Junge Männer prügeln mit Waffen ein Opfer halb tot, demütigen es und nehmen die Tat auf, teilen das Video auch in Chats. Eineinhalb Jahre nach den Hassverbrechen in Lend (Salzburg) erhebt die Staatsanwaltschaft Graz jetzt Anklage: Den Pinzgauer „Pedo Hunters“ droht eine Gefängnisstrafe. Es geht um den Vorwurf des versuchten Mordes.
Als selbst ernannte „Pedo Hunters“ (übersetzt: Pädophilen-Jäger) lockte eine Gruppe Pinzgauer – drei Männer und eine Frau zwischen 21 und 25 Jahren – einen Pongauer zur Arzhofbrücke nach Lend.
Es war der 31. Oktober 2024, stockfinstere Nacht. Während der Mann dort auf die 25-Jährige traf, die sich ihm gegenüber als 16-Jährige ausgegeben hatte, tauchten plötzlich drei dunkel bekleidete Männer im Militär-Look mit Stahlkappenschuhen und Waffen aus dem Hinterhalt auf. Sie prügelten derart brutal auf das Opfer ein, dass selbst die Grazer Staatsanwaltschaft in der 55-seitigen Anklageschrift von einem „Blutrausch“ spricht.
Etliche Tritte gegen den Kopf und das Gesicht folgten auf mehrere Schläge mit einem Schlagstock – so hart, dass die Waffe zerbrach. Dabei sprühten sie dem blutenden und benommenen Opfer Pfefferspray ins Gesicht, traten immer wieder auf den Mann ein, und rasierten ihm sogar die Haare ab. Diese demütigende Brutalität filmte der Lockvogel der Gruppe.
Das Video teilten sie später in ihrer Chatgruppe und kommentierten es mit Wörtern wie „geil“. Es war nicht das erste Opfer der Pinzgauer „Pedo Hunters“. Vier Tage zuvor lockten sie einen anderen Mann mit derselben Masche – die 25-Jährige gab sich wieder als 16-Jährige aus – zur abgelegenen Brücke. Auch ihn verprügelten sie diesmal zu fünft, auch hier filmten sie die Tat.
Vier Pinzgauer nach wie vor in U-Haft
Am 21. März 2025 erfolgten die Festnahmen: Seither sitzen noch vier der fünf Pinzgauer in U-Haft. Kürzlich reichte die Staatsanwaltschaft Anklage ein. Die Vorwürfe: versuchter Mord, absichtlich schwere Körperverletzung und Mitgliedschaft einer kriminellen Vereinigung.
Mein Mandant war damals nicht mal 21 Jahre alt und sitzt über ein Jahr in U-Haft. Es ist skandalös, dass monatelang Stillstand bei den Ermittlungen herrschte.
Verteidger Kurt Jelinek äußert Kritik
Einer der Verteidiger, der Anwalt Kurt Jelinek, äußert aber Kritik: Es sei „skandalös, dass monatelang bei den Ermittlungen in Graz Stillstand herrschte“. Aufgrund der langen Dauer der U-Haft stellte Jelinek einen Enthaftungsantrag. Am Donnerstag wird darüber im Landesgericht entschieden.
Eine Tötungsabsicht bestreite sein Mandant, zur Körperverletzung sei er geständig, so Jelinek.
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.