Patientin verärgert

„Wo bleibt der Datenschutz auf Transportschein?“

Burgenland
02.02.2026 09:00

„Was ist los mit unserem Gesundheitssystem, wo bleibt die Moral?“ Datenschutz spielt heutzutage eine immer größere Rolle. EU-weit werden die Regeln der Grundverordnung laufend verschärft. Umso entsetzter reagieren Patienten auf Informationsschreiben, die im normalen Alltag für andere einsehbar sind und mehr über persönliche Krankheiten verraten, als den Betroffenen lieb ist.

Der Transportschein, die Verordnung einer Krankenbeförderung, ist so ein Beispiel. „Ich habe mir gedacht, ich sehe nicht richtig“, schildert eine Frau aus dem Bezirk Mattersburg. Sie hat schon viele Enttäuschungen erlebt, wie locker mit ihren Gesundheitsdaten umgegangen worden ist. Als die 59-Jährige in die Neurochirurgische Abteilung der Uniklinik Wiener Neustadt (NÖ) überwiesen wurde, musste sie einem Taxilenker das offizielle Schreiben zeigen, um per Sondertarif den Service nutzen zu dürfen.

Patientin verwundert
„Auf dem DIN-A4-Papier stand in Kurzform meine Diagnose Punkt für Punkt mit allen Details. Was geht das einen Chauffeur an, warum ich im Spital in Eisenstadt eine OP hatte und wegen Komplikationen in ein anderes Krankenhaus überstellt werden muss?“, fragt sich die Patientin mit großer Verwunderung. „Leider muss alles angeführt werden“, habe ihr die Ordinationsassistentin des zuständigen Arztes nach einer Beschwerde mitgeteilt.

Nur ein Auszug aus den vielen Befunden, die nachzulesen bzw. nachzuprüfen waren: erhöhte Amylase-Werte, die auf eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse hindeuten oder bei Gallensteinen, Nierenschwäche, Alkoholkonsum, bestimmten Tumoren und Darmerkrankungen auftreten können.

Neuer Code auf Transportschein
Erlebnisse dieser Art hatten die Patientin im vergangenen Jahr beunruhigt. Mittlerweile ist die Freizügigkeit im Umgang mit höchst persönlichen Daten eingeschränkt worden, das Unbehagen und Kopfweh aufgrund der Fassungslosigkeit bleibt dennoch. Statt etwa einer CT-gezielten Infiltration als bildgesteuerte Schmerztherapie steht nun auf dem Transportschein nur noch ein Buchstaben-Ziffern-Code.

Der Transportschein der gehunfähigen Patientin.
Der Transportschein der gehunfähigen Patientin.(Bild: screenshot, Krone KREATIV)

„Banale Sätze“
„Doch daneben werden banale Sätze wie ,Auge funktioniert nicht richtig’ einfach so angefügt, offenbar angepasst an die Umgangssprache von heute. Wird bei einem Krebspatienten ,Hat etwas Böses im Körper’ angemerkt?“ Nicht nur der undisziplinierte Umgang mit vertraulichen Daten sollte laut der Patientin der Gesellschaft zu denken geben, sondern auch die kümmerliche Ausdrucksweise. Die simple Reaktion auf ihre Sorgen bei der Anmeldung zur Untersuchung: „Egal, was draufsteht, das ist ja nur ein Transportschein, den sieht ja keiner.“

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