Die IAA Mobility wird im dritten Jahr des 2021 eingeführten München-Formats noch mehr zum Schaufenster für chinesische Hersteller, die mit ehrgeizigen Plänen auf europäische Märkte drängen. Die Zahl der China-Marken wird im Vergleich zur IAA 2023 um etwa 40 Prozent zunehmen.
Das berichten der Verband der Automobilindustrie (VDA) und die Münchner Messe. Insgesamt werden vom 9. bis 14. September wieder mehr als 700 Aussteller auf der IAA erwartet, eine genaue Zahl nannte der VDA wegen erwarteter Nachmeldungen nicht. Darunter sind gut 30 eigentliche Autohersteller, um etwa ein Drittel mehr als vor zwei Jahren. Mehrere chinesische Firmen sind erstmals vertreten.
Da die offiziell „IAA Mobility“ genannte Schau mittlerweile keine ausschließliche Automesse mehr ist, werden auch Deutsche Bahn (DB), die Fahrradbranche und einige nicht mit der Autoindustrie verbundene Aussteller vertreten sein.
Auf die IAA zurückgekehrt sind die koreanischen Hersteller Kia und Hyundai. Ein prominenter Name fehlt: Tesla.
Chinesische Industrie sucht ihr Heil im Export
Dass die in ihrem Heimatmarkt unter Überproduktion, Preiskämpfen und schlechten Geschäftszahlen leidende chinesische Autoindustrie ihre Exportoffensive in Europa verstärken will, ist schon an der öffentlichen Präsenz in der Münchner Innenstadt erkennbar: Neben den deutschen Herstellern haben auch mehrere chinesische Unternehmen große Stände gebucht, allein BYD hat 15 Plätze für Testwagen reserviert.
„Signal der Stärke und Zuversicht“
Die vor allem wegen der Einbußen in China unter Absatzrückgängen leidenden deutschen Hersteller wollen ihrerseits der chinesischen Konkurrenz nicht die Bühne überlassen und werden ebenfalls Innovationen und neue Modelle vorstellen. VDA-Geschäftsführer Jürgen Mindel kündigte „ein Signal der Stärke und der Zuversicht“ an.
Keine Verbrenner-Testfahrten
Insgesamt werden die IAA-Besucher mit 231 verschiedenen Modellen der teilnehmenden Hersteller Testfahrten machen können, wie Mindel sagte. Der Großteil sind Elektroautos, daneben auch einige Fahrzeuge mit Hybridmotor. Reine Verbrenner? Fehlanzeige!
Auch in diesem Jahr sind wieder einige selbst Autokennern bislang unbekannte Marken von der Partie, denen man schon bald im Straßenbild begegnen könnte. Ein Überblick über die neuen Chinesen.
212 Off-Road Vehicle
Die 212 Off Road Vehicle Co. Ltd. – auch bekannt als Off Road Automobile Company – zeigt erstmals in Deutschland ihr Modell T01. Hinter der Marke steht die Shandong Weiqiao Pioneering Group, einer der großen Industrie- und Automobilkonzerne Chinas.
Der robuste Geländewagen setzt bewusst auf klassische Optik und einen Dieselmotor. Mit einer Länge von 4,70 Metern, Allradantrieb und umfangreicher Ausstattung tritt er als Neuinterpretation des legendären BJ212 auf, der seit 1965 in China für Militär und Zivil gebaut wurde. Importeur Indimo Automotive bringt den T01 als BAW 212 für 40.000 Euro nach Deutschland. Damit soll die traditionsreiche Offroad-Linie aus China künftig auch im deutschen Straßenbild Fuß fassen.
Avatr
Die junge Marke, gegründet 2018 mit internationaler Ausrichtung, nutzt die IAA Mobility, um ihren bevorstehenden Markteintritt in Deutschland anzukündigen. Hinter Avatr stehen unter anderem Changan Automobile und Batteriehersteller CATL. In München zeigen die Chinesen mit den Modellen 06, 07, 11 und 12 gleich vier Serienfahrzeuge, die auf Premium-Anspruch in Design, Ausstattung, Leistung und Reichweite setzen. Ergänzt wird der Auftritt durch die Vorstellung eines neuen Vision Cars, das Ausblick auf künftige Entwicklungen geben dürfte.
Changan
Auch Mutterkonzern Changan nutzt die Messe für den offiziellen Deutschlandstart. Das Unternehmen, einer der wenigen zentralstaatlichen Autobauer Chinas, begann 1959 mit der Produktion des Changjiang Type 46 Jeep und zählt heute zu den vier größten Herstellern des Landes. In München stehen die Modelle Deepal S07 sowie das kleinere E-SUV Deepal S05 im Fokus. Letzteres kann nicht nur besichtigt, sondern auf dem Messegelände auch Probe gefahren werden. Termine lassen sich über die Europa-Website von Changan buchen.
Dongfeng/Forthing
Auch der chinesische Staatskonzern Dongfeng nutzt die IAA Mobility für einen Auftritt in Deutschland. Im Fokus steht dabei die Pkw-Marke Forthing, die nun offiziell nach Deutschland kommt. Der Generalimporteur Indimo Automotive GmbH präsentiert in München gleich drei Modelle, die hierzulande angeboten werden sollen: die Vans Forthing 4 und Forthing 9 sowie die Limousine Forthing 7.
Mit 4,85 Metern Länge zielt der 4 auf das klassische Familienvan-Segment, während der 9 mit 5,25 Metern ein stattliches Raumangebot verspricht. Beide setzen auf Plug-in-Hybridantriebe. Der 4,94 Meter lange 7 wird hingegen als sogenannter REEV (Range Extended Electric Vehicle) vorgestellt. Er kombiniert einen Verbrenner als Reichweitenverlängerer mit einem 28-kWh-Akku, der für bis zu 130 Kilometer elektrische Fahrt reicht - technisch also nah am Prinzip eines Plug-in-Hybriden. Preislich startet der 7 REEV bei rund 38.000 Euro.
GAC
Ebenfalls mit internationalem Anspruch tritt die Guangzhou Automobile Group (GAC) auf. Der in Guangzhou ansässige Staatskonzern gehört zu den größten Autobauern des Landes und ist sowohl mit eigenen Marken wie Trumpchi, Aion, Hytec oder Everus präsent als auch über Kooperationen mit Toyota und Honda. Auf der IAA richtet sich der Fokus klar auf die Elektro-Marke Aion. Mit den Modellen Aion 5 und Aion UT will GAC vor allem über ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis punkten und so europäische Kunden für sich gewinnen.
Hongqi
Mit Hongqi präsentiert sich in München die traditionsreichste Automarke Chinas. Die „Rote Fahne“, seit 1958 Teil des staatlichen FAW-Konzerns, galt lange als Hersteller repräsentativer Staatslimousinen für die Parteielite. Heute tritt Hongqi mit einer Mischung aus Luxusmodellen und modernen Elektrofahrzeugen auch international auf. Passend zum Anspruch wählt die Marke den Münchner Königsplatz als Bühne. Welche Fahrzeuge dort gezeigt werden, ist noch offen - opulente Auftritte sind jedoch programmiert.
Omoda/Jaecoo
Einen ganz anderen Ansatz verfolgen die Schwestermarken Omoda und Jaecoo, die zum expansiven Chery-Konzern gehören. Sie reisen mit gleich fünf Neuheiten an. Auf der Messe zu sehen sind die Elektromodelle Omoda 5 und Jaecoo J5 sowie die Plug-in-Hybride Omoda 7, Jaecoo J7 und Omoda 9. Den Marktstart in Deutschland bestreiten zunächst der Omoda 5 und der Jaecoo J7, die über ein neues Netz von rund 40 Handelspartnern vertrieben werden sollen. Offizielle Preise für Deutschland gibt es zwar noch nicht, in Großbritannien startet der Omoda 5 EV jedoch bei umgerechnet rund 38.000 Euro, der Jaecoo J7 PHEV bei etwa 41.000 Euro.
Diese beiden Marken stehen auch kurz vor ihrem Österreich-Start. Dies allerdings bereits seit über einem Jahr. Nun scheint es aber tatsächlich konkret zu werden: Mit Colmobil wirde ein Importeur gefunden, der zum Jahresende zunächst die Modelle Omoda 5 und Jaecoo 5 einführen möchte.
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