Drei junge Männer in ihren 20ern lieben und spielen Soul mit R&B-Einflüssen aus den 60er-Jahren – möglichst analog, warm und bewusst imperfekt. Das Grazer Trio Sladek zeigt auf „Things Gotta Change“, wie man Vergangenheit und Gegenwart bestmöglich verbindet. Frontmann David Sladek erzählt uns von seiner Liebe zum Soul und worauf man besonders viel Wert legte.
Die musikalische Welt des Soul ist global eine große – nur in Österreich ist sie äußerst überschaubar. Musik im Stile von Curtis Mayfield, Donny Hathaway oder Marvin Gaye begeistert auf diversen Radiostationen, eine eigene Szene befindet sich aber eher nur im nischigen Subkulturbereich. Seit 2017 versucht eine junge Grazer Freundesbande namens Sladek dagegen anzukämpfen und den klassischen Soul der 60er- und 70er-Jahre wieder ins rechte Licht zu rücken. Ihr vergangenen Herbst veröffentlichtes Album „Things Gotta Change“ stellen sie dieser Tage im Wiener Jazzclub Porgy & Bess vor und beweisen damit eindrucksvoll, dass eine analog-warme Produktion mit viel Gefühl und der nötigen Dosis Hingabe auch hierzulande salonfähig sein kann. Songs wie „Stranger“, „Here To Stay“ oder „What A Little Love Can Do” erzählen Geschichten aus dem persönlichen Kosmos von Bandgründer, Sänger und Gitarrist David Sladek und sind auch für die Hörer vielseitig interpretierbar.
Analoger und wärmer
Dass sich auf einer Grazer Musikuni in der jüngeren Gegenwart mehrere Menschen treffen, die sich dieser Art von Musik zugetan fühlen, ist an und für sich schon eine Sensation an sich. „Das aktuelle Bandgefüge hat sich 2023 zusammengetan und wir haben über die Jahre stärker unseren Sound gefunden“, so Sladek im Gespräch mit der „Krone“, „wir gehen auf dem neuen Album mehr in die Richtung der R&B- und Neo-Soul-Einflüsse unserer jüngeren Vergangenheit.“ Das international durchaus erfolgreich grassierende Retro-Soul-Movement hat auch Sladek erfasst. „Als wir auf den Retro-Soul gesetzt haben, war ich 16 oder 17 Jahre alt. Alles war superfett produziert und ich habe damals viel Bradley und Co. gehört. Die Zugangsweise haben wir aber etwas verändert.“ Sladek anno 2026 klingen analoger und wärmer. „Es gibt in der Szene viele Leute, die den Computer bei der Produktion fast ganz auslassen und alles mit altem Equipment auf Band aufnehmen - in einem Raum und ohne Backing Tracks.
Das gemeinsame Musizieren und Aufnehmen ist insofern leichter, als dass sich Sladek und seine beiden Mitstreiter Alvis Reid (Bass) und Raphael Vorraber (Schlagzeug) im selben Land befinden, was bei diversen Ex-Mitgliedern nicht automatisch der Fall war. Gemeinsam mit den vervollständigenden Gastmusikern hat man die Songs für das Album zu fünft im selben Raum aufgenommen. Eine Erfahrung, die für Sladek neu und interessant war. „Man fängt dabei gemeinsam Perspektiven ein, anstatt die Ideen zu schichten und später zu verbinden. Früher haben wir sehr viele Songs und Songfiles hin- und hergeschickt und sie dann gestückelt. Heute ist das anders. Wir wollen zusammenspielen und das Gefühl der Vertrautheit bei der Musik spüren. Man hört gut heraus, dass wir damals am Debütalbum noch sehr viel experimentiert und probiert und jetzt einen Stil und ein Handwerk gefunden haben. Wir wollen uns bei jedem Lied auf das Wesentliche besinnen und alles aufs Maximum zu reduzieren.“
Zwischen Soul-Größen und Säulenheiligen
Mit ihrem ganz und gar warmen und menschlichen Sound sind Sladek ein bewusster Gegenpol zur vermehrt KI-gesteuerten Musik im internationalen Pop-Hype. „Menschlichkeit und Imperfektion stehen zu lassen und dabei nicht alles glattzubügeln, das ist definitiv in unserem Sinne als Musiker.“ Neben diversen Soul-Größen sind vor allem in puncto Klangbild auch die Säulenheiligen der Pop-Historie ein wichtiger Inspirationszweig. „Vor allem die zweite Hälfte der Beatles-Alben waren dahingehend perfekt“, schwärmt Sladek, „sie haben einen besonderen Charme, es fehlt an der Sterilität, die man heute so oft hört. Das Lied ,Wait For Me‘ wurde in einem Raum live eingespielt und eingesungen, es wurde dann auch nichts mehr nachgebessert. Wir spielen sehr gerne mit verschiedenen Möglichkeiten und alten Instrumenten, weil man dadurch eine neue Klangfarbe kriegen kann.“
„Things Gotta Change“ ist nicht nur ein reines Soul-Manifest, sondern verästelt sich gerne in andere Gegenden. „Ich bin im Elternhaus mit zeitgenössisch-klassischer Musik aufgewachsen. Dann haben mich der Hip-Hop und seine Sample-Kultur begeistert und als ich Gitarre lernte, stieß ich auf Carlos Santana, der die Brücke zum Soul schlug.“ Auch Erykah Badu, CeeLo Green, Stevie Wonder oder Raye haben Sladek auf seinen musikalischen Weg geprägt. „Die Retro-Soulwelt ist in London und anderen Städten stark ausgesprägt. Auch in Deutschland und Frankreich gibt es verschiedene größere Szenen, Österreich kommt mir manchmal wie eine kleine Enklave vor, in der es nicht so gut funktioniert.“ Umso wichtiger ist es der Band Sladek, international zu klingen. „Die Frage ist immer, wie viel Zeit man opfert und wie viel Leidenschaft man reinsteckt. Das macht sehr viel, von dem aus, wohin man sich entwickeln kann. In Österreich fühlt es sich manchmal wie ein Kampf gegen alle Windmühlen an, aber wir haben Pioniergeist. Es wäre schön, wenn man den österreichischen Soulmarkt international durch Sladek wahrnimmt.“
Live im Porgy & Bess
Am 13. März stellen Sladek „Things Gotta Change“ live im Wiener Porgy & Bess vor. Unter www.porgy.at gibt es noch Karten. Danach präsentieren die drei Steirer ihr Werk in Deutschland und England.
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