Rede in Köln

Erdogan: “Türkei ist nicht mehr die alte Türkei”

Ausland
25.05.2014 10:09
Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat Kritikern in der Türkei und im Ausland vorgeworfen, seinem Land schaden zu wollen. Es gebe Kräfte, die den Aufstieg der Türkei verhindern wollten, so Erdogan am Samstag vor 10.000 Anhängern in Köln. "Denen sage ich: Die Türkei ist nicht mehr die alte Türkei."

Erdogan wies die Kritik an Einschränkungen der Bürgerrechte in der Türkei zurück. Gegner seiner Regierung im Innern wie im Ausland wiederholten dieselben "Lügen und Verleumdungen". Auch die Kritik am Umgang der türkischen Polizei mit Demonstrationen sei verfehlt, denn es handle sich um "Terrorakte", sagte Erdogan. Polizisten zu töten und Dokumente zu fälschen, sei keine Pressefreiheit.

Trotz aller Kritik am Westen betonte Erdogan, die Türkei bleibe beim Ziel der EU-Mitgliedschaft. Sein Land sei ein "Gegengift" gegen den wachsenden Rassismus in Europa. Europäische Politiker sollten einsehen, dass politische Probleme in Europa nicht zu lösen seien, indem man die Türkei benutze, sondern indem man mit der Türkei zusammenarbeite. Erdogan bekräftigte, er sei für die Integration der Türken in Deutschland, aber gegen eine "Assimilierung".

Deutsche Medienberichte über Grubenunglück kritisiert
Mit Blick auf die 301 Todesopfer des Grubenunglücks in Soma betonte Erdogan, er werde alles tun, um die Verantwortlichen für die Katastrophe zur Rechenschaft zu ziehen. Zugleich griff er seine Kritiker in der Türkei an, die versucht hätten, aus dem Unglück politisches Kapital zu schlagen.

Auch deutsche Medien attackierte der türkische Regierungschef. Er sei von verschiedenen Medien nach dem Unglück von Soma mit Beleidigungen überzogen worden, betonte Erdogan in Anspielung auf eine Überschrift im "Spiegel", in der ein Bergmann vor Kurzem mit den Worten zitiert wurde, der türkische Premier solle sich "zum Teufel scheren". Der Regierungschef hatte bei einem Besuch in Soma viele Bewohner gegen sich aufgebracht, als er über die angebliche Unvermeidlichkeit von Bergwerksunfällen sprach: "So etwas passiert eben", sagte er.

Applaus für Erdogan und Proteste gegen den Premier
Erdogan betonte die Verbundenheit zwischen der Türkei und den Türken in Europa. Er überbringe "Grüße von 77 Millionen Brüdern" in der Türkei, sagte er. Von den Zuhörern wurde Erdogan mit Applaus und Sprechchören wie "Die Türkei ist stolz auf dich" gefeiert.

Der Wahlkampfauftritt wurde von Protesten mehrerer Zehntausend Menschen begleitet. Zu der Großdemonstration unter dem Motto "Wir sagen Nein zu Erdogan" im linksrheinischen Kölner Stadtgebiet hatte die Alevitische Gemeinde in Deutschland aufgerufen. Sie sprach am Samstag von mehr als 50.000 Teilnehmern. Angeschlossen hatte sich auch eine kurdische Gruppe. Die Demonstration verlief zunächst ohne größere Zwischenfälle, wie eine Polizeisprecherin sagte.

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