Der städtische Versorger Linz AG will seine Fernwärme zunehmend aus erneuerbarer Energie erzeugen. Herzstück des Projekts ist der sogenannte Wärme-Wandler, mit dessen Hilfe ab 2029 der Erneuerbaren-Anteil von 40 auf 60 Prozent steigen soll. Investiert werden 75 bis 86 Millionen Euro.
Durch die neue Technologie wird der Wasserdampf aus den Rauchgasen der Biomasse- und Reststoffheizkraftwerke absorbiert, auf 100 Grad Celsius abgekühlt und nach der Kondensation als heißes Wasser für die Fernwärme genutzt. Nach den komplexen Planungen soll im Herbst mit dem Bau begonnen werden.
„Ziel ist es, rasch aus der Abhängigkeit von Erdgas zu kommen“, erklärte Linz-AG-Generaldirektor Erich Haider in einer Pressekonferenz am Montag in Linz. „Wir müssen in nachhaltige Energie investieren, damit wir auch in Zukunft günstige Fernwärme anbieten können“, unterstrich Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ). 80.000 Haushalte in Linz werden von der Linz AG mit Fernwärme versorgt, jährlich kommen rund 2.000 dazu.
Umbau „am offenen Herzen“
Mit dem Wärme-Wandler „können wir rund 15.000 Wohnungen auf einen Schlag dekarbonisieren“, verdeutlichte Vorstandsdirektor Josef Siligan. Denn die neue Technik erzeuge 200 Gigawattstunden (GWh) Energie pro Jahr. Um die technologische Herausforderung zu stemmen, arbeiten zehn Fachbereiche in der Linz AG zusammen. „Wir bauen zwei Anlagen gleichzeitig um, quasi am offenen Herzen, um die Versorgung währenddessen sicherzustellen.“ Damit gehe die Transformation des Energiesystems weiter, so Siligan. Der Kraftwerkspark der Linz AG werde in „Energiepark Linz Mitte“ umbenannt und zu einem Standort für moderne Energie, an dem auch Führungen stattfinden werden.
Dritter Wärme-Wandler in Europa
Derzeit kommen 400 der jährlich 1.000 erzeugten GWh aus erneuerbarer Energie, mit Einsatz des Wärme-Wandlers werden es 600 und damit 60 Prozent sein, rechnete Haider vor. Um auf 100 Prozent zu kommen, habe die Linz AG noch weitere Projekte in petto, zwei davon sollen noch heuer vorgestellt werden, kündigte der Generaldirektor an. Der Linzer wird nach Kopenhagen und Hamburg der dritte Wärme-Wandler in Europa sein. Örtlich wird er im Kraftwerkspark der Linz AG im Hafen stehen, und unter anderem vier Wärmepumpen mit je 90 Tonnen umfassen. Diese kommen von einem europäischen Hersteller für Großwärmepumpen, als Partner seien nur österreichische Firmen beauftragt, erklärte Haider.
Know-How für andere Stadtwerke
Da die Linz AG zu den gemeinnützigen Unternehmen gehöre, stelle sie das Know-how „im Normalfall zur Verfügung, bei Chance auf Patente melden wir diese an“. Andere Stadtwerke würden sich Dinge bei der Linz AG an- und abschauen, so Haider. „Ist das Know-how verwertbar, verlangen wir auch etwas dafür, aber primär im Fokus steht Linz.“ Die Linz AG versorge auch gewerbliche Gebäude mit Fernwärme, in Linz seien das etwa 75.000. Der Fernwärmespeicher in Linz reiche für drei Tage Vollversorgung. Strom sei hinter der Fernwärme das zweite Produkt der Linz AG geworden. Sechs Prozent kommen aus Wasserkraft, der Rest aus Biomasse und Reststoffkraftwerken, aber auch aus Gaskraftwerken. „Wir müssen sehr viel Geld in das Stromnetz investieren, nur um es stabil zu halten, wenn die Sonne auf- oder untergeht“, sprach Haider den PV-Boom an.
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