Die Nachwirkungen der Landtagswahl in Baden-Württemberg werden wohl noch länger spürbar sein. Nach der Veröffentlichung eines Social-Media-Videos ihres Spitzenkandidaten Manuel Hagel sieht die CDU eine Schmutzkampagne, die den Grünen den ersten Platz verschafft haben soll. Die Schuld soll letztlich bei einer Frau liegen.
Im Eklat um ein acht Jahre altes Video des CDU-Manns Manuel Hagel zeigt sich ein altes Muster der Konservativen. Kaum zeichnete sich am Wahlsonntag die Niederlage der CDU ab, begaben sich die Spitzenmänner der Partei auf Spurensuche. „Es gab eine Schmutzkampagne gegen den Spitzenkandidaten“, analysierte Jens Spahn im öffentlich-rechtlichen ZDF. Von „gezielten Angriffen“ sprach auch der konservative Ministerpräsident von Thüringen, Mario Hagel. Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) ortete eine „Kampagne aus der untersten Schublade“. Eine Kampagne, die „weit in die Familie von Hagel“ hineinreicht, sieht der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz.
Hagel schwärmt für Schülerin – Post geht viral
In jenem Video geriet der damals 29-jährige Hagel in einer regionalen Fernsehsendung ins Schwärmen für die Attraktivität einer minderjährigen Realschülerin mit „rehbraunen Augen“, deren Klasse er als Abgeordneter besucht hatte. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer brachte das auf YouTube öffentlich zugängliche Video ihres politischen Gegners aus dem Jahr 2018 zuletzt aufs Tablett und postete das Video kurz vor der Wahl am vergangenen Sonntag auf Instagram. Die 30-Jährige thematisiert in ihrem Video die Sexualisierung von Frauen und richtet Fragen an ihr Publikum, warum man denn so mit Mädchen reden würde. Knapp 4,5 Millionen Mal wurde Mayers Post bis heute aufgerufen.
Hagel erntete dafür zu Recht Kritik, er entschuldigte sich bereits für seine Aussagen, seine Frau hätte ihm „den Kopf gewaschen“. Doch der Umgang mit der Kritik offenbart tiefe Risse im Problemverständnis der CDU. Hagel äußert sich sexistisch, Mayer kritisiert ihn, rollt ein Thema mit politischer Brisanz während eines Wahlkampfes auf und gerät dadurch ins Kreuzfeuer der Konservativen. Denn wenn Mayers Video bereits als Schmutzkampagne gilt, müsste nach diesem Maßstab jede öffentliche Kritik an politischen Handlungen oder das Aufdecken von Fehlverhalten ebenso als Schmutzkampagne bewertet werden, so der kritische Tenor in den sozialen Medien.
Flut von Hass trifft Hagel und Mayer
Der CDU-Spitzenkandidat Hagel dürfte kaum erfreut darüber sein, durch den Eklat einen derartigen Bekanntheitsschub erfahren zu haben. Noch vor wenigen Wochen waren die Aufrufe seiner Kanäle mit nur wenigen Tausend Klicks überschaubar. Auch die Bundestagsabgeordnete Mayer, die seit rund viereinhalb Jahren im Bundestag sitzt, galt bislang als eher unbekannt – das hat sich offenbar geändert.
Mayer: „Telefon steht nicht still“
Seit dem Wahltag erhält sie eine Vielzahl von Hassnachrichten und beleidigenden Anrufen. Sie bezeichnete diese Entwicklung gegenüber dem „Spiegel“ als „erschreckend“, zeigte aber zugleich Mitgefühl für Hagel, der ebenfalls bedroht werde. Die Reichweite des Videos habe Mayer so nicht absehen können, ihr sei aber bewusst gewesen, dass so ein Thema im Wahlkampf politische Brisanz besitze. Trotz allem würde sie das Video wieder veröffentlichen, sagte sie dem Blatt. Ob ihr Post letztlich den Wahlausgang beeinflusst hat, könne sie nicht sagen. Allerdings zeigt ein Blick auf die Umfragen, dass die Werte der CDU bereits vor der Veröffentlichung des Videos gesunken waren.
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