Bregenzer Frühling

Hofesh Shechter – Träumen in der Disco

Vorarlberg
31.03.2026 08:30
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

Das Motto des diesjährigen Bregenzer Frühlings „Keep Dreaming Baby“ trifft genau die Performance der Hofesh Shechter Company – ein wahrhaft traumhafter Abend.

Ein Vorhang ist im Theater ein wesentliches Element, das die Welt der Illusion auf der Bühne von der realen Welt im Zuschauerraum trennt. Hofesh Shechter, der israelisch-britische Choreograf und Komponist, treibt das Element Vorhang auf die Spitze. Es gibt bei seiner Choreografie nicht nur einen Vorhang, sondern mehrere, gegen Ende sogar einen, der mit seinen Raffungen und dem Gold an einen barocken Theaterraum gemahnt. Die Vorhänge trennen, gleich mehrfach und immer neu bewegt, die reale Welt von der des Traums – „Theatre of Dreams“ nennt sich die Choreografie, die die knapp zwanzig Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne des Bregenzer Festspielhauses, fast immer in rötlichem oder grauem Nebel eingeschlossen, in den eineinhalb Stunden performen (Licht: Tom Visser).

Die Kostüme suggerieren eine Disco-Welt
Sie sind in fortwährender Bewegung, und das in raschen Tempi, mit fast fliegenden Armen und Beinen. Über weite Strecken wähnt man sich in einer Disco, vorangepeitscht von elektronisch-psychedelischen Klängen, die bis zur Schmerzgrenze anschwellen. Dazu hört man drei bis vier Livemusikerinnen und -musiker auf der Bühne – die Partitur hat Hofesh Shechter unter Mitwirkung von Yaron Engler erstellt. Auch die Kostüme suggerieren eine Disco-Welt, denn die Kleidung der Tänzer und Musiker (Design Osnat Keiner) würde keineswegs irritieren, wenn man sie an einem Samstagabend auf der Straße oder in einem Pub sehen würde. Bis auf einen splitternackten Mann, der zweimal über die Bühne spaziert. Das erste Mal in der Haltung eines Gorillas, das zweite Mal sein Geschlecht verschämt mit den Händen bedeckend. Noch einen Mann gibt es, der etwas außerhalb der immerwährenden Party steht.

Er geht zu Beginn der Performance aus dem Zuschauerraum auf die Bühne durch verschiedene Vorhangschichten, bis man die Tänzer sieht, und später sitzt er einmal vor ihnen und schaut ihnen zu. So gibt es eine Verbindung zwischen dem Publikum und der Bühne. Aber nicht nur das, denn in der Mitte der Aufführung kommen die Tänzerinnen und Tänzer ins Parkett und tanzen dort mit den Zuschauern, die das zum großen Teil belustigt annehmen. Dieser Abend ist also einerseits sehr gleichförmig, andererseits jedoch in Bezug auf Spannung und Entspannung so klug dosiert, sodass es nicht langweilig wird. Schwierig ist die Frage, was diese Gruppentänze mit dem individuellen Erlebnis des Träumens zu tun haben. Auch dürfte es in den meisten Schlafzimmern nicht annähernd so laut werden, selbst wenn jemand schnarcht. Ein Traum ist eben etwas sehr Persönliches, was selten geteilt und mitgeteilt wird. Dennoch kann sich Kuratorin Judith Reichart auch an diesem Abend über ein jubelndes, ausverkauftes Haus freuen – traumhaft.

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