Mit ihrer feurig-frivolen Powershow zum Song „Fire“ gehört die deutsche ESC-Starterin Sarah Engels vielleicht zu den Top-Favoritinnen des diesjährigen Bewerbs, sorgt aber für Aufregung und Staunen. Der „Krone“ gab sie Einblicke in den Song und ihre persönliche ESC-Woche.
„Krone“: Sarah, wenn du schon nicht selbst gewinnen würdest, wünscht du Antigoni aus Zypern den Sieg. Warum ausgerechnet ihr?
Sarah Engels: Ich mag sie, ihr Outfit und wofür sie steht. Außerdem finde ich sie super scharf. Sie versprüht extrem viel Frauenpower.
Gerade bei diesem Song Contest gibt es sehr viele starke Frauen mit tollen Liedern. Herrscht bei dieser Konkurrenz auch viel Konkurrenzdenken?
Den größten Druck macht sich Deutschland selbst. Allein dabei zu sein ist ein großes Geschenk und dann hat man auch noch die Möglichkeit, diese große Bühne zu nutzen. Ich versuche, für mich den Druck rauszunehmen und die Zeit hier zu genießen. Für mich geht es um die Message.
Welche Botschaft vermittelst du mit deinem Lied „Fire“?
Ich vermittle mit dem Gesamtpaket aus Tanz, Lied und Show Frauenpower. Ich will vermitteln, dass man sich als Frau trauen soll, angstfreier zu sein. Dass man als Frau man selbst sein darf. Stolz auf sich sein kann und nicht immer irgendwelchen Erwartungen von außen entsprechen muss, nur weil sich das gewisse Leute so einbilden.
Als Frau wird man im Entertainmentbusiness nach wie vor stark beurteilt und von außen bewertet. Ist das in der Song-Contest-Bubble anders?
Auf jeden Fall. Ich erlebe hier alles ganz anders als überall sonst, wo ich vorher war. Wir Frauen werden ständig auf das Äußere reduziert und bewertet, aber die Eurovisions-Community feiert dich genauso, wenn du dich nicht sexy zeigst. Das ist schön, denn man soll sich nicht immer nur darüber Gedanken machen müssen, sondern auch mal loslassen können. Jeder soll so sein, wie er will – ohne sich von außen bewerten lassen zu müssen.
Fühlst du dich darin bestärkt, dass du deine Performance auf der Song-Contest-Bühne viel freier und ungezwungener absolvieren kannst?
Definitiv, und das Publikum macht einen großen Teil davon aus. Die Leute tragen dich durch die ganze Show, geben dir ein gutes Gefühl und fangen dich am Ende wieder auf. Am Ende des Tages ist der Schlüssel für Erfolg und Zufriedenheit, dass man keine Rolle spielt, sondern einfach man selbst ist. Was kann dann schon Schlimmes passieren? Wenn wirklich etwas danebengeht, wäre das doch nur menschlich.
Wie viel von der Sarah Engels abseits der Bühne steckt in der Bühnenpersönlichkeit Sarah Engels?
100 Prozent. Ich stehe schon so lange auf einer Bühne und musste mich über all die Jahre erst einmal selbst finden. Als alles losging, war ich 17 Jahre alt. Jung, naiv und in vieler Hinsicht noch unerfahren. Ich musste in meinem Leben oft fallen und manchmal hat es auch wehgetan, aber das war notwendig, um wieder aufzustehen und neue Kraft zu schöpfen. Ich bade auch heute nicht jeden Tag im Goldregen, sondern habe meine üblen Phasen, wo es mir schlecht geht und ich nichts auf die Reihe kriege. Grundsätzlich ist es mir wichtig, all die Gefühle, die ich in mir trage, mit anderen Frauen zu teilen.
Was sind die wichtigsten Lehren, die du aus deiner Vergangenheit und deinen Fehlern gezogen hast?
Man darf seine Träume nicht aus den Augen verlieren und muss fokussiert bei sich bleiben. Es gibt immer zweifelnde und kritische Stimmen, die laut werden, aber von denen darf man sich nicht verwirren lassen. Oft ist man ehrlich und wird von anderen in Verlegenheit gebracht. Ich habe gelernt, dem stand zu halten und mache einfach mein Ding – all das, was sich richtig anfühlt. Gehe ich nach meinem Bauchgefühl, kann ich nicht verlieren.
So laut und explosiv deine Show auf der Bühne ist, so gegenteilig war dein Privatleben in Wien. Du hast deine ganze Familie hierher mitgebracht. War das wichtig, um dich zu erden?
Wenn ich abends nach einem anstrengenden Tag ins Hotelzimmer komme, mache ich hinter mir zu und meine Familie nimmt mich in den Arm. Das ist unheimlich wichtig. Sie ist immer da und gibt mir unfassbar viel Kraft. Die Momente des Mamaseins sind für mich überhaupt das allergrößte Geschenk. Klar, mit dem vollen Terminkalender ist es manchmal wirklich stressig, aber ich würde es nicht anders haben wollen.
Wenn man sich deine Performance bei „Fire“ ansieht, dann muss man klar sagen, das ist Hochleistungssport. Welche Entbehrungen musstest du die letzten Monate dafür in Kauf nehmen?
Wir trainieren seit Jänner dafür und das gleichzeitige Singen und Tanzen darf man nicht unterschätzen. Das war teilweise wirklich harte Arbeit. Es gibt manchmal Tage, wo meine Kondition komplett am Limit ist, aber ich bin bereit, alles zu geben und darauf trainieren wir seit den ersten Tagen hin.
Was muss im Finale passieren, damit du am Ende zufrieden sein wirst?
Mich würde es schon glücklich machen, wenn ich es schaffe, ein bisschen mehr Leichtigkeit nach Deutschland zu bringen. Das ist genau das, was wir brauchen. Wir malen alles so schnell schwarz und hinterfragen zu viele Dinge. Wir stellen uns ständig die Frage, was passiert, wenn etwas schief geht, fragen uns aber nie, was passiert, wenn etwas gut läuft. Unabhängig von der Platzierung wäre so ein Gefühl mein größter Erfolg. Wir haben derzeit ganz andere Themen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Wir haben in Deutschland immer so viel Angst, was die anderen von uns denken, was als nächstes passieren könnte – und das blockiert uns bei der Leichtigkeit in unserer Kunst. Wenn wir frei sind und Spaß haben, gelingt uns viel mehr. Das ist mein Ansatz, den ich verfolge.
Gibt es bei deiner Performance kurz vor dem großen Finale auch noch Teile, an denen du arbeiten musst?
Ja, aber ich bin relativ perfektionistisch veranlagt. Wenn man sich die Proben anschaut, findet man immer Dinge, die man anders oder besser hätte machen können. Durch das Tanzen höre ich manchmal noch meinen eigenen Atem, das würde ich gerne ganz glatt haben. Aber das wird schon noch. Es muss am Ende nicht alles zu 100 Prozent perfekt und glattgebügelt sein. Das macht die Show dann ja auch menschlich.
Im April 2027 kommst du für eine abendfüllende Show in die Wiener Simm City – was darf man sich von einem ganzen Programm von dir erwarten?
Ich freue mich riesig darauf, endlich wieder auf Tour gehen zu können. Ich habe viele Jahre lang auf diesen Moment gewartet und die Fans dürfen sich auf eine tolle Show freuen. Nach dem Song Contest gehen wir schon direkt in die Proben und werden uns überlegen, wie wir diese Show inszenieren werden. Man darf sich auf jeden Fall auf viel Frauenpower freuen.
Sarah Engels bald wieder live in Wien
„I‘m On Fire“ nennt sich die Tour, mit der Sarah Engels 2027 groß unterwegs ist und für einen Gig am 10. April auch in die Wiener Simm City kommt. Seit wenigen Stunden gibt es unter www.oeticket.com Karten für das frühlingshafte Konzerthighlight zu kaufen. Schlagen Sie lieber schnell zu.
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