"Wir haben verstanden, dass sich unsere Kunden Sorgen machen, und deswegen handeln wir jetzt", sagte Telekom-Marketingchef Michael Hagspihl. Allein im kommenden Jahr werde die Telekom sechs Milliarden Euro ins Festnetz in Deutschland investieren. "Wir müssen dieses Geld aber auch zurückverdienen", sagte der Manager. An der Strategie, die Tarife zu differenzieren, ändere sich daher grundsätzlich nichts, zumal man bisher keine negativen Auswirkungen der Diskussion auf die Kundenzahlen festgestellt habe.
Das Unternehmen hatte am 2. Mai für Neukunden im Festnetz Daten-Obergrenzen eingeführt, bei deren Überschreiten die Geschwindigkeit der Internetverbindung gedrosselt werden kann. Die Tempo-Bremse soll allerdings nicht vor 2016 greifen. Dann will die Telekom für einen Aufpreis aber auch "echte" Flatrates ohne Einschränkungen anbieten. Das könnte zehn bis zwanzig Euro mehr kosten, hieß es.
Nur "minimales Zugeständnis"
Ein bekannter Kritiker der Drosselpläne bezeichnete die Änderung als ein "minimales Zugeständnis". Auch mit zwei Megabit pro Sekunde werde man 2016 kaum mehr als E-Mails lesen können, erklärte Markus Beckedahl von dem Verein Digitale Gesellschaft. Haushalte mit mehreren Internetnutzern wie Familien wären weiter benachteiligt. "Wenn mehr als eine Person im Haushalt Videos schaut, ist das Internet für die anderen nicht mehr benutzbar."
Der "entscheidende Punkt" bleibe unverändert, sagte Beckedahl: Angebote, die Teil der "Managed Services" der Telekom sind, würden nicht in das monatliche Freivolumen eingerechnet. Er sieht dadurch das Gebot der Netzneutralität verletzt, nach dem alle Inhalte im Internet gleichberechtigt behandelt werden sollen. Dieses Prinzip müsse per Gesetz verankert werden, forderte er.
Ein zentraler Kritikpunkt war, dass Konkurrenzdienste etwa von Apple oder Amazon das Datenvolumen belasten würden, die Dienste der Telekom hingegen nicht. Hagspihl bekräftigte, die Telekom sehe keine Diskriminierung anderer Anbieter. Das Telekom-Fernsehangebot Entertain zehrt als "Managed Service" nicht am Freivolumen. Wie der hauseigene Online-Videodienst Videoload behandelt werde, sei noch nicht entschieden.
Nur Vielnutzer sollen mehr bezahlen
Die Deutsche Telekom betonte außerdem abermals, dass alle Eckwerte bis 2016 an die aktuelle Marktentwicklung angepasst werden sollen. Für durchschnittliche Nutzer solle es auf jeden Fall keine negativen Auswirkungen der neuen Tarifstruktur geben, wiederholte Hagspihl. Die Telekom wolle nur, dass Vielnutzer mehr bezahlen.
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