die nächste luxuriöse Überdosis aus Musik, Timing und effektvoller Überzeichnung.

Cecilia Bartoli (Corinna) und Rouven Pabst (Tänzer)
Cecilia Bartoli (Corinna) und Rouven Pabst (Tänzer)(Bild: SF/Monika Rittershaus)

Dabei ist „Il viaggio a Reims“ eigentlich gar keine richtige Oper im klassischen Sinn. Rossini schrieb das Werk 1825 als Gelegenheitsstück zur Krönung Karls X. von Frankreich – weniger als dramatisches Musiktheater denn als Sänger-Schaufenster für die Superstars seiner Zeit. Eine Gruppe adeliger Reisender sitzt in einem Hotel fest, weil plötzlich keine Pferde mehr aufzutreiben sind. Das zentrale Problem der Handlung lautet also tatsächlich sehr simpel: Die Reise fällt aus. Was danach folgt, lebt nicht von Spannung oder psychologischer Tiefe, sondern von Virtuosität, Typenkomik und einem Ensemble, das sich immer weiter in musikalische Ekstase hineinschraubt.

Genau darin liegt die große Chance dieser Produktion. Kosky kann sich hier aus Mangel an Handlung gar nicht in Neudeutungen verfranzen, sondern sich ganz einfach auf das konzentrieren, was er am besten kann: Slapstick, Timing und Menschen, die zunehmend elegant die Kontrolle verlieren.

Die Probenbilder beweisen genau jene bunt überdrehte Kosky-Ästhetik, die man mittlerweile fast schon als eigenes Genre bezeichnen könnte. Dazu kommt ein Ensemble, das demonstrativ auf Sicherheit gebaut ist. Mit Mélissa Petit, Edgardo Rocha oder Ildebrando D’Arcangelo stehen gleich mehrere Publikumslieblinge auf der Bühne, die mittlerweile quasi zum inoffiziellen Pfingstfestspiel-Ensemble Bartolis gehören. Natürlich wirkt die Intendantin auch heuer selbst mit. Sie singt als Corinna die wahrscheinlich spannendste Figur der Oper, die als einzige halb über den Dingen zu schweben scheint.

Dass Bartoli mit dieser Produktion keinen ästhetischen Hochseilakt versucht, sondern sehr bewusst auf Bewährtes setzt, wirkt dabei weniger bequem als präzise kalkuliert. Sie hat verstanden, dass das Pfingstpublikum nicht zwangsläufig nach Opernrevolution verlangt, sondern nach Abenden, die bunt, klug und musikalisch hochkarätig unterhalten. Die wahre Kunst ihres Konzepts ist es letztlich, den sicheren Elfmeter nicht nur zu erkennen, sondern ihn Jahr für Jahr elegant zu verwandeln. Vermutlich gelingt es ihr auch heuer wieder.

Larissa Schütz

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