Polit-Beben in den USA

Terrorabwehr-Chef bezeichnet Iran-Krieg als „Lüge“

Außenpolitik
17.03.2026 16:24

Ein hochrangiger US-Beamter hat aufgrund des Iran-Krieges seinen Rücktritt erklärt. Joe Kent, der Leiter des Nationalen Terrorabwehrzentrums, erhob in einer öffentlichen Erklärung schwere Vorwürfe gegen Israel – und sorgte damit für ein politisches Beben in Washington.

Präsident Donald Trump hätte sich von einer „einflussreichen Lobby“ in diesen Krieg „hineinziehen“ lassen, schrieb Kent in seiner Rücktrittserklärung: „Ich kann den andauernden Krieg im Iran nicht guten Gewissens unterstützen. Der Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unser Land dar, und es ist offensichtlich, dass wir diesen Krieg aufgrund des Drucks seitens Israels und seiner einflussreichen amerikanischen Lobby begonnen haben“, so der ranghohe Beamte.

Kent: „Das war eine Lüge“
Mit seinem Schritt ist Kent der erste Regierungsbeamte, der aus Protest gegen den Krieg sein Amt niederlegt und damit die tiefen Risse in Trumps Koalition offenbart. In seinem Rücktrittsschreiben warf er hochrangigen israelischen Beamten und Medien eine gezielte „Desinformationskampagne“ vor. Dieses Umfeld habe Trumps „America First“-Plattform untergraben und eine kriegerische Stimmung geschürt.

Dieses Narrativ sei genutzt worden, um Trump vorzugaukeln, der Iran stelle eine unmittelbare Bedrohung für die Vereinigten Staaten dar und ein sofortiger Angriff würde den Weg zu einem schnellen Sieg ebnen. „Das war eine Lüge“, hielt Kent fest.

Der hochdekorierte Veteran, der elf Kampfeinsätze absolvierte, sehe beunruhigende Parallelen zum Irak-Krieg 2003. Die Versprechen eines „raschen Sieges“ würden ihn stark an die damalige Rhetorik erinnern, mit der die Israelis die USA in den Konflikt gezogen hätten. „Wir dürfen diesen Fehler nicht noch einmal begehen.“

Kent legte keine Beweise für seine Anschuldigungen vor. US-Kommentatoren wiesen auf eine antisemitische Lesart der Ereignisse hin. Der Top-Beamte gehöre dem antijüdischen MAGA-Lager innerhalb der Trump-Regierung an. Dem Republikaner wurden zudem immer wieder Verbindungen zu „White Supremacy“-Gruppen nachgesagt. Seine Ernennung zum Direktor des Zentrums für Terrorabwehr hatte in den USA für großes Aufsehen gesorgt.

Unterstützung erhielt Kent schnell von Verschwörungstheoretiker Tucker Carlson, einem einflussreichen Trump-Verbündeten und scharfen Kritiker des Krieges. „Joe ist der mutigste Mann, den ich kenne“, so Carlson. „Er verlässt einen Job mit Zugang zu Geheimdienstinformationen auf höchster Ebene. Die Neokonservativen werden nun versuchen, ihn dafür zu zerstören.“

Sinneswandel beim US-Präsidenten
Kent attestierte dem „Commander-in-Chief“ in seinem Schreiben einen bemerkenswerten Sinneswandel: „Bis Juni 2025 war Ihnen klar, dass die Kriege im Nahen Osten eine Falle waren, die Amerika das kostbare Leben unserer Patrioten raubte und den Reichtum und Wohlstand unserer Nation erschöpfte.“ Trump habe in seiner ersten Amtszeit noch „besser als jeder andere moderne Präsident“ verstanden, wie man das Militär einsetzt, ohne in endlose Kriege verwickelt zu werden. 

Joe Kent
Joe Kent(Bild: AP/Jenny Kane)

Kents Kritik hat auch eine persönliche Dimension. Seine Frau Shannon, eine Verschlüsselungsexpertin des Militärs, wurde in Syrien bei einem IS-Anschlag getötet. „Als Witwer, der seine geliebte Frau in einem von Israel herbeigeführten Krieg verloren hat, kann ich es nicht verantworten, die nächste Generation in einen Krieg zu schicken, der dem amerikanischen Volk keinen Nutzen bringt“, schrieb der umstrittene Terrorabwehr-Chef.

Richtungsstreit in Washington
Kent endete sein Schreiben mit einem persönlichen Appell an den US-Präsidenten: „Ich bitte Sie inständig, darüber nachzudenken, was wir im Iran tun und für wen wir es tun. Jetzt ist der Zeitpunkt für entschlossenes Handeln gekommen. Sie können den Kurs ändern und einen neuen Weg für unser Land einschlagen, oder Sie können zulassen, dass wir weiter in den Niedergang und das Chaos abgleiten. Sie haben es in der Hand.“

Der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus Mike Johnson widersprach in einer ersten offiziellen Reaktion der Darstellung von Kent vehement: „Ich weiß nicht, woher Joe Kent seine Informationen bezieht, aber er war ganz offensichtlich nicht bei diesen Besprechungen dabei (…) Wir verfügten über äußerst zuverlässige Informationen, aus denen wir entnehmen konnten, dass dies ein kritischer Moment für uns war.“

Später erklärte Trump-Sprecherin Karoline Leavitt, dass das Schreiben von Kent mit „falschen Behauptungen“ durchsetzt sei. Der US-Präsident ergänzte im Oval Office gegenüber Reportern, dass er immer gedacht habe, dass sein Terrorabwehrchef „in Sachen Sicherheit Schwächen“ hatte.

Experten bestätigen US-Medien, dass Kents Rücktritt auf erhebliche interne Konflikte in der Regierung hindeutet. Seine Erfahrung als Kampf-Veteran habe ihm eine „einzigartige Perspektive auf die Risiken“ verschafft, so der frühere Anti-Terror-Beamte Javed Ali gegenüber der Zeitung „New York Times“.

Kent, der zweimal erfolglos für den Kongress kandidierte, war auch ein enger Berater von Geheimdienst-Direktorin Tulsi Gabbard und drängte intern auf eine zurückhaltendere Außenpolitik. Gabbard, die in der Vergangenheit als Russland-Freundin und ausgesprochene Kriegsgegnerin auftrat, muss sich diese Woche wichtigen Anhörungen im Kongress stellen.

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