Einsames Leben?
Snowden: Untergetaucht in den Weiten Russlands
Seit Snowden am 1. August mit einem positiven Asylbescheid der russischen Behörden nach fünf Wochen den Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo verlassen hat, ist sein Aufenthaltsort unbekannt. Die Faktenlage ist mehr als dürftig. "Ja, er ist in Russland", bestätigte sein Anwalt Anatoli Kutscherena. Der 30-Jährige sei an einem "sicheren Ort". Aber wo genau der sich befinde, werde aus Sicherheitsgründen nicht verraten.
Snowden geht das Geld aus
Snowden musste sich irgendwo behördlich anmelden, das schreiben die russischen Gesetze jedem Ausländer vor. Wo, das ist unbekannt. Ihm gehe das Geld aus, heißt es. Helfen will der russische Senator Ruslan Gattarow, er bereitet eine Spendensammlung vor.
Immer wieder tauchen Gerüchte auf, Snowden sei irgendwo gesehen worden. Keine Sichtung hat bislang einer Überprüfung standgehalten. Die USA, die Snowden wegen Geheimnisverrats suchen und vor Gericht stellen wollen, erfuhren erst aus lokalen Medien, dass er von Russland für ein Jahr Asyl erhalten hat. Und Washington habe keine Ahnung, wo er jetzt stecke, heißt es in gut unterrichteten Kreisen.
Er gehört nun zu einer kleinen Schar illustrer und berüchtigter Figuren, die in den vergangenen Jahrzehnten in Russland untergetaucht sind - vom Bruder des serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic bis zu zwei britischen Doppelagenten, die der Sowjetunion eine Reihe von Geheimnissen verrieten.
"Nach dem Höllenritt braucht er Ruhe"
Worauf er besonders dringend wartet, ist die Ankunft seines Vaters Lon. Der hat ein Visum beantragt und darf vermutlich in den kommenden Wochen nach Russland reisen. "Edward wartet auf seinen Vater und seine Familie und auf Freunde, um über eine ganze Reihe von Fragen zu entscheiden", sagte sein Anwalt Kutscherena dem Radiosender Voice of Russia. "Er war auf einer schwierigen Reise. Ich würde sagen auf einem Höllenritt. Er braucht jetzt eine Zeit der Eingewöhnung."
Snowden habe begonnen, Russisch zu lernen, sagte Kutscherena. Er habe sich auch Übersetzungen russischer Romane besorgt, wolle russische Speisen kennenlernen und durchs Land reisen. "Aber der Grad an Sicherheit, den er braucht, lässt es nicht zu, dass er über den Roten Platz spaziert oder zum Angeln rausfährt."
Normales Leben scheint eher unwahrscheinlich
Ob Snowden in Russland jemals eine Art normales Leben führen wird, ist fraglich. Nicht ausgeschlossen ist, dass er noch versuchen wird, nach Lateinamerika zu gelangen. Geht es nach der Einschätzung von Russlands Präsident Wladimir Putin, dann hat Snowden keine besonders fröhliche Zeit zu erwarten. Während des Austauschs von Spionen mit den USA vor drei Jahren sagte er: "Verräter" würden "alle als Trinker und Abhängige auf den Straßen landen".
Zwei britische Doppelagenten, die in den 60er Jahren hinter den eisernen Vorhang nach Moskau flüchteten, ereilte ganz unterschiedliche Schicksale. George Blake lebt heute als Georgi Iwanowitsch ein ruhiges Leben in der russischen Hauptstadt, dort bekommt er auch regelmäßig Familienbesuch. Kim Philby starb 1988 als einsamer Mann, gezeichnet von Alkohol und Depression.
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