„Kannten Opfer gut“

Todesdrama: Letzte Kontrolle am Freitag, dem 13.

Wien
18.03.2026 19:00

Nachdem ein Baugerüst in Wien vier Arbeiter in den Tod gerissen hat, steht das ganze Grätzel am Alsergrund unter Schock. Der „Krone“ liegen nun neue, tragische Informationen vor. Das Bauunternehmen sei tief betroffen von dem „tragischen Vorfall“.

Nach dem tödlichen Unglück auf einer Baustelle im neunten Bezirk kommen immer mehr erschütternde Details ans Licht. Laut „Krone“-Informationen soll nur wenige Tage zuvor, am Freitag, dem 13. März, die Baupolizei (MA 37) eine Inspektion durchgeführt haben. Bilanz: alles einwandfrei.

Am Dienstag während einer Arbeitspause soll es dann aber zu dem Unfall gekommen sein. „Die Arbeiter sind dagesessen, haben geraucht – und dann ist das Gerüst in sich eingestürzt“, so ein Augenzeuge. Der 45-jährige schwer verletzte Arbeiter dürfte sich dabei ganz oben befunden haben. Er schwebt nach wie vor in Lebensgefahr.

Drei der verstorbenen Arbeiter konnten identifiziert werden. Unter ihnen Pajtim B., der wie zwei seiner verunglückten Kollegen – Asllan M. und Istref Z. – aus dem Kosovo stammte.

Der 1997 geborene Pajtim B. ist einer der vier Todesopfer des Unfalls.
Der 1997 geborene Pajtim B. ist einer der vier Todesopfer des Unfalls.(Bild: Krone KREATIV/zVg)

Makaber: „Baustelleneinrichtungen können wir!“
Währenddessen scheint die verantwortliche Baufirma ihre eigene Strategie zu verfolgen – und ging nach dem Unfall erstmal auf Tauchstation. Auf der Internetseite des Unternehmens wurden schon Minuten nach dem Unfall alle Verbindungen zur Porzellangasse gelöscht. Einzig ein Posting konnte die „Krone“ vor der Vernichtung festhalten: „Baustelleneinrichtungen können wir!“, titelte der Instagram-Account der Firma ein Foto der besagten Baustelle. Auf Anfrage der „Krone“ spricht das Unternehmen von einer „tiefen Betroffenheit“ über den „tragischen Vorfall“.

So hat die Firma kurz vor dem Unfall mit der Baustelle geworben.
So hat die Firma kurz vor dem Unfall mit der Baustelle geworben.(Bild: Krone KREATIV/instagram.com)

Grätzel gedenkt Opfern mit Blumen und Kerzen
Beim „Krone“-Lokalaugenschein einen Tag nach der Tragödie schildern Anrainer, Schüler und Arbeiter die dramatischen Minuten des Unglücks. „Was passiert ist, ist einfach nur schrecklich“, erzählt der 15-jährige Elias. Gemeinsam mit seinen Klassenkameraden der gegenüberliegenden Schule ist er gekommen, um eine Kerze für das errichtete Mahnmal der Todesopfer vor der Türe des Altbaus anzuzünden.

Bestürzung herrscht auch in den umliegenden Geschäften. In einer Bäckerei wurden Blumen und Kerzen aufgestellt. „Wir können nicht glauben, was passiert ist“, sagen die Bäckerinnen. „Wir kannten die Opfer gut. Jeden Tag haben sie sich hier etwas zu essen geholt.“ Auch einen Anrainer trifft die „Krone“. Er habe den Unfall mit eigenen Augen mit angesehen. „Zuerst saßen sie auf dem Gerüst und dann krachte alles zusammen.“

Ob der Kranführer mit dem Betonkübel gegen das Konstrukt gestoßen ist, eine schlechte Schalung oder andere Umstände das Unglück herbeigeführt haben, werden die Ermittlungen zeigen. Das Arbeitsinspektorat ist eingebunden.

Traurige Bilanz
Jeder zehnte Unfall passiert am Bau

Bei Betonierarbeiten stürzte das Traggerüst auf einer Baustelle in Wien-Alsergrund am Dienstnachmittag zusammen – und riss vier Bauarbeiter in den Tod. Zwar wird der genaue Hergang derzeit bei Erhebungen noch eruiert, Abstürze seien aber der zweithäufigste Grund für Arbeitsunfälle in der Baubranche, heißt es vom Arbeitsinspektorat auf Nachfrage. Jeder zehnte Unfall im Job ereignet sich außerdem am Bau. Damit ist jene Branche trauriger Spitzenreiter.

In Wien gab es 2024 laut AUVA 2478 Arbeitsunfälle, 2023 waren es 2665. Kontrollen fokussieren sich auf Absturzsicherung. Das Arbeitsinspektorat ist prinzipiell für die Kontrollen der Baustellen zuständig. 2769 Firmen wurden in der Stadt im Vorjahr geprüft. Vor allem auf die Absturzsicherung und den ordnungsgemäßen Aufbau von Gerüsten wird dabei geachtet. Kontrolliert wird zudem, ob Kran und Bauaufzüge technisch geprüft wurden. Mängel werden stets an die betreffenden Unternehmen weitergegeben, wird versichert.

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