Wilde Szenen sollen sich am 12. September 2024 in Linz abgespielt haben: Zwei Männer sollen eine Frau gepackt und in ein Auto gezerrt haben. Bei den mutmaßlichen Entführern handelte es sich aber nicht um Fremde, sondern um den Gatten (44) und Sohn (19) des Opfers. Beide wurden in Linz zu Haftstrafen verurteilt.
Die Anklägerin spricht am Landesgericht Linz von einer Sandkastenliebe, die später von Alkoholmissbrauch und Gewalt des Mannes geprägt gewesen sein soll. Der Verteidiger von einer On-Off-Beziehung, die unter den psychischen Erkrankungen der Frau massiv gelitten hätte. Die Mutter von neun Kindern soll in den letzten Jahren mehrmals ausgezogen sein, aber immer wieder kehrte sie zu ihrer Familie zurück.
Im Frauenhaus Schutz gesucht
Auch vor der mutmaßlichen Entführung am 12. September soll sich die Mutter schon mehrere Wochen im Linzer Frauenhaus aufgehalten haben, ist dort am Vortag zufällig mit ihrem 19-jährigen Sohn zusammengetroffen. Der soll die Mutter zur Heimkehr in die elterliche Wohnung aufgefordert haben, um sich wieder um die drei minderjährigen Kinder zu kümmern.
Mutter abgepasst
„Sie wollte sich scheiden lassen“, sagt die Staatsanwältin – hat vor dem Verlassen des Frauenhauses jedes Mal einen Blick auf die Überwachungskameras geworfen. So auch an jenem Tag, trotzdem traf sie vor dem sicheren Versteck erneut auf ihren Sohn. Ihr Ehemann soll sich in einem nahen Gebüsch versteckt haben.
Am Oberarm gepackt
„Ich habe zu meiner Mutter gesagt, dass sie doch nach Hause kommen soll“, erklärt der 19-Jährige dem Richter. Nach dem Gespräch sei der Ehemann auf die Frau zugelaufen, packte sie am Oberarm – so fest, dass sie dabei einen Bluterguss erlitt. Dann soll er sie am Kopf gefasst und ihr den Mund zugehalten haben. Anschließend hätten er und der Sohn die Frau ins Auto auf den Rücksitz bugsiert und sie zur Wohnung gebracht.
Da war sie schon wieder gut gelaunt, hat geraucht. Sie hätte schon an mindestens zehn Ampeln aussteigen können.
Der Ehemann vor Gericht
Polizei redete am Handy mit Mutter
„Da war sie schon wieder gut gelaunt, hat geraucht. Sie hätte schon an mindestens zehn Ampeln aussteigen können“, sagt der Vater vor dem Richter und weiter: „Immer wenn sie ihre Tabletten nicht nahm, hat sie mich und die Kinder abgelehnt.“ Die Fahrt nach Richtung Kroatien sei auch schon wieder „normal“ verlaufen, obwohl sogar die Polizei am Handy mit der Mutter Kontakt hatte – sagen Vater und Sohn unisono.
An Tankstelle angehalten
„Der Mann hat die Frau im Fluchtauto geküsst und ihre Lippen abgeleckt“, meint die Staatsanwältin. Kurz vor der slowenischen Grenze wurde der Wagen mittels Handypeilung ausgeforscht und angehalten – für das Vater-Sohn-Duo klickten die Handschellen. Im Wagen saß da nicht mehr der 19-Jährige, sondern sein jüngerer Bruder. Der Ältere soll währenddessen auf die kleinen Geschwister aufgepasst haben.
Bis zu zehn Jahren Gefängnis
Am Freitag mussten sich die zwei Angeklagten am Landesgericht Linz wegen Freiheitsentziehung und Körperverletzung verantworten – der Strafrahmen beträgt bis zu zehn Jahre Haft. Beide wurden zu teilbedingten Haftstrafen verurteilt: der Vater zu 21 Monaten (sieben unbedingt), der Sohn zu sieben Monaten (zwei unbedingt), bereits rechtskräftig.
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