Nach dem Willen von US-Präsident Donald Trump soll Kevin Warsh Chef der Notenbank Fed werden. Die Besetzung ist ein weiteres Beispiel für die „Freunderlwirtschaft“ des Staatschefs: Warsh (55) ist der Schwiegersohn des langjährigen Trump-Freundes Ronald Lauder.
„Ich kenne Kevin schon seit langer Zeit und habe keinen Zweifel daran, dass er als einer der großen Fed-Vorsitzenden in der Geschichte eingehen wird, vielleicht sogar als der beste“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. „Darüber hinaus ist er wie geschaffen für diesen Job und wird Sie nie enttäuschen.“ Trump ist bekannt dafür, Positionen mit Familienangehörigen sowie Freundinnen und Freunden zu besetzen. So ist sein Schwiegersohn Jared Kushner unter anderem Sondergesandter für den Nahen Osten und Trumps Politikberater.
Der Ökonom Warsh, der zuletzt an der Eliteuniversität Stanford tätig war, hat sich hinter die Forderungen des Präsidenten gestellt. Der Republikaner hatte den aktuellen Fed-Chef Jerome Powell zuletzt immer wieder vergeblich zu kräftigen Zinssenkungen gedrängt. Warsh hat Zinssenkungen als berechtigt bezeichnet. Zudem kritisierte er die Fed dafür, das inflationsbedingte Potenzial des beschleunigten Produktivitätswachstums zu unterschätzen. Die Unabhängigkeit der Zentralbank von politischem Druck gilt traditionell als entscheidend, um gegen die Inflation im Land vorzugehen.
Ich kenne Kevin schon seit langer Zeit und habe keinen Zweifel daran, dass er als einer der großen Fed-Vorsitzenden in der Geschichte eingehen wird.
US-Präsident Donald Trump über den künftigen Fed-Chef Warsh
Kann nicht im Alleingang entscheiden
Warsh kann laut Fachleuten aber ohnehin nicht alleine über das Leitzinsniveau entscheiden. „Im FOMC (Federal Open Market Commitee, Anm.) sitzen weiterhin auch Geldpolitikerinnen und Geldpolitiker, die die Fed Funds Target Rate aktuell lieber gar nicht senken wollen würden“, sagte Analyst Tobias Basse. Die Fed hatte am Mittwoch nach drei Zinssenkungen im Jahr 2025 eine Zinspause eingelegt und den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Trump fordert jedoch einen um zwei bis drei Prozentpunkte niedrigeren Zinssatz.
„Halten Sie sich aus der Politik heraus, lassen Sie sich nicht hineinziehen. Tun Sie es nicht“, riet Powell seinem Nachfolger Warsh. Trump hätte den Schwiegersohn seines Freundes bereits 2018 beinahe zum Fed-Chef ernannt. Dass er sich doch für Powell entschieden hatte, bedauerte er später öffentlich. Warsh war mit 35 Jahren 2006 das jüngste Vorstandsmitglied in der Geschichte der Notenbank. Überhaupt hat der 55-Jährige eine steile Karriere hinter sich: Der studierte Politikwissenschaftler und Jurist, der sich die Schwerpunkte Wirtschaft und Statistik setzte, arbeitete bei der Großbank Morgan Stanley im Investmentbanking, und hat auch einen Zwischenstopp in der Politik hinter sich: Warsh unterstützte den damaligen US-Präsidenten George W. Bush in der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Anschließend war er im Feld-Führungsgremium tätig.
Anhänger restriktiver Geldpolitik
Er tendiert eigentlich eher zu einer restriktiveren Geldpolitik, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Laut US-Medien zeigte sich der künftige Notenbank-Chef aber zuletzt offen für niedrigere Leitzinsen, was ganz im Sinne Trumps wäre, der damit die Wirtschaft ankurbeln und die hohe Staatsverschuldung finanzieren will.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.