Intendant muss gehen

Chronologie der Salzburger Festspiel-Eskalation

Salzburg
26.03.2026 16:55
Porträt von Salzburg-Krone
Von Salzburg-Krone

Der Salzburger Festspielintendant Markus Hinterhäuser verlässt das Festival mit sofortiger Wirkung. Bis 30. September wurde er beurlaubt, dann endet sein Vertrag. Ein Schauspiel, das bereits 2023 seinen Anfang hatte – hier ein Überblick der wichtigsten Ereignisse ...

22. Oktober 2023: Jedermann plötzlich neu produziert
Es wird bekannt, dass dem gesamten Team des „Jedermann“ der Salzburger Festspiele überraschend mitgeteilt wurde, dass 2024 eine Neuproduktion mit neuer Regie und Besetzung geplant sei. „Mich hat diese Entscheidung, die ohne ein einziges Gespräch mit mir getroffen wurde, überrascht und verwundert“, sagte Hauptdarsteller Michael Maertens, der bereits einen gültigen Vertrag vorweisen konnte. Die neue Schauspielchefin Marina Davydova musste die Rolle der Überbringerin der schlechten Nachrichten übernehmen, für Beobachter war jedoch klar: Regisseur im Hintergrund war der Intendant.

28. November 2024: Davydova muss gehen
Wenige Tage vor Bekanntgabe ihres Programmes für 2025 trennen sich die Salzburger Festspiele von ihrer Schauspielchefin. „Infolge von Verstößen gegen vertragliche Dienstpflichten, insbesondere durch die weder angezeigte noch genehmigte Tätigkeit Marina Davydovas bei einem Berliner Theaterfestival, haben die Salzburger Festspiele das Dienstverhältnis mit Marina Davydova mit sofortiger Wirkung aufgelöst“, heißt es. Hinterhäuser erklärt die Entlassung in der Folge quasi als alternativlos. Zwei Wochen später erfolgt eine außergerichtliche Einigung, mit der ein Verfahren beim Arbeitsgericht vermieden wird.

12. März 2025: Hinterhäuser verliert Verfahren gegen Journalisten
Es wird bekannt, dass der Salzburger Festspielfonds und Intendant Markus Hinterhäuser eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Kulturjournalisten Axel Brüggemann verloren haben. Laut Brüggemann sei es somit legitim, u.a. zu schreiben, dass Hinterhäuser sich in Sachen „Troubleshooting“ darauf konzentriere, Kritiker mundtot zu machen.

29. Oktober 2025: Davydova-Vorwürfe gegen Hinterhäuser 
Davydova übt in „Meduza.io“, dem führenden Onlinemedium des russischen Exils, massive Kritik an ihrem Ex-Chef Hinterhäuser: „Ich hätte nicht daran geglaubt, dass ich 2024 im Zentrum Europas und nach allen MeToo-Wellen einen Intendanten treffe, der eine Frau anschreit.“ Das Kuratorium nimmt diese Aussagen ernst, Sektionschefin Theresia Niedermüller ersucht den Intendanten als aktuelle Vorsitzende des Kuratoriums um eine schriftliche Stellungnahme zu diesen Aussagen.

3. Februar 2026: Hinterhäuser verstimmt Kuratorium
Die Vorgangsweise von Intendant Hinterhäuser bei der Neubesetzung der Schauspielleitung hat das Kuratorium schwer verstimmt. Medien gegenüber soll er die frühere Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann als Favoritin für den Posten bezeichnet haben, obwohl diese sich nicht dem vom Kuratorium verlangten Bewerbungs- und Auswahlverfahren unterzogen hat. Bei einer mehrstündigen, außerordentlichen Sitzung verständigt sich das Gremium darauf, dass sich der Intendant bei der nächsten planmäßigen Kuratoriumssitzung am 26. Februar erklären muss. Eine Auflösung des Vertrags wurde bereits ernsthaft diskutiert. „Das Vertrauen ist enden wollend“, heißt es aus dem Kuratorium, das dem Intendanten damit die „gelbe Karte“ zeigt.

20. Februar 2026: Unterstützung für den Intendanten
In einem Memorandum fordern namhafte Kulturschaffende, von Maler Christian Ludwig Attersee bis zu den Literaturnobelpreisträgern Elfriede Jelinek und Peter Handke, das Kuratorium auf, „von jeder Einmischung in künstlerische Fragen Abstand zu nehmen“. Sie erinnern an die „durch Gesetz, Geschäftsordnung und Vertrag festgelegte Kompetenzverteilung bei den Festspielen, durch welche die Kontrollfunktion und der Bereich der Einflussnahme des Gremiums strikt auf den Bereich der finanziellen Gebarung beschränkt sind“.

26. Februar 2026: Bedenkzeit für Hinterhäuser
Das Festspielkuratorium vertagt die Entscheidung über die Zukunft von Intendant Hinterhäuser. Man sei „geschlossen“ der Ansicht, dass er Bedingungen zur Fortsetzung seines Vertrages – wie eine „Wohlverhaltensklausel“ gegenüber dem Direktorium und gegenüber Dritten – über den 30. September hinaus nicht erfüllt habe und habe ihm ein Angebot gemacht, das er nun prüfen werde, sagte die nunmehrige Kuratoriumsvorsitzende Karoline Edtstadler. Später sickert durch, dass ihm eine Verlängerung seines Vertrages um ein Jahr bis September 2027 angeboten wurde, außerdem wurde ihm volle Freiheit bei der Besetzung der Schauspielleitung zugestanden.

16. März 2026: Das Kuratorium zögert weiter
Die dem Intendanten eingeräumte Frist zur Reaktion auf das Angebot des Kuratoriums verstreicht. Das Gremium überlegt, sich bereits an diesem Tag an die Öffentlichkeit zu wenden, verschiebt dies jedoch nach Beratungen auf die Sitzung.

20. März 2026: Intendant wird neu ausgeschrieben
Die unterbrochene Kuratoriumssitzung wird fortgesetzt – und endet wider Erwarten ohne Entscheidung. Der Intendant habe ein an ihn gerichtetes Gesprächsangebot aufgegriffen, es werde „zeitnahe ein Gespräch geben“. Der Termin werde mit den jeweiligen Rechtsvertretern abgestimmt, gleichzeitig werde die Ausschreibung der Intendanz vorbereitet, heißt es.

26. März 2026: Das Ende der Ära Hinterhäuser 
Nach einem Termin mit den Rechtsvertretern teilt das Festspielkuratorium mit, dass sich beide Seiten darauf verständigt hätten, dass Hinterhäuser bis zum Ende seines Vertrages – dem 30. September 2026 – beurlaubt sei. Umgehend werde nun die Position der künstlerischen Leitung interimistisch besetzt und die Vorbereitung für die Ausschreibung der künstlerischen Intendanz vorangetrieben.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Salzburg
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt