Die neunmonatige Basisausbildung für Absolventen des Medizinstudiums steht in der Kritik. Viele Jungmediziner müssen Monate auf einen Ausbildungsplatz warten. Nun kommen aus Westösterreich gewichtige Stimmen, die die Basisausbildung für entbehrlich halten.
Die Debatte war zuletzt sanft entschlafen, nahm durch ein Schreiben der ÖVP-Gesundheitsreferenten aus den Bundesländern jedoch wieder Fahrt auf. Die Landespolitiker fordern aufgrund der langen Wartezeiten auf Ausbildungsplätze Änderungen.
Die Basisausbildung schafft einen unnötigen Flaschenhals und wiederholt Ausbildungsschritte, die an anderer Stelle schon gemacht wurden.

Günter Weiss, Klinik-Direktor in Innsbruck
Bild: Christof Birbaumer
„Die Basisausbildung braucht es nicht!“ Das sagen nun auch führende Ärzte aus Westösterreich. An der Klinik Innsbruck sprechen sich unter anderem Professor Günter Weiss, Direktor der Klinik für Innere Medizin II, und sein Amtskollege Professor Thomas Müller von der Kinderklinik für die Abschaffung dieses neunmonatigen Pflichtpraktikums aus.
Allein in Tirol kosten die derzeit verfügbaren Plätze für die Basisausbildung 8 Millionen Euro im Jahr. Das Geld lässt sich besser einsetzen.

Thomas Müller, Klinik-Direktor in Innsbruck
Bild: Johanna Birbaumer
Lieber in Facharztausbildung investieren
Die Argumente der Klinik-Direktoren: Durch die monatelangen Wartezeiten auf einen Ausbildungsplatz verzögere sich die gesamte Ausbildung. „Ein unnötiger Flaschenhals“, wie es Weiss formuliert.
Er und Müller erinnern daran, dass es bereits gute Praxisanteile wie das Klinisch-Praktische Jahr in der Ärzteausbildung gebe. Und sie sehen andere Bereiche, die gestärkt gehören. Müller: „Allein in Tirol kosten die derzeit verfügbaren Plätze für die Basisausbildung 8 Millionen Euro im Jahr. Mit diesem Geld könnte man hundert Facharztausbildungsstellen finanzieren, die deutlich mehr bewirken können.“
Es gibt Überschneidungen zwischen der Basisausbildung und dem letzten Studienjahr, dem sogenannten Klinisch-Praktischen Jahr.

Wolfgang Prodinger, Vizerektor Med-Uni Innsbruck
Bild: Christof Birbaumer
Auch Medizin-Uni sieht Reformbedarf
Auch bei der Medizin-Uni Innsbruck spricht man sich für eine Reform aus. „Medizinerinnen und Mediziner sollten nach Abschluss ihres Studiums ohne Wartezeiten mit ihrer Ausbildung beginnen können. Deshalb müssen entweder mehr Stellen für eine Basisausbildung geschaffen oder diese sollte abgeschafft werden“, sagt Wolfgang Prodinger, Vizerektor für Lehre.
Bei Abschaffung der Basisausbildung müsse die Facharztausbildung angepasst werden, unterstützt der Vize-Rektor die Forderung der Klinik-Direktoren. Die jetzige Situation mit langen Wartezeiten berge die Gefahr, dass Jungmediziner ins Ausland abwandern.
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