Experte rechnet ab

„Europa hat auf Daddy gesetzt, und das ist falsch“

Außenpolitik
09.02.2026 13:40
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der deutsche Sicherheitsexperte Nico Lange unterzieht die neue US-Deadline an die Ukraine sowie die enormen Geldsummen, mit denen Kreml-Chef Wladimir Putin US-Präsident Donald Trump locken soll, einer Analyse. Lange kritisiert auch die Rolle Europas, das viel zu passiv agiere und sich auf die USA verlasse. Man habe „auf Daddy gesetzt, und das ist falsch“.

Um von innenpolitischen Problemen abzulenken, geht Trump außenpolitisch in die Offensive, unter anderem gegenüber der Ukraine. Die US-Delegation hat der Ukraine ein neues Ultimatum zur Beendigung des Krieges gestellt, wie der Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitag verkündete. Die USA drängen demnach auf ein Kriegsende bis Juni.

Zweifel an Juni-Deadline
Ob das realistisch ist, schätzt Sicherheitsexperte Lange im Gespräch mit der „Welt“ mit Skepsis ein: „Wir hatten bereits eine Thanksgiving-Deadline, wir hatten eine Weihnachts-Deadline, wir kriegen vielleicht eine Oster-Deadline und jetzt wird von Juni gesprochen.“ Die USA hätten es selbst in der Hand, das Blutvergießen zu verkürzen, indem sie den Druck auf Putin erhöhen. Die jüngste Deadline lasse vielmehr befürchten, dass die USA den Druck auf die Ukraine erhöhen, „sich endlich zu ergeben, damit man da Geschäfte machen kann“.

Laut Selenskyj hat der ukrainische Geheimdienst zuletzt ein geplantes, zwölf Billionen US-Dollar schweres, bilaterales Abkommen zwischen Russland und den USA aufgedeckt. Selenskyj nannte den angeblichen Deal zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit nach dem russischen Unterhändler Kirill Dmitrijew „Dmitrijew-Paket“. Die Ukrainer befürchten, dass Moskau damit den US-Präsidenten zuungunsten der Ukraine beeinflussen könnte.

Donald Trump lasse sich dem Sicherheitsexperten Nico Lange zufolge von Russland in Aussicht ...
Donald Trump lasse sich dem Sicherheitsexperten Nico Lange zufolge von Russland in Aussicht gestellten „Fantastilliarden“ beeindrucken. Europa hingegen sei zu passiv und verlasse sich auf „Daddy“ USA.(Bild: AFP/DOMINICK REUTER)

Zwölf Billionen Dollar sind nur „Fantastilliarden“
Lange stellt die kolportierten gigantischen Geldsummen allerdings in Frage. „Ich war schon in Kramatorsk und Slawiansk, dort gibt es keine Milliarden zu verdienen“, so Lange, der im „Dmitrijew-Paket“ nichts anderes sieht als einen Versuch der Bestechung. Das sei das, was Putin und sein System am besten beherrschen. Die genannten zwölf Billionen seinen „völliger Unfug“, Russland will mit diesen „Fantastilliarden“ Trump beeindrucken.

Russland habe das Geld gar nicht, zwölf Billionen Dollar würden vier- bis fünfmal dem russischen Bruttoinlandsprodukt entsprechen. Was die Europäer darüber denken, sei im Prinzip egal, „denn diese werden unter den Bus geworfen“, so Lange. 

„Wir haben auf Daddy gesetzt und das ist falsch“
Die Europäer hätten sich für die falsche Strategie entschieden. „Wir haben auf Daddy gesetzt und das ist falsch“. Trump lasse sich tatsächlich von den Russen beeindrucken und geht deren Erzählungen „immer wieder auf den Leim“. Europa hingegen mache sich klein, hoffe, dass sich das Problem von alleine löse. Die Instrumente, die zur Verfügung stehen, würden nicht genutzt. Das werde deutlich, wenn es vier (Kriegs-)Jahre dauert, um die Geldflüsse der russischen Schattenflotte zu stoppen.

Wenn sich Europa nicht auf die eigenen Beine stellt, müsse man sich nicht wundern, wenn Russland und die USA Deals eingehen, für die auch schließlich auch die Europäer zahlen müssten ...

Weitere Gespräche in Miami angekündigt
Am Donnerstag war eine zweite Runde Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi zu Ende gegangen. Alle Seiten sprachen von Fortschritten, aber teils auch von schwierigen Gesprächen, einen Durchbruch für ein Ende der Kämpfe in der Ukraine gab es nicht. Für diese Woche kündigte Kiew eine neue Gesprächsrunde in Miami im US-Staat Florida an. Das Blutvergießen an den Kriegsschauplätzen geht unterdessen unvermindert weiter.

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