Nach Doppelanschlag
Bostoner Polizei nimmt drei weitere Verdächtige fest
"Drei weitere Verdächtige sind im Fall der Marathon-Bomben in Gewahrsam genommen worden", vermeldete die Bostoner Polizei am Mittwoch. Bei den Festgenommenen - die bereits für eine erste Anhörung vor Gericht erschienen sind - handelt es sich um Studenten. Zwei der Verdächtigen sind die aus Kasachstan stammenden Studierenden Azamat Tazhayako und Dias Kadyrbayev (Bild 3). Den 19-Jährigen werden Falschaussagen und Verschwörung zur Behinderung der Justiz vorgeworfen, berichtete CNN unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Der dritte festgenommene Student sei der ebenfalls 19 Jahre alte US-Bürger Robel Phillipos.
Wie das US-Justizministerium erklärte, wurde gegen die drei jungen Männer ein Strafverfahren eingeleitet. Den beiden Kasachen droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Phillipos wird beschuldigt, die Ermittler angelogen zu haben. Er könnte für bis zu acht Jahre hinter Gitter kommen. Die Kasachen müssen am 14. Mai zu einer weiteren Anhörung vor Gericht erscheinen, Phillipos am kommenden Montag. Dann soll auch über eine eventuelle Kaution entschieden werden. In der Zwischenzeit bleiben alle drei in Untersuchungshaft.
Beweise für Bombenleger entsorgt?
Die Verdächtigen - ehemalige Studienkollegen des überlebenden Boston-Bombers Dzhokhar Tsarnaev, derzeit nicht immatrikuliert bzw. wegen der neuesten Entwicklungen nun suspendiert - sollen dem 19-Jährigen nach der Tat geholfen haben. Die Behörden ermitteln, ob die Studenten Beweismittel für den Bombenleger entsorgt haben.
Laut US-Justizministerium wollten die drei jungen Männer Tsarnaev decken, als sie ihn auf den drei Tage nach den Anschlägen veröffentlichten Fahndungsfotos erkannt hatten. Die Verdächtigen sollen mit ihm per SMS in Kontakt gestanden haben. Aus Gerichtsdokumenten geht zudem hervor, dass einer der Kasachen dem Attentäter geschrieben haben soll, er sehe aus "wie der Verdächtige im Fernsehen". Daraufhin habe Tsarnaev mit der für "laut loslachen" stehenden Abkürzung "lol" geantwortet und geschrieben: "Schreib mir lieber kein SMS." Eine weitere Kurzbotschaft lautete: "Ich bin dabei wegzugehen. Wenn du etwas aus meinem Zimmer brauchst, nimm es."
Diesen indirekten Hinweis, Beweismittel loszuwerden, dürften die Studienkollegen befolgt haben. Sie sollen einen Laptop und einen Rucksack mit entleerten Feuerwerkskörpern (zweites Bild) aus Tsarnaevs Studentenzimmer mitgenommen und entsorgt haben. Sie hätten ihren eigenen Angaben zufolge allerdings zu diesem Zeitpunkt keinen Zusammenhang mit den Bombenanschlägen erahnt, berichtete CNN. Die Ermittler fanden die Beweismittel später auf einer Mülldeponie.
Anwalt: "Mein Mandant wusste von nichts"
Tazhayakos Anwalt sagte am Mittwoch, sein Mandant sei schockiert und entsetzt, dass jemand, den er kenne, in die Bombenanschläge involviert gewesen sei. Er arbeite mit den Behörden zusammen und sei sicher, dass die Wahrheit ans Licht kommen werde. Kadyrbayevs Verteidiger betonte ebenfalls, sein Mandant habe keineswegs gewusst, dass "diese Gegenstände mit einem Bombenanschlag in Verbindung stehen".
Laut dem US-Justizministerium wurden die beiden Kasachen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Einwanderungsbestimmungen bereits seit dem 20. April festgehalten. Der Amerikaner sei später festgenommen worden.
"Strafbare Handlungen erst nach dem Doppelanschlag"
Alan Dershowitz, ein prominenter Verteidiger und Jura-Professor an der renommierten Harvard-Universität, sagte CNN, dass die Vorwürfe gegen die drei Verdächtigen nicht auf den Anschlag selbst bezogen sein dürften. "Wenn sie von den Bomben wussten, wenn sie an dem Anschlag beteiligt waren, würde der Vorwurf 'Verschwörung zum Anschlag' lauten - wofür der andere Mann (Dzhokhar Tsarnaev) bereits angeklagt wurde", so Dershowitz. Derzeit deute alles darauf hin, dass die Ermittler lediglich Beweise für strafbare Handlungen nach dem Doppelanschlag vorweisen könnten.
Für die Bombenanschläge am 15. April, bei dem drei Menschen getötet und mehr als 260 verletzt wurden, machen die US-Behörden die aus Tschetschenien stammenden Brüder Tamerlan und Dzhokhar Tsarnaev verantwortlich: Der 26-jährige Tamerlan wurde auf der Flucht getötet, der 19-jährige Dzhokhar schwer verletzt gefasst. Ihm droht ein Prozess vor einem US-Bundesgericht, in dem er bei einem Schuldspruch mit der Todesstrafe rechnen muss.
Spekulationen über mögliche Mittäter
Die Bundespolizei FBI untersuchte in den vergangenen Tagen, ob das Brüderpaar womöglich Komplizen oder Mitwisser hatte (siehe Infobox). Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, der Republikaner Mike Rogers, hatte dem Fernsehsender ABC am Wochenende gesagt, dass es "Personen von Interesse" gebe. Wie viele Verdächtige im Visier der Ermittler seien, sagte Rogers nicht.
Die US-Sicherheitsbehörden hatten nach den Anschlägen erklärt, dass Verbindungen zu internationalen Terrorgruppen wie Al-Kaida allerdings wenig wahrscheinlich seien.







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