Vögels Lexikon

Wenn ein Vorarlberger eine „Fuader“ transportiert

Menschen
23.08.2026 17:26

Der Vorarlberger Dialekt hat bekanntlich seine Eigenarten, insbesondere im Osten Österreichs versteht man nicht immer, was einem der Alemanne sagen will. Der Kabarettist und Autor Stefan Vögel will mit „Vögels Lexikon“ Abhilfe schaffen und Brücken bauen. Heute erklärt er das Hauptwort „Fuader“.  

Das alemannische Hauptwort Fuader stammt vom mittelhochdeutschen vuoder ab und ist gleichbedeutend mit einer Fuhr oder Fuhre. Gemeint ist damit aber stets nur die Größenordnung einer Wagenladung („I bring dr no a Fuader Hö!“), nie jedoch die Fahrt selbst wie etwa bei der hochdeutschen Vokabel.

Der Satz „I muass no a Fuader erlediga/macha“ wäre somit inhaltlich falsch. Das Material, das mit einer solchen Wagenladung transportiert oder geliefert wird, ist im Wort Fuader nicht beinhaltet und kann folglich variieren (a Fuader Holz, a Fuader Mist, a Fuader Kies, a Fuader Dreck) – es geht dabei also einzig und allein um die Füllmenge eines Ladewagens.

Benutzt der Alemanne im sprachlichen Alltag das Umstandswort fuaderwis („fuhrweise“), so meint er damit fast nie mehrere Fuhren nacheinander, sondern stattdessen im übertragenen Sinne: viel, massenhaft, in Unmengen („Der Gauner hot fuaderwis Geld uf d‘Sita gschafft!“).

In früheren Zeiten war das Fuader oder Fuder zudem ein Hohlmaß, das zumeist für Wein, aber auch für Getreide in größeren Mengen verwendet wurde. Ein Fuader umschrieb dabei je nach Region ungefähr tausend Liter bei Flüssigkeiten, während es bei Schüttgut um die 30 bis 60 Scheffel umfasste, was ebenfalls in etwa 1500 Liter Raumvolumen entsprach.

Überlebt hat dieses alte Mengenmaß für Wein in unserer Mundart leider nur im wunderbaren alemannischen Sprichwort „Er hot an Rusch ka wia a Fuader!“.

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