Die geplante Schließung des PVA-Rehazentrums erschüttert Aflenz und die ganze obersteirische Region. 135 Arbeitsplätze stehen am Spiel. Am Samstag gab es eine große, parteiübergreifende Demonstration, zu der weit mehr als 1000 Menschen kamen.
Ungewöhnlich ist das Treiben in Aflenz für einen Samstagvormittag: Alt und Jung sind auf den Beinen, um sich unterhalb der Tankstelle zu versammeln. Für Autos gibt es kein Durchkommen mehr, knapp nach zehn Uhr setzt sich der Protestzug in Bewegung. Die Polizei sichert die Route ab.
Pfeiferln sorgen für eine teils ohrenbetäubende Geräuschkulisse, auch Kuhglocken läuten. Die Menschen skandieren: „Aflenz kämpft, wir halten stand – Reha retten, Hand in Hand!“ Insgesamt herrscht der Eindruck einer verhaltenen Wut, es bleibt friedlich.
Widerstand über Parteigrenzen hinweg
Der Widerstand gegen die PVA-Pläne, das Reha-Angebot am Standort St. Radegund (Bezirk Graz-Umgebung) zu bündeln, ist parteiübergreifend. So sind unter anderem SPÖ-Parteichef Max Lercher, FPÖ-Landtagsabgeordneter Philipp Könighofer, der Kapfenberger SPÖ-Bürgermeister Matthäus Bachernegg und ÖVP-Nationalratsabgeordneter Andreas Kühberger vor Ort.
Bereits über 8000 Menschen haben eine Petition unterschrieben, sagt Peter Redl, ehemaliger Verwaltungsleiter des Reha-Zentrums: „Diese Schließung ist ein Riesenfehler! Die PVA verfolgt damit einen Kurs, der menschlich und wirtschaftlich vollkommen unverständlich ist. Die für St. Radegund gegebene Arbeitsplatzgarantie ist eine Verhöhnung. Ein eingespieltes Team lässt sich nicht einfach verpflanzen. Und was passiert denn mit den Liegenschaften? Möglicherweise werden sie an einen privaten Betreiber verkauft – und dann?“
Sein Vorschlag: „Bauen wir Aflenz aus, erweitern wir um 50 Patientenzimmer.“ Die Voraussetzungen dafür seien seit Jahren gegeben, das Projekt aber von „der PVA wieder abgedreht“ worden.
135 Arbeitsplätze stehen am Spiel
Den Verlust der 135 Arbeitsplätze in Aflenz stellt Bürgermeister Lenger in Relation zur Bundeshauptstadt. Bezogen auf die Einwohnerzahl der Region (6200) würde es dem Verlust von 44.000 Jobs in Wien entsprechen. „Es geht um den Herzschlag der Region. Wir werden kämpfen, es ist für uns überlebenswichtig.“
Die meisten Arbeitnehmer seien Frauen, hebt Turnaus Bürgermeister Stefan Hofer hervor: „Und für vier Stunden Arbeit sollen sie drei Stunden im Auto sitzen? Wenn die PVA sagt, ihr könnt ja in St. Radegund arbeiten, so ist das nur ein Beweis für den Zynismus in Wien!“
PVA: „Komptenzen zusammenführen“
Von der PVA heißt es auf „Krone“-Anfrage: „Der Pensionsversicherung ist bewusst, dass Gesundheitseinrichtungen für eine Region nicht nur eine medizinische, sondern auch eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung haben. Ziel ist die bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten. Viele Menschen mit Stoffwechselerkrankungen leiden zugleich an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vor diesem Hintergrund planen wir, fachliche Kompetenzen stärker zu bündeln und in einem Kompetenzzentrum zusammenzuführen.“
Auch der Fachkräftemangel sowie wirtschaftliche Überlegungen werden als Gründe angeführt. „Durch die Konzentration von Personal und Ressourcen an einem Standort können wir die Qualität der Rehabilitation effizient und nachhaltig sichern.“
Diese Woche waren Vertreter der PVA zu Gesprächen in Aflenz, die „engmaschige Kommunikation“ werde fortgeführt, heißt es. Endgültig ist die Verlegung noch nicht: Noch fehlen wesentliche Entscheidungen durch den Verwaltungsrat und durch das zuständige Ministerium.
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