Tragische Details nach dem tödlichen Lawinenunglück am Stubaier Gletscher in Tirol: In einem Meter Tiefe wurden am Sonntagabend die beiden von Schneemassen in die Tiefe gerissenen Snowboarder unweit der Talstation der Gletscherbahn gefunden. Wegen des untertags herrschenden Nebels war das Unglück stundenlang unbemerkt geblieben.
Eine steile Freerideabfahrt im freien Skiraum am Stubaier Gletscher ist am Sonntag den zwei 37-jährigen Snowboardern aus dem Großraum Innsbruck zum tödlichen Verhängnis geworden. Das Unglück muss sich nach 13.25 Uhr ereignet haben. „Um diese Uhrzeit fuhren die beiden mit dem Lift noch einmal hinauf, das hat sie Auswertung der Tickets ergeben“, weiß Dominik Riedl von der Alpinpolizei in Neustift im Stubaital.
Auch Drohnen kamen zum Einsatz
Weil die Freunde nicht nach Hause gekommen waren, schlugen Angehörige am frühen Abend Alarm. Eine große Suchaktion der Bergrettung Neustift und der Alpinpolizei startete, auch der FLIR-Hubschrauber der Polizei aus Salzburg mit Wärmebildkamera war angefordert, Drohnen kamen zum Einsatz.
Wir haben mit unserer Drohne zwei Spuren im Bereich der Anrisskante eines Schneebretts in rund 2100 Meter Höhe entdeckt.

Günter Chwojan, Einsatzleiter Bergrettung Neustift im Stubaital
Bild: Privat
„Die Polizei machte eine Handypeilung und suchte nach den Ergebnissen der Peilung zunächst mit einer Drohne im Bereich der Dresdner Hütte“, so Günter Chwojan von der Bergrettung Neustift im Gespräch mit der „Krone“. Er war gemeinsam mit Alpinpolizist Riedl Einsatzleiter.
Anrisskante des Schneebretts entdeckt
Das Bergrettungsteam – insgesamt 19 Mann – unternahm gleichzeitig eine Suche mit dem LVS-Gerät im Bereich der sogenannten „Wilde Grube“. „Wir haben zudem mit unserer Drohne klassische Variantenabfahrten abgesucht und zahlreiche Spuren erkannt. Dabei haben wir zufällig zwei Spuren im Bereich der Anrisskante eines Schneebretts in rund 2100 Meter Höhe entdeckt.“
Lawinenkegel nahe der Talstation
Es handelte sich um die Todeslawine. Der Lawinenkegel befand sich rund 300 Höhenmeter tiefer, bereits im flachen Bereich unweit der Talstation der Gamsgartenbahn.
Hunde schlugen sofort an
Zwei von insgesamt sechs Suchhunden der Bergrettung hielten sich bei der Talstation auf und eilten in wenigen Minuten zum Lawinenkegel. Die Hunde schlugen sofort an, es gab auch LVS-Signale aus der Lawine.
Helm schimmerte durch Schneedecke
Das war dann gegen 21.30 Uhr. „Wir haben die beiden Snowboarder gleich ausgegraben, die Notärztin konnte aber leider nur noch den Tod feststellen“, schildert Chwojan. Ein Opfer lag ungefähr einen Meter unter den Schneemassen begraben. Auch der Zweite war komplett verschüttet, sein Helm schimmerte durch den Schnee nach oben.
Lawinenairbag nicht ausgelöst
Beide Sportler trugen LVS-Geräte, ein Opfer auch einen Lawinenairbag, der jedoch nicht ausgelöst war. Die Lawine hatte sich in ungefähr 35 Grad steilem Gelände in einer Rinne bzw. in einem kleinen Tal im vorderen Bereich des sogenannten Egesengrats gelöst. „Diese Freerideabfahrt war bekannt, wegen des Schneemangels bisher ist sie aber heuer vorher wohl noch nie befahren worden“, vermutet Einsatzleiter Chwojan.
Laut Polizei kannten die Männer das Gebiet, sie hatten vor dem Lawinenabgang einige Hänge gequert, um zu der Rinne zu gelangen.
Alt- und Triebschneeproblematik
Im Bereich des Stubaier Gletschers herrschte am Sonntag Lawinenwarnstufe 3 – erhebliche Gefahr. Matthias Walcher vom Lawinenwarndienst vermutet, dass das Duo Opfer der Alt- und Triebschneeproblematik geworden sei.
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