Bläsersound für alle

Federspiel: „Trauen unserem Publikum einiges zu“

Musik
24.01.2026 06:00

Kaum sind die 20-Jahre-Feierlichkeiten der heimischen Bläsercombo Federspiel beendet, kommt mit „Wir & Jetzt“ das nächste Studioalbum, das sie durchs ganze Land führt. Philip Haas und Frédéric Alvarado-Dupuy sprachen mit der „Krone“ über Gemeinschaft, blindes musikalisches Verständnis und den Drang, sich auf das Gute zu besinnen.

kmm

Unter der Schirmherrschaft des großen und leider schon verstorbenen Musikwissenschafters Rudi Pietsch fanden sich 2004 sieben blutjunge Musikstudenten in Krems an der Donau zusammen, um als Bläserensemble eine besondere Mischung aus Volksmusik mit Popelementen zu kreieren. Einerseits durch eigene Songs, andererseits aber auch durch Arrangements von Walzern, Polka oder der Csárdás. Angeführt von Trompeter Simon Zöchbauer und mit einem in all der Zeit nur dreimal veränderten personellen Grundkorsett haben sich Federspiel mittlerweile zu einer der beliebtesten und wandelbarsten Bläsergruppen des Landes entwickelt, die einen Amadeus-Award, sechs Studioalben und landesweit vollgefüllte Konzertsäle zu Buche stehen haben. Aus der fröhlichen Spaßcombo ist längst eine wirtschaftlich erfolgreiche Band geworden, die trotz all der Verpflichtungen und Ernsthaftigkeit aber nie den genannten Spaß an der Sache verloren hat.

Bewusste Professionalität
„Irgendwann nach einer Probe fragte uns Simon, ob wir so weiterwurschteln oder doch ein wenig mehr Fokus auf die Band legen wollen“, erinnert sich Trompeter Philip Haas im Gespräch mit der „Krone“, „wir haben uns für Zweiteres entschieden und das hat immens viel verändert. Es wurden intern Aufgaben und Kompetenzen verteilt, Strukturen vereinbart. Mit jedem Jahr kam gefühlt mehr Professionalität in die ganze Geschichte und es ist bis heute ein Prozess, der nicht abgeschlossen ist.“ Freilich haben sich über die Jahre auch die Lebenssituationen der einzelnen Musiker verändert, die nicht nur schon knapp 22 Jahre zusammenspielen, sondern auch zusammen erwachsen und groß geworden sind. „Bei uns haben Leute Kinder bekommen oder Häuser gebaut. Da muss man monatlich schon ein bisschen was einnehmen, sonst ginge die Rechnung nicht mehr auf. Wir fühlen uns aber zumeist fair behandelt und hervorragend in der Szene. Es geht sich für alle alles aus.“

Federspiel sind eine Konstellation für alle Generationen und Geschmäcker. Man kam genauso in der Brauchtumssendung „Klingendes Österreich“, wie auch in der bissigen Comedy „Wir sind Kaiser vor“. Man adaptiert die Bläsermusik mal volkstümlicher, mal poppiger und hat sogar ein eigenes Kinderprogramm im Talon, das gerne und oft nachgefragt wird und viele offene Rechnungen des Septetts bezahlt. „Die musikalischen Wurzeln waren und sind noch immer in der alpenländischen Volksmusik zu finden“, bekräftigt Haas, „aber von dort aus haben wir uns ständig weiterentwickelt, das Repertoire permanent erweitert.“ Die 20-Jahr-Feierlichkeiten, die sich noch bis ins Jahr 2025 hineinzogen, haben den Federspiel-Musikern nichts von ihrer Energie genommen – ganz im Gegenteil. Im letzten Jahr entstand das taufrische Album „Wir & Jetzt“, das, wie schon der Titel klarmacht, eher eine freudige Hommage an das Leben ist und sich bewusst gegen die Negativität des aktuellen Weltgeschehens stellt.

Oasen gegen die Realität
Es geht um das „Wir“ zwischen den Bandmitgliedern, in Freundes- und Familienkreisen und der Menschheit an sich. Es geht aber auch um die jahrzehntelange Freundschaft untereinander, das blinde Zusammenspiel und die Lust, ständig zu experimentieren und zu reifen. „Viele Menschen haben berechtigte Sorgen um die Zukunft und da ist es die Aufgabe der Kunst, ein Ventil zu schaffen, um Gemeinschaften und Verbindungen wiederherzustellen.“ Den Albumtitel „Wir & Jetzt“ versteht das Musikantengespann auch als bewussten Gegenpol zu Ego-Trips und dem Scheuklappendenken der Gegenwart. „Vielleicht können wir eine kleine Oase schaffen, in der man der Realität entfliehen kann.“ Der im Federspiel-Kosmos ohnehin nicht übertrieben aufgeführte Gesang wird auf dem neuen Werk noch weiter zurückgedreht als ohnehin schon. „Bei unseren Konzerten gibt es aber zu allen Songs Geschichten und sie werden anmoderiert.“ Klarinettist Frédéric Alvarado-Dupuy ergänzt: „Instrumentalmusik lässt der Fantasie mehr Platz zur Entfaltung, man muss aber auch mit der Musik auf den Punkt kommen. Das Spiel mit dem Humor ist ungemein wichtig.“

Philip Haas und Frédéric Alvarado-Dupuy von Federspiel im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert ...
Philip Haas und Frédéric Alvarado-Dupuy von Federspiel im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein.(Bild: Mario Urbantschitsch)

Die volle Magie entfachen Federspiel natürlich live – da passt es gut, dass man das neue Album in ganz Österreich betourt, was vor allem Alvarado-Dupuy freut. „Ich bin ein ziemlicher Geografie-Nerd und insofern freut es mich unheimlich, dass wir heuer wirklich in jedem einzelnen Bundesland aufspielen werden.“ Das Zusammenspiel mit dem Publikum sieht Haas als wichtigsten Baustein des Band-Erfolgs. „Wir trauen unserem Publikum einiges zu und bekommen immer wieder wunderschönes Feedback. Manche Leute sagen uns, sie würden mit unseren Liedern durch schönste, aber auch schwierigste Phasen gehen. Das ist ein unheimlich wertvolles Kompliment.“ So sehr Federspiel das schöne Leben und die leichte Muße propagieren – freilich steckt auch hinter ihnen ein politisches Gewissen. „Wir wollen kritisch und intelligent sein“, so Alvarado-Dupuy, „ein bisschen Behutsamkeit bewerben und zu sagen, dass man mehr aufeinander schauen soll. Ich glaube, mit dieser Einstellung werden wir das Ding schon schaukeln. Auch wenn es bisher nicht danach aussieht.

Vollkommene Selbstständigkeit
Eine Band für alle zu sein, heißt auch, vom örtlichen Kulturverein und Mehrzweckhallen bis hin zum Wiener Konzerthaus oder die Hamburger Elbphilharmonie auf die Bühne zu steigen. „Es gibt unheimlich liebevolle und aktive Kulturinitiativen, die wir schon kennenlernen durften und die so viel Herzblut in ihre Arbeit stecken. Da tritt man dann gleich noch viel lieber auf.“ Ein großes Plus von Federspiel ist die absolute Freiheit, die sie nicht nur genießen, sondern auch ausnützen und damit musikalisch umsetzen. „Wir können uns alle Programme von der Pike auf selbst überlegen, müssen uns keinen Auftraggebern oder Dirigenten unterstellen. Die Kehrseite der Medaille ist natürlich, dass es erheblich mehr Arbeit ist und uns diese von niemandem abgenommen wird.“ Auf „Wir & Jetzt“ werden kryptische Songtitel wie „Re Bo No“ oder „Perpendikel 333“ ebenso verwendet, wie klare Botschaften der Marke „Joy Dance“ oder „Wir haben gefeiert, gelacht, getanzt und geweint“. Es geht um den Faktor Zeit, um die Umwelt, aber auch um das Loslassen und bewusste Feiern in einer Zeit, die vor lauter Krisen zunehmend abstumpft.

In welche Schublade Federspiel nun einzuordnen sind, erklärt uns Haas am besten selbst: „Wir wollen unsere Wurzeln nicht vergessen, also haben wir definitiv immer einen Jodler mit im Gepäck.“ Die Kraft der Gemeinschaft soll man live so richtig spüren. „Wir haben innerhalb der Band immer kleine Identitätsdebatten, die aber fruchtbar sind und uns stets weiterbringen. Wie verbringen wir einen zwei- bis zweieinhalbstündigen Abend in einem Konzertsaal – gemeinsam mit unserem Publikum? Wenn man sich die Welt ansieht, muss man sich mehrmals auf den Kopf greifen, das bleibt gar nicht aus, aber es uns ein großes Anliegen, mit unserem Programm etwas zu erschaffen, was Freude bringt. Wir sieben spielen ohne Noten und haben einen unheimlich engen musikalischen Kontakt zueinander. Unsere Stärke ist mitunter, dass wir der Welt für eine kurze Zeit ein schöneres Gesicht geben können – und dazu sind alle sehr herzlich eingeladen.“

Einmal live durch ganz Österreich
Das neue Album „Wir & Jetzt“ stellen Federspiel in ganz Österreich live vor. Am 5. Februar im Mozarteum Salzburg, am 7. Februar im Haus der Musik in Innsbruck, am 8. Februar im Montforthaus in Feldkirch, am 19. Februar im Grazer Stefaniensaal, am 20. Februar im Alban Berg Konzertsaal in Ossiach, am 21. Februar in der Johann-Pölz-Halle in Amstetten, am 22. Februar im Kultur Kongress Zentrum Eisenstadt, am 22. Februar im Brucknerhaus Linz, am 14. Mai im Kulturzentrum Schleinbach und am 28. Mai dann auch noch einmal im Wiener Konzerthaus. Unter www.oeticket.com finden Sie alle Termine und die Tickets für die einzelnen Konzerte.

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