Türkei-Proteste

Premier Erdogan: “Es gibt ein Ende der Geduld”

Ausland
10.06.2013 09:26
Die Anti-Regierungsproteste in der Türkei verlieren trotz mehrfacher Warnungen von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nicht an Zuspruch. Am Sonntag versammelten sich erneut Zehntausende auf dem zentralen Istanbuler Taksim-Platz. In mehreren Reden rief Erdogan die Demonstranten zur Ordnung, in Ankara deutete er ein weiteres Einschreiten der Polizei an: "Wir waren geduldig, wir sind geduldig, aber es gibt ein Ende der Geduld."

Zugleich forderte Erdogan bei seinen Reden seine jubelnden Anhänger dazu auf, den Kritikern an der Wahlurne im kommenden Jahr eine "Lehre zu erteilen", wenn über den künftigen Präsidenten abgestimmt wird. Vorgezogene Wahlen schloss Erdogans konservativ-islamische Partei AKP aus. "Die Regierung funktioniert wie ein Uhrwerk", sagte Vizeparteichef Hüseyin Celik. In der Türkei finden im August 2014 die Präsidentschaftswahlen und im Juni 2015 Parlamentswahlen statt.

Erdogan hält am umstrittenen Umbau fest
Auf dem Flughafen von Adana, der fünftgrößten Stadt der Türkei, rief Erdogan: "Erlaubt denen, die versuchen, spaltenden Samen zu sähen, nicht, dies zu tun." Zugleich betonte er immer wieder, am umstrittenen Umbau des Taksim-Platzes festzuhalten. Die Pläne waren vor einer Woche Auslöser der schwersten Unruhen in der Türkei seit Jahrzehnten. Bei den Protesten wurden Rettungskräften zufolge landesweit drei Menschen getötet und nahezu 5.000 verletzt.

Regierungsfreundliche Kundgebungen am Wochenende
Erdogan nutze seine Reden auch gleich, um seine Anhänger zu mobilisieren. Er rief seine Sympathisanten zu regierungsfreundlichen Kundgebungen für das kommende Wochenende auf. "Steht ihr am Samstag für ein großes Treffen in Ankara bereit? Am nächsten Tag kommen wir dann in Istanbul zusammen", sagte Erdogan vor einer jubelnden Menschenmenge. Zudem forderte er die Bevölkerung auf, ihr Geld bei staatlichen und nicht bei privaten Banken zu deponieren. "Wenn die Börse in Istanbul zusammenbricht, werden die Spekulanten im Schutt liegen, nicht aber Tayyip Erdogan", erklärte er.

Verfeindete Fußballfans schlossen sich Protestlern an
In den Istanbuler Stadtteilen Kizilay und Gazi sowie in Ankara ging die Polizei am Wochenende erneut mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor (siehe Video in der Infobox). Tausende Fans der drei großen Fußballklubs der Metropole schlossen sich den Forderungen nach einem Rücktritt Erdogans an.

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