Schockierende Bilanz

Abgerissene Finger, hunderte Brände und ein Toter

Österreich
01.01.2026 19:01

Von verlorenen Händen über abgetrennte Finger bis zu Verbrennungen: Silvester endete für viele tragisch. Polizei, Rettung und Feuerwehr ziehen am Neujahrstag eine schockierende Bilanz. Die Zahl der Einsätze wurde zum Vorjahr größer. Einzig in Vorarlberg spricht man von einer vergleichsweise ruhigen Nacht ...

Während die meisten am Silvesterabend das Ende von 2025 gesellig und in gebührendem Maße einläuteten, begann für Polizei, Rettungs- und Krankenhauspersonal erst die Arbeit. Die Silvesternacht ist für die Einsatzkräfte jedes Jahr eine besondere Herausforderung – die Zahlen sprechen eine klare Sprache. In ganz Österreich ereigneten sich Vorfälle, die bei den Opfern körperliche Spuren hinterlassen – teilweise ihr Leben lang.

Schockierter Teenager lief Rettung in die Arme
Gezeichnet fürs Leben ist ein 13-Jähriger in Wien-Hietzing, für den der beginnende Partyabend mit Freunden jäh endete, als er laut Polizeibericht einen Böller am Boden fand und diesen aus Spaß anzündete. Der Knallkörper detonierte noch in seiner Hand und riss dem Bursch zwei Fingerkuppen weg – die Freunde verständigten sofort die Rettung. Am Unfallort angekommen, lief der Teenager den Einsatzkräften bereits entgegen – mehr als seine Schmerzen zu lindern und ihn ins Spital zu bringen, war leider nicht möglich.

Auch ein 14-Jähriger dürfte wohl noch mehrere Tage im Spital liegen. Für ihn beginnt das neue Jahr tragischerweise ohne Hand. Wenige Minuten vor Mitternacht explodierte ein Böller, als er damit hantierte, so die Wiener Polizei. Mittels eines sogenannten „Tourniquet“ wurde die stark blutende Wunde unter Kontrolle gebracht. Die Hand konnte jedoch nicht gerettet werden.

Todesfall im Salzburger Pinzgau
Auch in Erl in Tirol verlor ein 14-jähriger Ungar durch die Explosion einer Rakete den kleinen Finger an der rechten Hand. Ein 38-Jähriger zog sich in Längenfeld schwere Verletzungen zu, als eine Rakete nicht nach oben, sondern zur Seite ihm geradewegs ins Gesicht flog. Auch ein Todesfall ist am Silvestertag zu beklagen: Ein 49-jähriger Tscheche dürfte laut Polizei im Salzburger Pinzgau auf einem schneebedeckten Pfad ausgerutscht und in felsdurchsetzten Gelände gestürzt sein.

Balkon- und Kellerbrände, brennende Müllbehälter, Zimmerbrände und ausgelöste automatische Brandmelder: Auch die Florianis waren die Nacht über beschäftigt und hatten alle Hände voll zu tun. Die Wiener Berufsfeuerwehr berichtet von der höchsten Zahl von 389 Einsätzen, die meisten zwischen 22 und 2 Uhr – danach war die Alarmlage deutlich entspannter.

Verirrte Raketen als mögliche Ursache
Für Aufsehen gesorgt hat ein Großbrand zu Mitternacht in Traun in Oberösterreich. Zahlreiche Bewohner sowie die Nebenhausanlage mussten aus einer ganzen Wohnanlage flüchten, zehn Wehren rückten an, da das Dach komplett in Flammen stand. Die Brandursachen sind zwar noch nicht offiziell geklärt, ersten Erhebungen zufolge dürfte es sich aber um verirrte Raketen handeln. Die Rettungskräfte meldeten glücklicherweise nur vier Leichtverletzte, 35 Personen wurden beim Roten Kreuz vor Ort aufgrund der Kälte versorgt. 

Noch sind die Brandursachen nicht offiziell geklärt. Aber alles deutet auf verirrte ...
Noch sind die Brandursachen nicht offiziell geklärt. Aber alles deutet auf verirrte Feuerwerksraketen bzw. Pyrotechnik hin.(Bild: Matthias Lauber/laumat.at)

Anhaltende Trockenheit setzte Tirol zu
In Tirol machte den Florianis die anhaltende Trockenheit zu schaffen, weshalb die Behörden bereits am Montag ein Verbot für Feuer und dergleichen verhängten. Im Tourismusort Reith musste sogar Trinkwasser herangeschafft werden. Trotzdem brach in einem Waldstück in Hochzirl gegen Mitternacht ein Feuer nahe einem Spital aus. Auch noch am Donnerstag mussten Nachlöscharbeiten vorgenommen werden. Ähnlich wie in Oberösterreich ist hier die Ursache der Flammen noch nicht bekannt, der Verdacht richtet sich aber ebenfalls in Richtung Pyrotechnik. Durch den Einsatz sind am Donnerstag zahlreiche Wanderwege aus Sicherheitsgründen gesperrt. 

Dutzende Partygäste retteten sich in Graz nach einem Brand in einer Bar ins Freie.
Dutzende Partygäste retteten sich in Graz nach einem Brand in einer Bar ins Freie.(Bild: ORF Steiermark)

Eine anstrengende Nacht hatten mit insgesamt 768 Einsätzen auch die steirischen Einsatzkräfte hinter sich. Die Feuerwehr löschte dutzende Brände, wie etwa in Schladming und St. Georgen am Kreischberg. Als Brandursache nannten die Ermittler auch hier Pyrotechnik. Erinnerungen an die Brandkatastrophe im Lokal „Stern“ wurden in Graz in der vergangenen Nacht wach. Vor genau zwei Jahren war dort eine junge Niederösterreicherin bei einem Feuer ums Leben gekommen, Dutzende Menschen wurden damals schwer verletzt. Heuer entzündeten Sprühkerzen Dekorationsmaterial in einer Bar, 13 Gäste wurden dabei verletzt.

Überwiegend wegen Böller & Co. ausgelöste Brände galt es für oberösterreichische Feuerwehren zu löschen – 49 Stück an der Zahl. Nach dem Brand in Garsten, der für einen 85-Jährigen tödlich endete, gab es ab 17 Uhr immer wieder Feueralarm durch Böller und verirrte Raketen, die Gebäude, Hecken oder Zäune in Brand schossen.

Im steirischen Lassing musste eine Holzhütte gelöscht werden.
Im steirischen Lassing musste eine Holzhütte gelöscht werden.(Bild: FF Liezen)

Explosion riss Eingangstür aus Angeln
Die Nacht verging auch nicht ohne Unruhestifter. Eine Explosion war im niederösterreichischen Hollabrunn derart heftig, dass es die mächtige Eingangstür eines Mehrparteienhauses aus den Angeln fetzte. Mehrere Kellerfenster zersplitterten ebenfalls, auch das massive Garagentor ist beschädigt. Durch die Wucht der Detonation entstand erheblicher Sachschaden. Im Innviertel (OÖ) kam die Polizei einem Vandalen auf die Schliche, dieser entzog sich aber der Befragung, indem er aus dem Fenster sprang. Die Begründung: Er habe sich nicht unter Kontrolle, wenn er trinkt. Er wurde schwer verletzt.

Lediglich die Vorarlberger Polizei zieht nach einer vergleichsweise ruhigen Silvesternacht Bilanz: Die Landesleitzentrale registrierte insgesamt 368 Einsätze. Damit lag das Einsatzaufkommen in etwa auf dem Niveau der Vorjahre.

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