Kein Bier zu zweit.Wie war denn das, als Sie Ihre Partnerin/Ihren Partner kennengelernt haben? Da reißt man sich für gewöhnlich ja besonders zusammen, präsentiert sich von seiner Butterseite. Man umgarnt den Menschen, um dessen Gunst man buhlt. Das wahre Gesicht offenbart sich meist erst mit einiger Verspätung… Nun sind Verhandlungen zur Bildung einer politischen Regierungskoalition natürlich nicht unbedingt mit Flirt-Maßstäben zu messen. Eine Polit-Partnerschaft ist keine Liebesbeziehung. Aber sich zumindest in der Anfangs- und Kennenlernphase wohlwollend, offen für das Gegenüber zu präsentieren – das ist auch in Geschäfts- und Arbeitsbeziehungen wie auch beim Aufbau von Freundschaften schon üblich. Die Anbahnung der blau-schwarzen Beziehung läuft gänzlich anders. Die beiden Chefverhandler, die einander – nicht ohne Grund – seit Jahren höchst reserviert gegenüberstanden, haben sich innerhalb eines Monats zwar mehrfach, aber, wie man hört, stets nur kurz getroffen. Small Talk? Freundliche Worte? Gar ein Bier zu zweit? Nein! Es geht hart zur Sache. Ohne Umschweife. Auch wenn man sich fragen darf, ob der in Österreich sonst übliche Weg „über Umschweife“ nicht zu rascheren und besseren Ergebnissen führen würde. Von Anfang an das wahre Gesicht zeigen: Vielleicht aber auch ein guter Weg?
Wintermärchen. Szenenwechsel von den auch 19 Wochen nach den Nationalratswahlen noch erfolglosen Regierungsverhandlungen in Wien zu den auch am fünften Tag für Österreich so erfreulichen Ski-Weltmeisterschaften in Saalbach. Für uns von der „Krone“, für das Team der Sportredaktion, aber vor allem auch für eine glückliche Schar an Leserinnen und Lesern hatte der Samstag so früh wie schön begonnen: Mit einem Sportstammtisch samt dem ganz besonderen Gast Annemarie Moser-Pröll. Sie erntete von unseren eingeladenen Leserinnen und Lesern Standing Ovations. Wie „Krone“-Sportchef Peter Moizi heute ganz richtig schreibt: „Österreichs Jahrhundert-Sportlerin, fünffache Weltmeisterin und Olympiasiegerin 1980, zieht mit ihrer Aura alle Fans in Saalbach in den Bann.“ Die Legende „Annamirl“ analysierte das WM-Geschehen mitreißend und prophezeite zwei Stunden vor der Damen-Abfahrt: „Mirjam Puchner holt eine Medaille.“ Und so kam es auch! Die Salzburgerin holte Silber – das Sieger-Trio Breezy Johnson aus den USA als Erste und Ester Ledecka aus Tschechien als Dritte präsentierte sich beinahe so sympathisch wie Moser-Pröll ihr ganzes Leben lang. Heute fiebern wir wieder mit – jetzt werden wir ein bisschen fordernd und wünschen uns auch von den Herren eine Abfahrtsmedaille. So wie die Stimmung in Saalbach ist – unsere Sportredaktion titelt heute „Wintermärchen“ – gar nicht unrealistisch!
Kommen sie gut durch den Sonntag!
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