Die Crashtest-Organisation Euro-NCAP hat in der größten Gruppenprüfung in diesem Jahr insgesamt 23 neue Modelle getestet. Mit teils erstaunlichen Ergebnissen.
Die Auswahl erstreckte sich von elektrischen SUVs und luxuriösen Coupés bis hin zu kompakten Crossovern und großen Familienautos. Dabei erreichten 18 Modelle die Topbewertung von fünf Sternen, fünf weitere mussten sich mit vier Sternen begnügen.
Eine buchstäblich interessante Spitze dabei: Am besten schnitten neben dem Mercedes-Benz CLE Coupé mit dem Leapmotor B10 und dem Hongqi EHS7 zwei mittelgroße Elektro-SUV aus China ab. Alle drei erzielten die Höchstwertung von 93 Prozent.
Unterschiede im „Kleingedruckten“
Dabei sind es inzwischen die Prozentwerte in jeder der vier Bewertungskategorien, die die Besten der Besten bestimmen. Jedes Fahrzeug wird danach bewertet, wie gut es Erwachsene und Kinder bei einem Unfall schützt und wie es andere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer berücksichtigt. Eine weitere Kategorie bewertet die Effektivität der Fahrerassistenzsysteme des Fahrzeugs.
Euro-NCAP führt insgesamt zwei Frontalcrashtests, einen Seitenaufpralltest und einen Pfahltest mit unterschiedlich großen Dummys durch, um die Schutzwirkung der Fahrzeugstruktur und der Rückhaltesysteme zu beurteilen.
Tesla beeindruckt in der Mittelklasse-Runde …
Neben dem Leapmotor B10 und dem Hongqi EHS7 wurden sieben weitere Mittelklasse-SUV getestet, darunter der Kia EV5, Nissan Qashqai, Skoda Elroq und Enyaq, Subaru Solterra, Toyota bZ4X sowie Teslas kürzlich aktualisiertes Model Y. Von diesen beeindruckte das beliebte Tesla-Modell am meisten: 91 Prozent für die Sicherheit Erwachsener und 93 Prozent für den Kinderschutz. Auch bei den Fahrerassistenzsystemen erzielte das Model Y eine hohe Bewertung und somit insgesamt fünf Sterne.
… Volvo bei den Großen
Der Volvo EX90 schnitt im Segment der großen SUVs außergewöhnlich gut ab. Das siebensitzige Elektromodell erreichte 92 Prozent im Insassenschutz für Erwachsene, 93 Prozent im Kinderschutz und 86 Prozent bei den Fahrerassistenzsystemen.
Ebenfalls getestet wurden der Lucid Gravity und der MG MGS9 PHEV. Beide erzielten 83 Prozent beim Insassenschutz für Erwachsene, doch der Gravity glänzte mit 93 Prozent beim Kinderschutz. Alle drei erhielten fünf Sterne. Der BYD Seal 6 überzeugte mit 92 Prozent beim Schutz Erwachsener und hervorragenden Fahrerassistenzsystemen.
Überraschungen bei den Erfolgsverwöhnten
Auch aus dem Volkswagen-Konzern wurden gleich mehrere Modelle getestet, darunter Audi A3, VW ID.3, Cupra Formentor und Cupra Leon sowie sein Pendant Seat Leon. Hier schnitt der Crossover Formentor besonders gut ab, erzielte mit 91 Prozent den höchsten Wert beim Erwachsenenschutz, während der VW ID.3 mit einem Kinderschutzwert von 87 Prozent hervorstach.
Umso bemerkenswerter allerdings, dass sich bei den VW-Nutzfahrzeugen der Multivan und der Caddy unterm Strich nur mit vier Sternen zufriedengeben muss. Vor allem der geringere Insassenschutz und fehlende Sicherheitsassistenten führten hier zur Abwertung. Ähnliche Defizite stellten die Tester auch bei BMW 2er Gran Coupé, Toyota Yaris Cross und Nissan Qashqai fest, die allesamt nicht über vier Sterne hinauskamen.
Der BMW erreichte beim Insassenschutz nur 78% und liegt damit hinter dem Toyota Yaris Cross (79%), aber vor Caddy (72%) und Multivan (77%) und gleichauf mit dem Nissan Qashqai.
Die Erklärungen von VW und BMW für die 4-Sterne-Ergebnisse
VW bezeichnet das Ergebnis von Caddy und Multivan wegen veränderter Bewertungskriterien als „erwartbar“. Zum Zeitpunkt ihres Markteintritts hatten beide noch mit fünf Sternen geglänzt, doch mittlerweile haben sich die Kriterien geändert: „Die Fahrzeuge wurden nach den jüngst verschärften Testanforderungen geprüft, die unter anderem neue Maßstäbe beim Aufprallschutz und bei weiteren Sicherheitsaspekten (Schutz der Passagiere) setzen.“ Um die geänderten Kriterien zu erfüllen, wäre der Aufwand bei einem fertig entwickelten Fahrzeug zu hoch, ergänzte ein Sprecher auf Nachfrage.
Weniger mitteilsam gibt man sich in München. Das entsprechende Statement von BMW sagt im Grunde aus, das 2er Gran Coupé sei sicher und der fehlende Stern nicht so schlimm: „(…) Das BMW 2er Gran Coupé ist in vielen Punkten technisch verwandt mit dem BMW 1er. Da beide Fahrzeuge bis zur B-Säule sogar technisch identisch sind, wurden die Front-Crash-Werte des EuroNCAP-Tests des BMW 1er ohne neuerliche Tests für das BMW 2er Gran Coupé übernommen. Nur wo technische Unterschiede bestehen, wurde das BMW 2er Gran Coupé einem separaten Test unterzogen. (…) Zusammenfassend bietet das aktuelle BMW 2er Gran Coupé – wie auch der aktuelle BMW 1er – ein modernes Gesamt-Sicherheitskonzept mit einem hohen Niveau an passiver und aktiver Sicherheit, obwohl es im EuroNCAP die 5-Sterne Bewertung knapp verfehlt.“
Ein Klischee zum Schluss
Euro-NCAP-Programmleiter Aled Williams zeigt sich dennoch zufrieden: „Es mag wie ein Klischee klingen zu sagen, dass es keine schlechten Autos mehr gibt, denn natürlich gibt es sie noch. Aber sicher ist: Es gibt heute mehr sichere Fahrzeuge als je zuvor.“
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