Abführmittel, kaum Essen und eine Sonde: Um sich auf eine komplexe Untersuchung in der Uni-Klinik St. Pölten vorzubereiten, ging ein Waldviertler zwei Tage früher ins heimische Krankenhaus. Alles hätte gepasst – bis auf den viel zu späten Sekundärtransport! Der hätte das Vorhaben fast noch vereitelt.
Da greifen sich auch erfahrene Mediziner an den Kopf: Der Waldviertler Franz Stumvoll hatte eine komplexe Untersuchung, die am Sonntag um 8 Uhr in der Uni-Klinik in St. Pölten durchgeführt hätte werden sollen. Dazu musste er bereits Freitagmorgen im Spital Waidhofen an der Thaya „einrücken“. Zwei Tage lang wurde er mit Abführmitteln, fast ohne Essen und einer Sonde für den Check vorbereitet.
Erst verschoben, dann Notwendigkeit hinterfragt
Am Samstag sei der Sekundärtransport bei den Johannitern für 5.45 Uhr angemeldet worden, der sich im Laufe des Tages auf 7.30 Uhr verschob. „Die größte Frechheit war allerdings der Anruf am Sonntag um 4.30 Uhr mit der Frage, ob der Transport überhaupt noch sein muss!“, brüskiert sich Stumvoll. Sogar ein Teil des Personals selbst sei wegen dieses Umstands schwer verärgert gewesen.
Nur durch Oberarzt Felix Drexler und sein engagiertes Team fand ein späterer Termin an dem Tag statt. „Dafür möchte ich mich bei den Klinikteams in Waidhofen und St. Pölten bedanken“, ist der 78-Jährige froh, nicht noch einmal das gesamte Prozedere durchlaufen zu müssen. Auch beim Rücktransport musste der Pensionist zwei Stunden und 40 Minuten warten, bis ein Transfer organisiert wurde.
4125 Euro stehen 200 Euro gegenüber
Ein Tag im Spital kostet im Schnitt laut NÖ-Landesgesundheitsagentur (LGA) 1650 Euro, zweieinhalb Tage sind damit 4125 Euro wert. Experten gehen davon aus, dass der Krankentransport in etwa ein Zwanzigstel (200 Euro) kostet. Mit dem geplatzten Transport wären die Tage und das Hungerleiden im Spital umsonst, aber nicht gratis, gewesen, so der Tenor. „Das ist ja so, wie wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt“, verstehen auch erfahrene Mediziner bei dieser Ressourcenverschwendung die Welt nicht mehr. Schließlich seien die Spitäler und nicht der Transport das Nadelöhr.
LGA: „Bei Tausenden läuft es reibungslos“
„Wenn es um Gesundheit geht, gibt es keine Verschwendung von Ressourcen. In unseren Kliniken arbeiten Menschen, keine Roboter“, entgegnet die LGA und verteidigt so auch die Johanniter. Diese sind auch in fast allen Teilen des Landes die Einzigen, die im EU-weiten mehrstufigen Ausschreibungsverfahren übrig geblieben seien. Einzelnen Fällen müsse man natürlich nachgehen. „Das tun wir auch intern. Aber: Man sollte dann auch die Tausenden Patienten im Blick haben, bei denen eine Behandlung mit Transport reibungslos verlaufen ist“, heißt es von der LGA.
Johanniter: „Liegen im Rahmen der Vereinbarung“
Die Johanniter betonen, dass sich in den vergangenen Wochen die Wartezeiten durch die bereits getroffenen Maßnahmen deutlich verbessert hätten: Die durchschnittliche Wartezeit liege aktuell bei unter 40 Minuten. „96,5 Prozent aller Transporte werden innerhalb von zwei Stunden durchgeführt. Dieser Zielwert wurde auch im Rahmen des Sekundärtransport-Gipfels vereinbart“, heißt es aus der Johanniter-Zentrale. Und: In einem „System medizinischer Dringlichkeit“ werde es immer wieder Einzelfälle geben.
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