Konflikt eskaliert

Ostukraine: “Es handelt sich hier um einen Krieg”

Ausland
04.05.2014 08:46
Ukrainische Truppen sind am Samstag massiv gegen Separatisten im Osten des Landes vorgegangen. Die Regierung in Kiew meldete die Rückeroberung der Stadt Kramatorsk, man rückte auch in die Separatistenhochburg Slawjansk vor. Nachdem von offizieller Seite stets von einem "Antiterroreinsatz" gesprochen wurde, fand nun der Leiter des Antiterrorzentrums, Wasil Krutow, erstmals deutlichere Worte: "Es handelt sich hier um einen Krieg."

Was schon lange kaum von der Hand zu weisen war, wurde nun ausgesprochen. Die Ukraine schlittert immer mehr in einen Bürgerkrieg, bei dem die Regierung bei ihrem sogenannten Antiterroreinsatz mit Kampfhubschraubern und Panzern gegen die nicht weniger schwer bewaffneten prorussischen Separatisten kämpft.

Ausgerechnet der Leiter des ukrainischen Antiterrorzentrums, Krutow, fand dafür erstmals deutliche Worte: "Was wir in der Region Donezk und in den östlichen Regionen sehen, ist kein kurzlebiger Aufstand. Es handelt sich um einen Krieg."

"Gehen weiter gegen Extremisten vor"
Am Samstag meldete die Regierung in Kiew die Rückeroberung von Kramatorsk, auch in Slawjansk – jener Hochburg der Separatisten, in der die OSZE-Beobachter freigelassen worden waren (Bericht siehe Infobox) – sei man eingerückt. Es wurden vereinzelte Schüsse gemeldet, über Verluste gab es aber bislang keine genauen Angaben. 

"Wir werden weiter gegen Extremisten und Terroristen vorgehen, die Gesetze ignorieren und das Leben der Bürger gefährden", sagte Innenminister Arsen Awakow in Kiew. In Konstantinowka, etwa 30 Kilometer südlich von Kramatorsk, wurden mehrere Angehörige der Sicherheitskräfte beim Kampf um einen wichtigen Fernsehturm verletzt. "Die Terroristen verwenden schwere Waffen. Aber wir halten die Stellung", so der Minister. 

In der Großstadt Lugansk im Osten des Landes starb bei Schusswechseln mindestens ein prorussischer Aktivist, zwei weitere wurden verletzt. In Mariupol begannen die Regierungseinheiten mit dem Sturm auf ein besetztes Verwaltungsgebäude. "Sie haben uns fünf Minuten gegeben, um das Haus zu verlassen, und danach das Feuer eröffnet", sagte Separatistensprecher Michail Krutko.

CIA und FBI sollen Regierung beraten
Unterdessen soll die ukrainische Übergangsregierung einem Bericht zufolge von Dutzenden Spezialisten des US-Geheimdienstes CIA und der US-Bundespolizei FBI beraten werden. Die Beamten sollten im Auftrag der US-Regierung dabei helfen, die Rebellion im Osten des Landes zu beenden und eine funktionsfähige Sicherheitsstruktur aufzubauen, meldete die Zeitung "Bild am Sonntag" unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise.

Die Agenten seien aber nicht direkt an den Kämpfen mit den prorussischen Milizen in der Ostukraine beteiligt, hieß. Ihre Tätigkeit beschränke sich auf die Hauptstadt Kiew. Die FBI-Agenten sollten der Übergangsregierung zudem dabei helfen, die organisierte Kriminalität im Land zu bekämpfen.

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