Die anhaltende Trockenheit bringt lokale Versorgungssysteme an ihre Grenzen. Meist setzt man noch auf Freiwilligkeit – so rufen nach „Krone“-Recherchen bereits 111 Gemeinden zum Wassersparen auf –, vereinzelt gibt es sogar Verbote. Doch wo genau welche Maßnahmen gelten, weiß man weder bei Bund noch Ländern.
Österreich sitzt auf einem gewaltigen Wasserschatz. Normalerweise zumindest. Nach Wochen mit Hitze und kaum ergiebigem Regen zeigt sich nun, dass auch dieser Schatz nicht überall und jederzeit unbegrenzt zur Verfügung steht. Es gibt zwar keine offizielle Zahl, in wie vielen Gemeinden Sparmaßnahmen getroffen werden, „Krone“-Recherchen zeigen aber: Schon in mindestens 111 Gemeinden werden die Menschen angehalten, sparsam mit dem kostbaren Nass umzugehen.
In Pöggstall wirkte allein die Drohung
Am stärksten betroffen ist – aufgrund der Größe – Niederösterreich. Rund 70 Gemeinden appellieren, auf die Bewässerung von Rasenflächen, das Waschen von Autos und das Befüllen von Pools zu verzichten. Lediglich die Gemeinde Weinzierl am Walde erließ eine rechtsverbindliche Verordnung. Pöggstall stellte kurzzeitig eine Abschaltung des Trinkwassers zwischen 22 und 4 Uhr in Aussicht – die Drohung wirkte, der Verbrauch sank.
In Salzburg setzt man lieber auf Freiwilligkeit. In Koppl, Seeham, Anthering, Hallwang, Eugendorf, Dorfbeuern und Berndorf soll kein Liter verschwendet werden. Auch St. Georgen und Puch veröffentlichten entsprechende Aufrufe ihrer Wassergenossenschaften.
Strenger läuft es in Kärnten ab. In Köttmannsdorf, Gurk, Griffen, Steuerberg und Klein St. Paul wurde das Wassersparen sogar rechtlich angeordnet – das heißt, bei Verstößen drohen Strafen. Zusätzlich beteiligt sich der gesamte Bezirk Wolfsberg an einem gemeinsamen Sparaufruf.
Brunnen und nächtliches Trinkwasser abgedreht
Im burgenländischen Bad Tatzmannsdorf wurden als Sparmaßnahme auch öffentliche Brunnen abgeschaltet. In der steirischen Gemeinde Gaishorn musste im Juli nachts das Trinkwasser abgedreht werden, so konnten sich Hochbehälter wieder füllen. In Wien gelten derzeit hingegen keine Einschränkungen. „Die Wasserversorgung ist vollständig sichergestellt“, teilt das Magistrat mit.
Bei der Trinkwasseraufsicht Oberösterreich lagen zuletzt rund 40 Meldungen von Versorgern vor, bei denen es Probleme gab. Wie viele Gemeinden tatsächlich betroffen sind, weiß das Land jedoch nicht – mindestens fünf Kommunen appellierten aber öffentlich zum Sparen. Vorarlberg und Tirol konnten keine konkreten Angaben machen.
Datenlücke: Wo Maßnahmen gelten, weiß niemand genau
Und damit steht Oberösterreich nicht alleine da. Zwar mangelt es eigentlich nicht an Daten über Österreichs Wasser: Pegelstände, Niederschlagsmengen und Grundwasserreserven werden laufend gemessen, ausgewertet und veröffentlicht – etwa am staatlichen Portal eHYD. Rund 700 Messstellen liefern dafür aktuelle Werte, insgesamt werden sogar an mehreren tausend Punkten Daten erhoben.
Noch dazu kommen die Wasserhaushaltsberichte des Ministeriums, das Wasserinformationssystem Austria und europäische Dürrekarten. Doch eine scheinbar einfache Frage kann niemand vollständig beantworten: Wo müssen die Menschen gerade Wasser sparen? Eine zentrale, laufend aktualisierte Übersicht über kommunale Aufrufe, Einschränkungen und Verbote gibt es nicht.
„Da muss ich Sie an die Bundesländer verweisen“ – und die weisen zurück
Weder im zuständigen Ministerium („Da muss ich Sie leider an die Bundesländer verweisen“) noch bei den einzelnen Ländern: „Dem Land stehen keine flächendeckenden Daten über alle kommunalen Wasserversorgungsanlagen zur Verfügung“, heißt es etwa aus Tirol. Das Land Oberösterreich erklärt, dass „mengenmäßige Mängel“ nicht gemeldet werden müssen. Und auch in Vorarlberg liege „die Zuständigkeit für die Wasserversorgung bei den Gemeinden“. So wandert die Verantwortung vom Bund zu den Ländern und von dort weiter zu den Gemeinden und Wasserversorgern.
„Kein Land der ständigen Einschränkungen“
Gegen dauerhafte Verbote spricht sich übrigens Gemeindebundpräsident Johannes Pressl aus: „Wir waren in Österreich immer ein Land der Möglichkeiten und nicht ein Land der ständigen Einschränkungen“, so der Gemeindevertreter, der sich vielmehr weniger Verluste durch alte Leitungen, neue Brunnen und Notverbindungen zwischen den Versorgern wünscht.
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