„Krone“-Kommentar

Lieber Kollege: Warum willst du anonym bleiben?

Kolumnen
14.05.2026 19:30
Porträt von Susanne Wiesinger
Von Susanne Wiesinger

Ein Lehrer hat der „Krone“ also von den Zuständen an Wiener Mittelschulen berichtet. Erzählte aus einem Arbeitsalltag, in dem negative Ereignisse mittlerweile die positiven übertreffen. Nachdem ich den Artikel und die Kommentare dazu gelesen hatte, war ich einigermaßen erschüttert. Jedoch nicht über den Inhalt, der war mir größtenteils bekannt.

Erschüttert war ich, wie sehr der Lehrer auf seine Anonymität bedacht war. Mein erster Gedanke war: „Lieber Kollege, nenne doch bitte deinen Namen und zeige dein Gesicht. Im Grunde wissen ohnehin alle Verantwortlichen über diese Zustände Bescheid. Es ist glaubwürdiger, wenn du offen auftrittst.“

Seit Jahren hoffe ich, dass sich Lehrer nicht mehr anonym über Missstände an Schulen äußern. Ich habe mich bewusst gegen den Weg der Anonymität entschieden. Ein Spaziergang war dies nie, und ist es bis heute nicht. Sowohl beruflich wie auch privat bläst einem starker Wind – mitunter auch Sturm – entgegen. Wer offen über Probleme bei der Integration spricht, wird rasch ins rechte Eck gestellt. Differenziert wird hier erst gar nicht. Bist du einmal in der Ecke, bedeutet dies im Wiener Bildungsbereich, zum kompletten Außenseiter zu werden. Wer will so schon arbeiten?

Insofern verstehe ich meinen Kollegen also. Dennoch möchte ich ihm hier nochmals mitgeben: „Versuche es nächstes Mal nicht mehr anonym. Verantwortliche hören dann genauer hin. Falls nicht, kannst du immer noch stolz in den Spiegel schauen.“

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