Wenn heute in Brüssel die Staats- und Regierungschefs zu ihrem Jahresabschluss-, besser gesagt: „Wer fürchtet sich vor Trump“-Gipfeltreffen zusammenkommen, dann können sie sich noch so viel Mut zusprechen – Europa bietet ein jammervolles Bild: Die Wirtschaft schwächelt, Reformstau und die Chefs der beiden größten Mitgliedsstaaten, auch der „Motor der EU“ genannt, sind aus ihrer Innenpolitik heraus ein Totalausfall.
Wer in Europa den starken Mann vermisst, muss aber nicht lange suchen. Es ist die kleine, quirlige Frau aus Italien, die man anfangs wegen Faschismusverdachts im Abseits stehen ließ. Jetzt kommt keiner mehr an ihr vorbei, denn Giorgia Meloni hat ihr klassisches Land der Regierungsstürze und Spontanstreiks beruhigt, kann passable Wirtschaftsdaten vorweisen und hat das Vertrauen Trumps. Sie ist zu dessen Amtseinführung eingeladen.
Meloni ist der Beweis, wie sich politische Moralapostel durch Voreingenommenheit selbst täuschen können: Italien ist Demokratie geblieben.
Ihre vielleicht größte Leistung ist, den Koalitionspartner, Lega-Führer und wortgewaltigen Macho-Populisten Matteo Salvini, bei der Stange zu halten, obwohl sie seiner Partei schon die Hälfte der Stimmen abgeluchst hat. Italienische Politiker lassen sich in ihrem Lebensweg eben nicht so leicht ideologisch einkasteln: Meloni kam von Rechtsaußen, Salvini von Linksaußen.
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