Wissen Sie immer genau, was Ihnen im Restaurant serviert wird und woher die Lebensmittel stammen? Wohl kaum. Weil sich Beschwerden häufen, fordert Burgenlands Vize-Landeshauptfrau und Konsumentenschutz-Landesrätin Anja Haider-Wallner (Grüne) nun eine bundesweite Herkunftskennzeichnung für Nahrung.
Die Debatte um unser Essen wird schärfer – und sie landet direkt auf dem Teller. Denn Güteklasse, Produktionsbedingungen und Regionalität werden für immer mehr Konsumenten zu einem wichtigen Entscheidungskriterium. Bereits 86 Prozent der Österreicher wollen wissen, woher ihre Lebensmittel stammen. Zurecht. Schließlich gibt es enorme Qualitätsunterschiede zwischen hochwertigen, lokal produzierten Lebensmitteln und günstiger minderwertiger Importware, auch wenn dies in Restaurants kaum erkennbar ist. Ob das Schnitzel tatsächlich vom Kalb aus regionaler Haltung oder doch aus niederländischer Massentierhaltung stammt, bleibt nämlich oft unklar. Ebenso, ob der Kaiserschmarrn mit Eiern aus Österreich zubereitet wird oder vielleicht doch mit industriell pasteurisiertem Ei aus dem Tetrapack aus Polen.
Das Thema liegt auf Eis
„Genau hier liegt das Problem. Statt Ungewissheit braucht es endlich Klarheit und eine Kennzeichnungspflicht“, fordert Burgenlands Vize-Landeshauptfrau Anja Haider-Wallner, die auch Landesrätin für Landwirtschaft und Konsumentenschutz ist. Damit unterstützt sie die Grüne-Nationalratsabgeordnete Olga Voglauer, die bereits einen Antrag zur Ausweitung der Herkunftskennzeichnung im Parlament eingebracht hat. Dieser wird jedoch seit Februar 2025 von der schwarz-rot-pinken Bundesregierung regelmäßig vertagt, zuletzt Mitte März im Agrarausschuss.
Aber was soll so ein Gesetz bringen? „Eine umfassende Herkunftskennzeichnung würde regionale Qualität sichtbar machen und bewusste Kaufentscheidungen zugunsten österreichischer Produkte ermöglichen. Mehr Transparenz im Gastgewerbe bedeutet mehr Fairness für unsere Landwirtschaft. Außerdem würde sie die Wertschöpfung im Inland stärken“, argumentiert Haider-Wallner.
Gastronomie bleibt große Lücke
Zwar wurde 2002 nach der BSE-Krise die Herkunftskennzeichnung EU-weit verpflichtend für Rindfleisch eingeführt und 2015 auch auf frisches Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch ausgeweitet. Doch eine einheitliche Pflicht zur Herkunftsangabe für alle Lebensmittel gibt es hierzulande bislang nicht.
Mit der Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung – eingeführt unter dem damaligen grünen Gesundheitsminister Johannes Rauch – gelang 2023 jedoch zumindest ein Teilerfolg. Seither müssen 2840 Schulen, Spitäler, Pflegeeinrichtungen und Betriebsküchen in Österreich offenlegen, woher Fleisch, Milch und Eier stammen. „Das war ein echter Meilenstein, weil es zum ersten Mal in einem großen Bereich klare und verpflichtende Regeln gibt. Doch auch die Lücke in der Gastronomie muss geschlossen werden!“, pocht Haider-Wallner.
Ergänzend zur gesetzlichen Regelung hätten sich zwar Systeme wie die Initiative „Gut zu wissen“, eine Kooperation von Landwirtschaftskammer und Wirtschaftskammer, etabliert. Angaben würden jedoch freiwillig erfolgen. Und viele Betriebe würden überhaupt ganz darauf verzichten: „Für unsere Landwirtschaft ist die Herkunftskennzeichnung mehr als eine Frage der Information. Es geht ums Überleben im internationalen Wettbewerb!“
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