Do, 13. Dezember 2018

Weiterhin Übergriffe

05.02.2014 16:32

Kindesmissbrauch: Heftige UNO-Kritik am Vatikan

Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes hat den Vatikan wegen seines Umgangs mit pädophilen Priestern ungewöhnlich scharf kritisiert. In einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht rief das Kommitee in Genf den Heiligen Stuhl eindringlich dazu auf, alle wegen Kindesmissbrauchs bekannten und verdächtigten Geistlichen endlich ihrer Ämter zu entheben und der Justiz zu übergeben. Denn der Vatikan verschleiere durch seine Untätigkeit das wahre Ausmaß der sexuellen Übergriffe in der katholischen Kirche.

In dem Bericht heißt es, die katholische Kirche unternehme trotz entsprechender Zusagen nach wie vor nicht genug gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Geistliche und Kirchenmitarbeiter, unter anderem in Schulen.

Der Ausschuss erklärte sich zutiefst besorgt darüber, dass der Heilige Stuhl das "Ausmaß der begangenen Verbrechen nicht anerkannt" und die erforderlichen Maßnahmen nicht ergriffen habe, um die Kinder zu schützen. Stattdessen habe der Vatikan eine Politik und Praktiken verfolgt, die dazu führten, dass es nach wie vor Missbrauchsfälle gebe und die Täter straflos ausgingen.

Forderung nach Öffnung der Vatikan-Archive
Die Mitglieder des UN-Ausschusses, denen die Vatikan-Gesandten bei den Vereinten Nationen Mitte Jänner Bericht erstatteten, forderten den Heiligen Stuhl auf, seine Archive zu öffnen. Damit sollen pädophile Priester und diejenigen, die pädophile Verbrechen verheimlichten, gezwungen werden, sich vor der Justiz zu verantworten.

Zur Bewältigung der Missbrauchsfälle und zum Schutz der Minderjährigen seien laut dem Bericht unzulängliche Maßnahmen ergriffen worden. Der Vatikan habe Initiativen unternommen, dank derer pädophile Priester weiterhin ungestraft geblieben seien, kritisierte der Ausschuss. Der Heilige Stuhl weigere sich nach wie vor, die von der UNO geforderten genauen Angaben zum Umfang des Skandals und zu den Tätern zu machen, wird bemängelt.

Da der Vatikan dem Komitee noch immer nicht einen angeforderten Bericht zu Einzelheiten des Kindesmissbrauchs durch katholische Geistliche in den vergangenen Jahren vorlegte, wird in dem Bericht konstatiert: "Der Ruf der katholischen Kirche ist systematisch über das Wohl von Kindern gestellt worden."

Heiliger Stuhl klagt über Eingriff in seine Lehre
Der Vatikan reagierte scharf auf den kritischen Bericht der UN-Kinderrechtsexperten und klagte über einen "versuchten Eingriff" in seine Lehre. Das betreffe einige Punkte, in denen es um die Lehre der katholischen Kirche zur Würde des Menschen und zur Ausübung der Religionsfreiheit gehe, hieß es am Mittwoch.

Die römisch-katholische Kirche halte an ihrer Verpflichtung fest, "die Rechte des Kindes zu verteidigen und zu schützen". Dies erfolge im Einklang mit der UN-Kinderrechtskonvention. Papst Franziskus hatte die Missbrauchsskandale Mitte Jänner als "Schande für die Kirche" angeprangert.

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