Eine deutliche Warnung

Trump kuscht, Xi droht den USA mit Kriegsmetapher

Außenpolitik
14.05.2026 10:30

Was diese beiden Männer besprechen, hat Konsequenzen für den gesamten Globus! US-Präsident Donald Trump und sein Amtskollege Xi Jinping haben in Peking die ersten Nettigkeiten ausgetauscht – und die geopolitischen Fronten klar abgesteckt. 

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump haben am Donnerstag ihre mit Spannung erwarteten Gespräche in Peking begonnen. Beim öffentlichen Teil des Treffens trat vor allem der Republikaner bemerkenswert zahm auf und schmeichelte seinem „Freund“ Xi unaufhörlich.

Die USA und China hätten eine „fantastische“ gemeinsame Zukunft, sagte Trump zu Beginn der Unterredungen. Der US-Präsident lobte seinen Gastgeber als „großartige Führungspersönlichkeit“. „Manchmal mögen Leute das nicht, wenn ich das sage, aber ich sage es trotzdem, weil es wahr ist“, so Trump weiter. „Es ist eine Ehre, Ihr Freund zu sein.“

Xi ließ Trumps Lobeshymnen in gewohnter Stoik über sich ergehen – und schlug selbst härtere Töne an. Er sei zwar überzeugt, dass die gemeinsamen Interessen zwischen den USA und China größer seien als die Meinungsverschiedenheiten. Der chinesische Präsident drohte seinem Gast jedoch direkt im Anschluss mit einer Kriegsmetapher.

Peking droht den USA mit Kriegsmetapher
Xi warf die Frage auf, ob China und die USA ein „neues Modell für die Beziehungen zwischen Großmächten“ schaffen könnten. Er sprach dabei die nach einem Historiker der griechischen Antike benannte „Thukydides-Falle“ an. Damit ist die Gefahr gemeint, dass eine aufstrebende Macht und eine etablierte Führungsmacht in eine gefährliche Rivalität geraten. 

Zur Erklärung: Der amerikanische Politologe Graham Allison hat die Analogie geprägt. Der Harvard-Professor spielte damit vor einigen Jahren in einem Buch auf die Rivalität zwischen Athen und Sparta an und hat diese auf die Rivalität zwischen Washington und Peking umgemünzt.

Der antike Historiker Thukydides hatte damals geschrieben: Wenn eine etablierte Macht (Sparta = USA) auf einen aufstrebenden Herausforderer treffe (Athen = China), dann werde Krieg unausweichlich. 

Trump schweigt bei Taiwan
Was Xi damit meinte, skizzierte er wenig später. Sollte das Thema Taiwan nicht angemessen behandelt werden, würden die beiden Länder aneinander geraten, sagte er der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge. Dies würde die Beziehungen zwischen China und den USA an „einen sehr gefährlichen Punkt“ bringen, so der chinesische Präsident.

Hintergrund

  • Der Status Taiwans, das nur von wenigen Ländern als unabhängig anerkannt wird, ist einer der Hauptkonfliktpunkte zwischen den USA und China.
  • Die USA unterhalten zwar wie viele andere Staaten mit Rücksicht auf die Volksrepublik China keine formalen diplomatischen Beziehungen zu Taiwan.
  • Sie unterstützen es jedoch mit militärischer Ausrüstung und sind sein wichtigster Lieferant von Rüstungsgütern.
  • Taiwan ist seit 1949 selbstverwaltet. Damals besiegten die Kommunisten von Mao Zedong im chinesischen Bürgerkrieg die nationalistischen Kuomintang unter Chiang Kai-shek, die sich daraufhin auf die Insel Taiwan zurückzogen und dort jahrzehntelang autoritär herrschten.
  • Heute ist Taiwan demokratisch regiert und sieht sich als unabhängige Republik China an.

Dem Bericht zufolge bezeichnete Xi Taiwan als das wichtigste Thema in den Beziehungen zwischen China und den USA. Eine taiwanische Unabhängigkeit sei mit Frieden so wenig vereinbar „wie Feuer und Wasser“. Stabile chinesisch-amerikanische Beziehungen seien „gut für die Welt“. Ob und was Trump auf Xis Äußerungen entgegnete, war zunächst nicht bekannt. 

Nach der ersten – etwa zweistündigen – Unterredung traten die beiden vor die anwesenden Journalisten und posierten beim Himmelstempel für Fotos. Trump leistete den Worten von Xi Folge und schwieg bei Fragen nach dem Schicksal Taiwans und betonte erneut, wie „schön“ China sei (siehe Tweet unten).

Zur Nervosität, die in Taiwan wegen des Gipfels herrscht, trägt auch ein Satz des US-Präsidenten bei, den er kurz vor Abflug nach Peking im Oval Office sagte: Die USA seien 15 Kilometer entfernt von Taiwan, China hingegen nur 100. „Das ist schon ein ziemlicher Unterschied.“ Was genau er damit meinte, ließ Trump bisher offen.

Die Regierung in Peking betrachtet das demokratisch regierte Taiwan als eigenes Territorium und lehnt Waffenverkäufe der USA an Taiwan ab. Die Regierung in Taipeh lehnt die Territorialansprüche der Volksrepublik ab. Eine Sprecherin der taiwanischen Regierung erklärte, die USA hätten wiederholt ihre klare Position der Unterstützung für Taiwan bekräftigt.

Es ist der erste Besuch Trumps in China seit fast einem Jahrzehnt.
Es ist der erste Besuch Trumps in China seit fast einem Jahrzehnt.(Bild: AP/Mark Schiefelbein)

Dafür sei Taiwan sehr dankbar. Zudem seien die Drohungen des chinesischen Militärs die einzige Quelle der Unsicherheit in der für die internationale Schifffahrt wichtigen Straße von Taiwan und in der weiteren indo-pazifischen Region. China hält immer wieder umfassende Militärmanöver in der Umgebung Taiwans ab.

Für die USA steht Wirtschaft im Fokus
Trump interessiert sich jedoch mehr für wirtschaftliche Zugeständnisse Chinas. Zu seiner Entourage gehören etwa Unternehmensvertreter wie Apple-Chef Tim Cook und Tesla-Gründer Elon Musk sowie Regierungsmitglieder wie Finanzminister Scott Bessent, Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth.

Auch der Chef des Chipherstellers Nvidia, Jensen Huang, ist dabei. Die von dem Unternehmen ...
Auch der Chef des Chipherstellers Nvidia, Jensen Huang, ist dabei. Die von dem Unternehmen produzierten Halbleiter gelten als besonders wichtig für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz.(Bild: EPA/MAXIM SHEMETOV / POOL, Krone KREATIV)

Xi erklärte bei einem Treffen mit den hochrangigen Wirtschaftsvertretern, die „offenen Türen Chinas“ würden sich weiter öffnen. Peking begrüße eine verstärkte Zusammenarbeit mit den USA und äußerte sich demnach positiv darüber, dass US-Firmen bessere Perspektiven in China haben würden. 

Die Realität sieht jedoch anders aus. Tatsächlich verengt die Volksrepublik die Marktzugänge für ausländische Firmen immer stärker. 

Die weiteren Gespräche während Trumps Staatsbesuch in Peking dürften von den Handelsfragen geprägt sein – auch im Kontext des Irankriegs und der Straße von Hormuz. Hier hofft Trump auf eine offensivere Vermittlerrolle Pekings. Beide Seiten hätten laut einer Mitteilung des Weißen Hauses betont, dass vor allem die Meerenge „offen bleiben“ müsse. Am Freitag sind noch ein Nachmittagstee und ein Arbeitsessen vorgesehen, bevor der US-Präsident die Heimreise antritt.

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