Ein Schuldenberg in Milliardenhöhe, Verbindlichkeiten bei Banken, Lieferanten, Finanzamt und Gesundheitskasse – noch immer ist die Dimension der Insolvenz von KTM für viele unglaublich. Für die Beschäftigten sind die Probleme massiv greifbar: Neben den ersten Kündigungen und dem langen Warten auf Löhne und Weihnachtsgelder wird nun ab Freitagabend der Produktion der Stecker gezogen.
Demnächst erhalten Arbeiter und Angestellte die größten Brocken ihrer Dezember-Gehälter vom Motorradhersteller, der vergangene Woche bereits Löhne und Gehälter für einen Tag im November und den Dezember-Anteil des Weihnachtsgeldes überwiesen hat.
Das Gros des Weihnachtsgeldes und die November-Löhne werden im Jänner dann vom Insolvenzentgelt-Fonds fließen – hier ist das Insolvenzrecht-Team der Arbeiterkammer Oberösterreich derzeit dabei, die Vollmachten und Daten der Mitarbeiter zu kontrollieren und gegebenenfalls zu ergänzen.
„Bereits fast alle Vollmachten erhalten“
Die insgesamt 13 Betriebsversammlungen, die in Mattighofen, Munderfing und Schalchen stattgefunden haben, zeigen da schon ihre Wirkung. „Wir haben bereits fast alle Vollmachten erhalten“, sagt Karoline Neumüller von der Arbeiterkammer Oberösterreich.
Während in vielen Bereichen auf Hochtouren daran gearbeitet wird, um den Fortbestand des Unternehmens zu kämpfen und auch für die Mitarbeiter, die ihre Jobs verlieren, Weichen für die Zukunft zu stellen, gehen am Freitagabend in der Produktion bei KTM die Lichter aus.
Der Motorradhersteller hatte ja schon vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens bekannt gegeben, die Montage der Bikes im Jänner und Februar stillzulegen und dann ab März im Ein-Schicht-Betrieb wieder durchzustarten. 250 Mitarbeiter erhielten am 2. Dezember ihre Kündigung.
130.000 Motorräder auf Lager
Die Pause dauert aber nicht zwei Monate, sondern sogar zweieinhalb Monate. Denn: Die Betriebsunterbrechung, die normalerweise rund um Weihnachten und Silvester stattfindet, wurde um eine Woche vorverlegt und verlängert. Sie beginnt bereits mit diesem Wochenende. Derzeit wird demnach noch immer im Zwei-Schicht-Betrieb produziert, obwohl KTM im Sanierungsantrag verriet, dass 130.000 Motorräder auf Lager liegen.
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