Trotz des Angriffs der USA und Israels auf den Iran und der Sperre der Straße von Hormuz sieht die E-Control derzeit keine neue Energiekrise auf Österreich zukommen. Zwar seien die Gaspreise gestiegen, die Situation sei aber nicht mit 2022 vergleichbar.
„Ich sehe jetzt einmal noch keine Krise“, bewertete E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch die aktuellen Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Energiemärkte. Es gebe zwar deutlich erhöhte Gaspreise, „aber wir sind weit von den Preisen entfernt, die wir im Jahr 2022 gesehen haben“. Auch sein Vorstandskollege Alfons Haber beruhigte hinsichtlich der Versorgungssicherheit: „Wesentlicher Unterschied ist, wir hatten das letzte Mal in Europa rund 40 Prozent der Gasmengen aus Russland“. Mittlerweile sei Europa durch verflüssigtes Erdgas (LNG) breiter aufgestellt und die Importquellen seien weitaus stärker diversifiziert.
Hormuz hat ähnliches Ausfallspotenzial wie russisches Gas
Auch eine Blockade der Straße von Hormuz stelle physisch vorerst kein unlösbares Problem dar. „Das Gesamtpotenzial von Hormuz sind 1000 Terawattstunden an Gas“, erklärte E-Control-Chefökonom Johannes Mayer. „Das entspricht ungefähr dem Ausfall der russischen Pipeline-Lieferungen global. Also das Potenzial des Problems ist ein großes, allerdings ist die Erwartung der Zeitdauer eine andere.“
Der Markt gehe bei der Sperre zunächst nur von einem Ausfall von wenigen Wochen aus. Das eigentliche Risiko liege eher in einer Verzögerung der Einspeichersaison für den nächsten Winter. Urbantschitsch zeigte sich hierbei zuversichtlich: „Sobald Hormuz aufgesperrt wird sozusagen, verfallen relativ schnell auch wieder die Preise und alle würden dann zum Einspeichern anfangen“. Zudem dämpfe der aktuell verstärkte Einsatz von Kohlekraftwerken in Europa die Gasnachfrage zur Stromerzeugung spürbar.
Um sich gegen anhaltende Preisschwankungen abzusichern, riet Urbantschitsch jenen Haushaltsenergiekunden, die dynamische Tarife nutzen, zum raschen Wechsel. Der Anteil dieser Kunden liege zwar ohnehin nur „in einem niedrigen einstelligen Bereich“, dennoch sei es ratsam, „dass man jetzt ein Fixpreisangebot abschließt, weil dann kommt man über den nächsten Winter drüber“.
Auf eine drohende Verdoppelung der Netzentgelte aufgrund des massiven Netzausbaus angesprochen, relativierte Haber: Eine unmittelbar proportionale Steigerung der Tarife sei nicht gegeben, da sich durch die voranschreitende Elektrifizierung von Industrie und E-Mobilität auch die abgenommenen Strommengen erhöhen würden, was die Fixkosten dämpfe.
Amtszeit von Urbantschitsch endet
Mit Ende März läuft die fünfjährige Amtszeit des aktuellen Vorstandsduos ab. Während Haber dem Gremium in einer neuen Konstellation erhalten bleibt, wird Urbantschitsch die E-Control in gut einer Woche verlassen. Die Regulierungsbehörde bereitet sich derweil intensiv auf die Umsetzung des neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG) vor, das der Behörde weitreichende neue Aufgaben und Kompetenzen überträgt.
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