"Wir könnten Aufträge und bis zu 4.500 Mitarbeiter übernehmen", sagte Porr-Chef Karl-Heinz Strauss im Ö1-"Mittagsjournal". Das müsste jedoch schnell gehen, zumal der Masseverwalter innerhalb der kommenden sieben Tage entscheiden müsse. Bei Verzögerungen würden sich Aufträge und Mitarbeiter verflüchtigen. Der Österreich-Kern der Alpine sei jedenfalls "sehr solide", bei Arbeitsgemeinschaften habe man die Mitarbeiter der Konkurrenz vor allem in Österreich schätzen gelernt. Die Porr sei bereits in Kontakt mit der Alpine-Führung, so Strauss.
Am Auslandsgeschäft der Alpine ist die Porr laut "Wirtschaftsblatt" nicht interessiert, ebenso wenig an der Alpine Energie in Österreich oder anderen Beteiligungen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Sehr wohl ein Auge geworfen hat die Porr hingegen auf Alpine-Sparten in Österreich, die direkt im Baugeschäft tätig sind, wie etwa die Tochtergesellschaften Spezialtiefbau und Hazet.
Betriebsrat befürchtet "Ansteckungsgefahr"
Diese Unternehmen sind vorerst nicht direkt von der Pleite betroffen, "aber es besteht Ansteckungsgefahr", warnte Betriebsratsobmann Hermann Haneder. Die Gesellschaften hätten zur Sanierung schon verkauft werden sollen, unter Zeitdruck sei aber kein zufriedenstellender Preis zu erzielen gewesen.
Eine weitere Sorge betrifft die vielen kleinen Subfirmen und Zulieferer, die durch die Zahlungsunfähigkeit in ihrer Existenz bedroht sind. "Im schlimmsten Fall könnten 500 Firmen mit weiteren Tausenden Arbeitsplätzen in den Konkurs getrieben werden", so Haneder.
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Hundstorfer: "Reparaturmaßnahmen eingeleitet"
Sozialminister Rudolf Hundstorfer (kleines Bild) hat den Alpine-Mitarbeitern unterdessen volle Unterstützung zugesichert. "Was wir an Reparaturmaßnahmen einleiten konnten, ist eingeleitet", betonte er auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Mittwoch, die am Gang seines Ministeriums stattfand (siehe Video).
Mit Stand Mittwoch seien 4.905 der rund 7.500 Mitarbeiter des Salzburger Baukonzerns in Österreich von der Insolvenz betroffen. Hundstorfer geht davon aus, dass die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter knapp unter 5.000 bleibe, auch wenn bei einer Alpine-Tochter noch weitere Jobs wackeln würden. Im In- und Ausland beschäftigt die Alpine rund 15.000 Arbeitnehmer.
Die Ansprüche für die Alpine-Angestellten seien bis Ende Mai beglichen worden, jene für die Arbeiter bis Mitte Juni. Nun gelte es, die Höhe der offenen Forderungen zu eruieren, so der Sozialminister. Er versprach, alle arbeitsmarktpolitischen Instrumente einzusetzen. Die Mitarbeiter seien nach der Insolvenzeröffnung nun 30 Tage lang vor Kündigungen geschützt.
Europäische Expansion als Sargnagel
Zu den Ursachen der Insolvenz meinte Hundstorfer, dass die Alpine vor Jahren sehr breit in den europäischen Raum gegangen sei. Dabei hätten sich gewisse Erwartungen nicht erfüllt. "Alpine Österreich ist in Wahrheit nicht das Thema", die Baustellen seien da und würden laufen, die Finanzierungsprobleme seien lösbar.
AMS-Chef glaubt an "Arbeitsstiftungen"
AMS-Vorstand Johannes Kopf geht davon aus, dass ein Teil der nun betroffenen 4.900 Mitarbeiter arbeitslos wird. Er hält die Einrichtung von sogenannten Arbeitsstiftungen für sehr wahrscheinlich, die neben dem AMS auch von den Bundesländern finanziert werden. In solchen Stiftungen können arbeitslos gewordene Personen im Falle von Qualifizierungsmaßnahmen bis zu vier Jahre lang Arbeitslosengeld beziehen. Die Bundesländer Oberösterreich, Niederösterreich, Steiermark und Wien seien von der Pleite besonders stark betroffen - genaue Zahlen dazu gebe es aber noch nicht, so Kopf.
Auch deutsche Tochter meldet Insolvenz an
Wie indes am Mittwochabend bekannt wurde, ist auch die deutsche Alpine-Tochter insolvent. Der Vorstand habe am Mittwoch beim Amtsgericht Landshut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt, teilte die Alpine Bau Deutschland AG mit.
"Wir haben das klare Ziel, die Alpine zu sanieren", erklärte der Vorstandsvorsitzende Frank Jainz. Die deutsche Tochter war unter anderem für den Bau der Münchner Allianz-Arena verantwortlich und ist am Bahnprojekt Stuttgart 21 beteiligt. Sie hat 1.500 Mitarbeiter und erzielte 2012 einen Umsatz von rund 600 Millionen Euro.
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