„Ich war erst 13“

Weitere Frauen im neuen ORF-Missbrauchsfall

Österreich
30.03.2026 21:30

Nach den furchtbaren Schilderungen einer Frau, die als 13-Jährige von einem prominenten ORF-Mitarbeiter missbraucht worden sein soll, melden sich nun weitere Frauen bei der „Krone“.

Die Geschichte sorgt seit vergangenem Sonntag für großes Aufsehen – sowohl ORF-intern als auch in der Bevölkerung. Die „Krone“ berichtete über einen Vorfall, der mehrere Jahrzehnte zurückliegen soll, eine Frau aber nachhaltig traumatisiert hat.

Gegenüber der „Krone“ schilderte Sophie H., heute 54, wie sie von einem hochprominenten ORF-Mitarbeiter unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in eine Privatwohnung in Wien gelockt und zum Oralverkehr gezwungen worden sein soll. Die damals 13-Jährige hatte sich beim Sender für ein Treffen mit einem britischen Popstar im Rahmen eines Wien-Konzerts beworben. Doch der Termin platzte, weil der Sänger erkrankte.

„Warum ich jetzt darüber spreche“

Sophie H. (54) hat lange geschwiegen. Zu lange, wie sie heute weiß. Am vergangenen Sonntag ging sie via „Krone“ an die Öffentlichkeit und berichtete über den Vorfall, der sie tief traumatisiert hatte: „Ich habe mich schrecklich geniert und konnte viele Jahrzehnte nicht darüber sprechen. Ich habe das verdrängt. Die Scham über das Erlebte war zu groß. Man drückt das weg. Man versucht, es aus seinem Leben zu verbannen.“ Heute möchte sie alle Frauen ermutigen, über die Hürde des eigenen Schamgefühls zu springen: „Ich habe nichts Falsches getan, ich muss mich weder fürchten noch schämen.“ Und sie rät dringend, sich früher Hilfe zu holen, damit Gerechtigkeit möglich wird.

Der ORF-Mitarbeiter meldete sich daraufhin erneut bei dem jungen Mädchen und bot zuerst – quasi als „Wiedergutmachung“ – einen Schnupper-Besuch beim ORF an. Und einige Wochen später dann einen Besuch in einer Privatwohnung. Dort soll es zum gewalttätigen Übergriff gekommen sein.

Sophie H. ist heute 54. Das Kinderbild (oben) zeigt sie mit 13 Jahren, als der Vorfall passiert ...
Sophie H. ist heute 54. Das Kinderbild (oben) zeigt sie mit 13 Jahren, als der Vorfall passiert sein soll.(Bild: APA/privat, Krone KREATIV)

Sophie H. schwieg lange – bis zu einem zufälligen Treffen 2023 mit dem mutmaßlichen Täter in einer Wiener Pizzeria. Danach folgte 2024 der Versuch einer außergerichtlichen Einigung, die scheiterte. Und 2025 eine Klage um Schadenersatzzahlungen, die aufgrund der Verjährungsfrist von 30 Jahren abgewiesen wurde.

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Er hat versucht, mich unter Anwendung seiner ganzen Körperkraft zu küssen und an Brüsten und Po anzugreifen.

Die ORF-Moderatorin zur „Krone“

Bei hausinterner Veranstaltung bedrängt
Nun melden sich weitere Frauen bei der „Krone“, die besagtem Medien-Promi ebenfalls tätliche Übergriffe unterstellen. So soll der heute über 60-Jährige eine ORF-Moderatorin bei einer hausinternen Veranstaltung zu später Stunde bedrängt und versucht haben, sie „unter Anwendung seiner ganzen Körperkraft zu küssen und an Brüsten und Po anzugreifen“. Die Moderatorin soll ihn, nach eigenen Angaben, damals weggestoßen haben. Zur Anzeige kam es nicht.

Zwei weitere Frauen, die mit dem Ex-ORF-Mitarbeiter 2011 und 2012 – da arbeitete dieser noch beim Sender – beruflich zu tun hatten, berichten über ähnliche Vorfälle, die allerdings nicht im ORF-Zentrum, sondern in anderen Büroräumlichkeiten und bei einem Event stattgefunden haben sollen.

ORF verspricht: „Nehmen Hinweise ernst“
Zu den neuen Anschuldigungen nimmt der Sender nun Stellung: „Der ORF nimmt alle Hinweise auf mögliches Fehlverhalten ernst und wird aktiv an der Aufklärung mitwirken.“ Und weiter: „Wir werden mit den zuständigen Behörden zusammenarbeiten, sollte dies erforderlich sein.“

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