Live in der Simm City

Kiefer Sutherland: Country-Rock für die gute Laune

Musik
01.05.2026 01:40

Rund 500 Fans verirrten sich Donnerstagabend in die Wiener Simm City, um den einstigen Serienhelden und Country-Rocker Kiefer Sutherland live zu sehen. In Wien ist er musikalisch längst heimisch geworden. Dieses Grundvertrauen spiegelt sich auch im Verhältnis zwischen dem Schauspieler und seinen Fans wider.

kmm

Humor ist vorhanden, wenn auch höchstwahrscheinlich nicht beabsichtigt. Wer vor dem Konzert von Hollywood-Ikone Kiefer Sutherland in der Simm City am Merch-Tisch vorbeischaut, kann sich ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Kiefer“ und einem dicken Baum darunter kaufen. Dass Kiefer so heißt wie er heißt, weil Vater Donald Sutherland ihn nach dem Regisseur Warren Kiefer von dessen erster Filmrolle benannte, kann man wissen, muss man aber nicht. Eine gewisse Form von Naturbelassenheit zieht sich ohnehin durch das weitgehend rural gehaltene Konzept des Hobby-Cowboys. So ragen von der Seite des Bühnenbackdrops Äste in die Mitte und Kiefer lässt es sich auch nicht nehmen, immer wieder gerne von seinem relativ neuen Leben auf einer amerikanischen Farm zu schwärmen.

Ein Album vor dem Album
35 Jahre lang habe er in Kalifornien gelebt, erzählt er schon sehr früh an diesem schwungvollen Abend, dann war es aber endgültig Zeit, die grellbunte Großstadt mit all ihrem Lärm und der Geschäftigkeit gegen die Beschaulichkeit des gemütlichen Landlebens einzutauschen. „Goodbye California“ ist der dazugehörige Song und einer von gleich neun, die Sutherland schon vor Veröffentlichung des Albums feilbietet. „Grey“ heißt das gute Stück, das am 29. Mai das Licht der Welt erblicken wird, Überraschungen darf man sich darauf nicht erwarten, der einstige Hobby-Musiker hat es sich in seiner favorisierten Schiene bequem gemacht und seinen Stil gefunden, den er nur noch in Nuancen und wohl äußerst widerwillig adaptiert. Erdiger Country-Rock mit eingängigen Rhythmen ist angesagt. In guten Momenten weiß das stringent zu fesseln. In weniger guten wähnt man sich in einem nachgebauten Cowboy-Stadl, wo man nur noch auf die nächste Einheit Line-Dance wartet.

(Bild: Andreas Graf)

Alles in allem ist Kiefer Sutherland geübter Menschenfänger. Als Agent Jack Bauer bildete er sich in der Kultserie „24“ von 2001 bis 2014 einen Ruhm für die Ewigkeit. Ältere Semester kennen ihn auch noch jung von „Die drei Musketiere“, der zu einem erheblichen Teil in Wien gedreht wurde und wo Sutherland vor mehr als 30 auch noch einen anderen, wesentlich destruktiveren Lebensstil zum Weiterkommen wählte. Überall begeistert er die Menschen, genauso als Frontmann auf der Bühne. Dass aus dem Hobby Musik ein Job Musik geworden ist, liegt an zwei Faktoren. Einerseits sind die Rollenangebote in der Traumfabrik längst nicht mehr so prestigeträchtig wie früher, andererseits besitzt der gebürtige Londoner eine mehr als respektable Gesangsstimme. Das unterscheidet ihn von so einigen der musizierenden Hollywood-Stars, denn auf seine Prominenz kann er auch scheinbar mühelos eine nötige Qualität bauen.

Emotionen und Höhepunkte
Im Set selbst müssen sich die Eigenkompositionen trotzdem hinter den Cover-Versionen anstellen. Das herzhafte „Only Happy When It Rains“ der 90er-Alternative-Ikonen Garbage geht gut ins Ohr, die klanglich modernisierte Version von „Can’t You See“ der kultigen Marshall Tucker Band trifft dann gar voll ins Schwarze. Hier paaren sich lässiges Südsaaten-Flair und spannende Instrumentierung, Sutherlands Stimme tragt den Track obendrein sehr gut. Emotional wird es bei Ozzy Osbournes Schmachtfetzen „See You On The Other Side“, der gleichermaßen als Ode an die Heavy-Metal-Legende wie auch als Ausruhpunkt am abendliche Konzertsetting gilt. In bester Rock’n’Roll-Manier peitschen Kiefer und seine vierköpfige inklusive famosem Solo-Gitarristen und sonnenbebrillten Schlagzeuger ihre Songs runter und halten sich nicht lange mit großem Geschichtenerzählen auf.

(Bild: Andreas Graf)

Wenn, dann sind es Anekdoten aus dem persönlichen Leben des bald 60-Jährigen. So gibt es etwa vor „American Farmer“ einen kurzen Ausflug in die harte Realität der viel zu wenig unterstützten US-Landwirte. „Simpler Time“ erzählt wiederum von Sehnsüchten und Hoffnungen fernab von gesellschaftlichem Stress und der ständig propagierten „höher, schneller, weiter“-Mentalität. Dass das Anfangsriff von „Two Stepping In Time“ fast deckungsgleich mit jenem von Bryan Adams‘ Gassenhauer „Summer Of ‘69“ ist, beweist, dass Sutherlands Eigenkompositionen sehr nett und engagiert sind, sich zuweilen aber zu starken an die Großen im Business anlehnen. Im Zugabenteil begeistert der Star seine Fans mit einem proggigen, schrägen „In The Air Tonight“ des kultigen Phil Collins. Der Höhepunkt nach gut 80 Minuten Spielfreude, die auf die leider nur rund 500 Fans ansteckend wirkte. Tolle Stimmung für ein kurzweiliges Konzert.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung