Postings nehmen zu

Hass im Netz: „Internet ist Rekrutierungs-Hotspot“

Steiermark
23.03.2026 13:21

Frauenhass, NS-Parolen, Fremdenfeindlichkeit: Hasspostings nehmen zu, wie aktuelle Zahlen der steirischen Meldestelle belegen. Gesetzliche Lücken und der Einsatz von KI erschweren die Verfolgung. Und: Immer Jüngere werden online radikalisiert.

2017 wurde die BanHate-App gegen Hasspostings im Internet unter steirischer Initiative ins Leben gerufen. Seither gingen 23.343 Meldungen ein. „Wir dachten ursprünglich, es werden etwa 1000 im Jahr sein, wir lagen weit daneben“, sagt Daniela Grabovac, Leiterin der Antidiskriminierungs- und Extremismuspräventionsstelle Steiermark. Etwa die Hälfte (11.263 Meldungen) wurde an die zuständigen Stellen in Österreich, Deutschland und der Schweiz weitergeleitet bzw. angezeigt. Der andere Teil (12.080 Meldungen) blieb ohne rechtliche Folgen, weil der Rahmen dafür fehlte.

NS-Inhalte und Fremdenhass ohne Hemmschwelle
„Hass beschleunigt sich in sozialen Medien immer mehr“, sagt Grabovac. Von den 11.263 verfolgten Meldungen waren der Großteil verhetzende Inhalte (30,5 Prozent), gefolgt von NS-Parolen bzw. Inhalten der Wiederbetätigung (23,7 Prozent), Beleidigungen und üble Nachrede (15,4 Prozent), Aufforderungen zu strafbaren Handlungen (6 Prozent), gefährliche Drohungen (3,2 Prozent). Weitere 21,2 Prozent entfielen auf Cybermobbing, die Herabwürdigung religiöser Lehren oder Verstöße gegen das Symbol-Gesetz. „Die neuen, technologischen Möglichkeiten haben die Hemmschwelle zu radikalen Äußerungen deutlich gesenkt“, erklärt Historiker Helmut Konrad.

Katharina Scherke, Joe Niedermayer, Jörg Leichtfried, Daniela Grabovac, Helmut Konrad, Anton ...
Katharina Scherke, Joe Niedermayer, Jörg Leichtfried, Daniela Grabovac, Helmut Konrad, Anton Binder (v.l.)(Bild: Krone/Schaupp V.)

Gruppen, nicht nur Einzelne
„Hass wird gezielter, geplanter, geht von strategischen Gruppen aus, nicht nur von Einzelpersonen“, so Grabovac. Das bestätigt Staatssekretär Jörg Leichtfried, zuständig für den Staatsschutz, der extra nach Graz gereist ist, und meint: „Wir präsentieren heute nicht nur einen Bericht, sondern ein gesellschaftliches Lagebild.“ Kriege und internationale Krisen würden Hass und Hetze anfeuern.  

Bedenkliche Radikalisierung von Jungen
„Das betrifft gerade auch Extremismus und Terrorismus“, warnt Leichtfried. Dabei werden die Betroffenen von Radikalisierung im Netz immer jünger. „2021 waren 14 Prozent unter 18 Jahren, 2024 waren schon 40 Prozent unter 18 Jahren“, so der Staatssekretär. „Das Internet wird zum Rekrutierungshotspot.“ Aus dem Ausland werde gezielt versucht, junge Nutzer, die erst elf oder zwölf Jahre alt sind, anzuwerben. Leichtfried betont einmal mehr, „wie wichtig ein Mindestalter zur Nutzung sozialer Medien“ sei.

Inhalte gegen Frauen
Grabovac erklärt, dass „Hass nicht im luftleeren Raum entsteht“, sondern in Zusammenhang mit politischen Ereignissen, gesellschaftlichen Debatten und globalen Entwicklungen. 2017 haben sich Hasspostings vor allem gegen Geflüchtete gerichtet, 2018 und 2019 kam es im Zuge der #MeToo-Debatte zu zunehmenden frauenfeindlichen Inhalten. Das sei auch aktuell zu beobachten – besonders Politikerinnen, Journalistinnen und Schauspielerinnen sind online der Androhung von (sexueller) Gewalt ausgesetzt.

Gewaltbereiter Frauenhass im Netz steigt weltweit.

Daniela Grabovac

Auch gegen die LGBTQ-Community wird gerne gehetzt. „Man kann über alles diskutieren, aber Transthemen werden vor allem zur Emotionalisierung verwendet“, meint Joe Niedermayer von den RosaLila-Pantherinnen.

Keine Handhabe bei Fake News
In der Coronakrise wurden wiederum vor allem Falschmeldungen verbreitet. Dagegen könne man rechtlich laut Grabovac nicht vorgehen. Grundsätzlich bräuchte es eine bessere europäische Zusammenarbeit und mehr Mittel gegen die Provider, um diese in die Pflicht zu nehmen.

Wir müssen der Normalisierung von Hasspostings entgegenwirken.

Katharina Scherke, Soziologin an der Universität Graz

Katharina Scherke, Professorin

Einfluss künstlicher Intelligenz
Ein Problem kommt erschwerend hinzu, der Einsatz künstlicher Intelligenz. „KI und Deepfakes spielen eine immer größere Rolle“, sagt Grabovac. Im Irankrieg erlebe man, wie Propagandavideos Hochsaison haben. „Dazu kommen Verschwörungserzählungen, all das lässt Emotionen hochgehen.“ Ob ein Bild echt sei oder nicht, mache kaum einen Unterschied. Grabovac: „In unseren Köpfen bleibt die Botschaft hängen.“ 

All diese Trends gefährden die Demokratie, sind sich die Expertinnen und Experten einig. „Nicht die Ränder der Gesellschaft sind betroffen, sondern wir alle. Europa ist keine Insel der Seeligen“, so Grabovac.

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